StillLeben- Ein politisches Paradebeispiel

20.07.10
Kategorie: Still-Leben A40, Aktuelles, Wuppertal/Solingen, Verkehrspolitik

Städte voller Räder



Nicht nur auf der A40, sondern auch in den umliegenden Städten prägten endlose Fahrradschlangen das Bild



Auf der Autobahn selbst ging es mal schneller...



...und mal langsamer voran.


Wer zu Haus blieb, hat was verpasst. Die größte Radtour aller Zeiten war noch gewaltiger aus als erhofft. Es lohnt sich, diesen Erfolg auch verkehrspolitisch zu bewerten.

Eine Million Radfahrer in sechs Stunden: Effektiver kann eine Autobahn nicht genutzt werden. Bei rund 150.000 Autos pro Tag wird die A 40 bei einer durchschnittlichen Besetzung der Autos mit 1,33 Insassen von etwa 200.000 Menschen befahren. Dieser Wert gilt bei Nutzung beider Fahrbahnen innerhalb von 24 Stunden und führt zu permanenten Staus. Statistisch bedeutet das eine Abwicklung von 139 Autoinsassen je Minute im normalen KFZ-Verkehr. Am Sonntag waren es auf der halben Breite 2777 Radfahrern pro Minute. Damit war die Kapazität der Straße für den Radverkehr rund 40fach so hoch wie bei der Verwendung als Autobahn.

Diese statistische Spielerei ist sicher angreifbar. Sie können jetzt z.B. argumentieren, dass es ja in 24 Stunden auch schwächere Auslastungszeiten gibt. Aber ob es nun die 40, 30 oder nur 20fache Verkehrsleistung ist: Bewiesen wurde, dass Radverkehr flächenschonend ist. Konsequente Radförderung löst Verkehrs- und Platzprobleme. Verbunden mit den weiteren bekannten Vorteilen wie Lärm- und Abgasminderung sowie Gesundheitsschutz müsste jedem klar sein, dass in den Ballungsräumen nur eine konsequente Radverkehrsförderung nachhaltige Verbesserungen der Stadtstruktur erreichen kann. Dafür muss aber über die übliche Flickschusterei mit einzelnen kleinen Maßnahmen an Stellen, die der Autoverkehr gerade nicht benötigt, weit hinausgegangen werden. Nur durchgehende und schnell zu befahrende Verbindungen, mindestens gleichberechtigt mit dem motorisierten Verkehr, erweitern den Aktionsradius so, dass Fahrradnutzung attraktiv wird.

Der besondere Clou: von einer solchen Politik profitieren sogar die Autofahrer. Verstopfte Straßen werden durch den Umstieg viel eher frei als durch Straßenneubauten, für die insbesondere im Zeitalter der kommunalen Finanzkatastrophen sowieso keine Mittel mehr zur Verfügung stehen.

Noch eine Information für alle Kritiker: Ja, auch wir haben auf der A 40 zwischendurch im Fahrradstau gestanden. Im Gegensatz zu anderen Staus auf der Autobahn blieben aber alle gelassen, Stimmung und die Atemluft waren gut, und nach ein paar Minuten ging es auch wieder weiter.


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