Hintergrund Weltfrauentag

Es ist bereits über 100 Jahre her, dass der Weltfrauentag eingeführt wurde: Initiiert von Clara Zetkin, einer deutschen Frauenrechtlerin und Sozialistin, fand der Frauentag zum ersten Mal am 19.03.1911 statt, ein paar Jahre später wurde er auf den 8. März gelegt. Das Frauenwahlrecht wurde in Deutschland acht Jahre später, 1919, eingeführt und der Frauentag etablierte sich, wurde ab 1933 wieder verboten. Das nationalsozialistische Regime strich den Tag, anschließend geriet er in Vergessenheit. Erst Ende der 1960er Jahre rückte er durch das Wiederaufkommen der Frauenbewegung erneut in den Fokus.

Mehr als ein Hobby - Radfahren als Schubhilfe der weiblichen Emanzipation

Mobil sein, sich persönliche Freiräume schaffen sowie zu mehr Lebensqualität und Gesundheit finden – dazu hat das Fahrrad die Frauen in den USA und Europa gegen Ende des 19. Jahrhunderts angeregt.

Die ersten Frauen, die sich Ende der 1860er Jahre auf eines der damals neumodischen Vélocipédes wagten, müssen die beflügelnde Kraft des Radfahrens gespürt haben. Eine Ahnung, dass Radfahren eben nicht nur Radfahren und Fahrspaß bedeutet, sondern in der patriarchalischen, deutschen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts auch mehr Freiheit versinnbildlicht – sowohl räumlich, als auch gedanklich. Wir empfehlen folgenden Artikel über „Frau und Fahrrad".

 

6 Gründe warum der Frauentag auf der ganzen Welt aufgegriffen wird

Grund 1: Frauenrechte sind Menschenrechte - Jeder Mensch sollte die gleichen Rechte haben und dazu gehören auch Frauen. Bereits 1993 wurde auf der Menschenrechtsweltkonferenz festgelegt, dass die volle und gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am politischen, bürgerlichen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben, auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene, und die Beseitigung aller Formen der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts vorrangige Ziele der internationalen Gemeinschaft sind. Es wurde zwar schon Einiges erreicht, aber es gibt trotzdem noch viel zu tun!

Grund 2: Frauenwahlrecht - Politische Mitbestimmung für Frauen sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Doch noch immer haben nicht alle Frauen auf der Welt das Wahlrecht: Im Libanon dürfen Frauen nur wählen, wenn sie einen bestimmten Bildungsgrad nachweisen können. In Bhutan und Brunei haben Frauen bis heute kein Wahlrecht. In Saudi-Arabien wurde das Frauenwahlrecht erst 2015 eingeführt. 

Grund 3: Gender Pay Gap - Ziemlich ungerecht: Der Gender Pay Gap beschreibt die Differenz zwischen dem Arbeitslohn von Männern und Frauen. Frauen verdienen für dieselbe Arbeit laut statistischem Bundesamt immer noch 21 % weniger als Männer. Damit ist Deutschland in der EU eines der Schlusslichter. Aktionen, die dem entgegenwirken wollen, sind z. B. der Equal Pay Day, der 2020 am 17. März ist.

Grund 4: Veraltete Rollenbilder nachteilig für Frauen - Die Mutter bleibt zu Hause beim Kind, der Vater bringt das Geld nach Hause: Immer noch wird dieses Modell in vielen Familien als "normal" angesehen und gelebt. In dieser Konstellation haben Frauen langfristig das Nachsehen: Nach einem längeren Ausstieg ist die Rückkehr in den alten Beruf meist schwierig, außerdem arbeiten Frauen mit Kindern sehr viel häufiger als Männer in Teilzeit und verdienen insgesamt weniger Geld.

Grund 5: Frauen sind von Altersarmut bedroht - Abhängigkeit oder Armut: Durch einen längeren Ausstieg aus dem Job sind Frauen viel öfter von Altersarmut bedroht als Männer - oder finanziell abhängig vom Ehemann. Auch das Steuerrecht begünstigt die Eigenständigkeit von Frauen nicht gerade: Ist man verheiratet, dann beschert einem das Ehegattensplitting erhebliche Vorteile bei der Besteuerung des Gehalts. Alleinerziehende haben das Nachsehen und müssen oft mehr Steuern zahlen. 

Grund 6: Kaum Verbesserung bei Gleichstellung von Frauen und Männern in Führungspositionen Frauen in deutschen Vorständen haben immer noch Seltenheitswert. Eine Studie der Allbright-Stiftung fand heraus, dass nur acht Prozent der Vorstände von börsennotierten Unternehmen in Deutschland weiblich sind – der Wert stieg lediglich um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Großteil der Börsenunternehmen hat bisher gar keine Frauen im Vorständen. In der Politik sieht es etwas besser aus, allerdings gibt es auch hier noch Einiges aufzuholen: So liegt im Bundestag der Frauenanteil bei den Abgeordneten etwa bei 30 %.

 

 

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