Radfahren in Fußgängerzonen

15.08.12
Kategorie: Bochum, Verkehr

Fußgängerzonen sind ein Bestandteil autogerechter Stadtplanung. Die ersten Fußgängerzonen entstanden in den 1950er Jahren in der Phase des Wiederaufbaus nach den großflächigen Zerstörungen der Innenstädte durch den 2. Weltkrieg. Die Grundidee ist die Trennung der Verkehrsarten. Fußgängerzonen schaffen kleine Reservate für Fußgänger in einer ansonsten auf den Autoverkehr ausgerichteten Stadtplanung. Fußgängerunterführungen, Tiefgaragen, Parkhäuser, Parkleitsysteme und U-Bahnen sind Teil des Systems.

Fahrradverkehr kommt in dieser Welt nicht vor. Radfahrer sind weder Fußgänger noch Autofahrer. Konsequenterweise müsste man für den Fahrradverkehr ein drittes, vollständig von den anderen Verkehrsarten getrenntes Verkehrssystem aufbauen - eine absurde Idee in engen Innenstädten.

Die Diskussionen über Radfahren in Fußgängerzonen sind so alt wie die Fußgängerzonen selbst. Schon seit den 1980er Jahren ist die Sachlage gründlich erforscht. Wesentliche neue Erkenntnisse sind seitdem nicht hinzugekommen.

  • Über die Zulassung von Radfahrern werden emotionsgeladene Debatten geführt.
  • Vor allem ältere Personen fühlen sich gefährdet.
  • Die Konflikte durch zugelassenen Lieferverkehr mit LKW sind schwerwiegender.
  • Unfälle mit Fußgängern sind seltene und i.d.R. harmlose Ereignisse.
  • Alleinunfälle von Radfahrern sind häufiger.
  • Die Legalisierung des Rad Fahrens führt nicht zu mehr Fahrradverkehr.
  • Wo Radverkehr erlaubt ist, gibt es weniger Unfälle.
  • Radfahrer passen ihr Verhalten an die Fußgängerdichte an.
  • Konflikte werden von Radfahrern entschärft.
  • Radwege durch Fußgängerzonen sind keine Lösung.

Radfahrer befahren Fußgängerzonen auch unerlaubt, wenn sie die Verbindung brauchen und Alternativen fehlen. Wenn es bessere Alternativen gibt, fährt kein Radfahrer freiwillig durch eine Menschenmenge. Fußgängerzonen sind die Kehrseite der autogerechten Stadt. Wenn zahlreiche Radfahrer unerlaubt durch eine Fußgängerzone fahren, steht dahinter eine verfehlte Verkehrsplanung. Also muss die Verkehrsplanung korrigiert werden, nicht die Radfahrer.

Auch wenn Radfahren erlaubt ist, müssen die Radfahrer sich nach den Fußgängern richten, nicht umgekehrt. Die Rechtslage entspricht der Zulassung von Radverkehr auf Gehwegen.

Genau diese Sachlage lässt sich am Beispiel der Fußgängerzone in der Bochumer Innenstadt Schritt für Schritt belegen. Rad gefahren wird genau da, wo die Alternativen fehlen - gleich ob es erlaubt ist, oder nicht. Lösungen gibt es genau zwei:

  • Radfahren legalisieren.
  • Alternativen schaffen.
KK

© 2018 ADFC NRW e. V.