ADFC - 30 Jahre jung

ADFC-Logo bis 2009
ADFC-Logo ab 2009

Am 18. April 1979 gründet der Verkehrsberater Jan Tebbe mit 17 anderen am Verkehrsmittel Fahrrad Interessierten an seinem Wohnort Bremen den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Der Verein soll nur weitergeführt werden, wenn die Mitgliederzahl mindestens 100 beträgt. Dieses Ziel ist bereits nach 2 Wochen mit 179 deutlich überschritten. Jan Tebbe begeistert „14 Dortmunder Studenten, die mit Professor und 3 Betreuern auf der Suche nach attraktiven Radverkehrsanlagen in Bremen sind“ von seiner Idee. Einige von ihnen gründeten daraufhin am 7. Mai 1979 den ADFC-Dortmund.

Gründung des Landesverbandes
Der Landesverband NRW wurde am 2. Juni 1983 durch die nordrhein-westfälischen Bezirksvereine Aachen, Bielefeld, Bonn, Dortmund, Düsseldorf, Köln und Siegen in Düsseldorf als Bindeglied zwischen Bundesverband und den Bezirksvereinen gegründet. Im September des selben Jahres gründete sich der European Cyclists Federation (ECF) durch 12 europäische Radfahrerverbände, darunter der ADFC, in Kopenhagen.
Die Fahrradbewegung in der DDR beginnt sich im Mai 1987 zu organisieren. Leipziger Umweltschutzgruppen treffen sich erstmals zu einem Erfahrungsaustausch und beschließen, eine Gemeinschaftsaktion „Radverkehr in Leipzig“ zu starten. Der ADFC-Bonn gibt 1989 nach der Wende in der DDR den Anstoß zur Gründung des ersten ADFC-Bezirksvereins der DDR in der Bonner Partnerstadt Potsdam. Am letzten Tag der Existenz der DDR (2.10.1990) wird beim Kreisgericht Belzig (Bezirk Potsdam) der ADFC-Belzig e.V. in das Vereinsregister eingetragen. Die Urkunde trägt das Amtssiegel mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz.

ADFC und Fahrradpolitik
Im Juni 1980 wurde der ADFC als Interessenvertretung beim Deutschen Bundestag registriert. Im April 1984 fand eine erste Radtour mit einem Bundesverkehrsminister statt. Die Fahrt von Dr. Werner Dollinger mit Anne Modersohn durch Bonn ist wegen zahlreicher Journalisten auf Motorrädern und in Autos zwar etwas chaotisch, schafft dem ADFC aber Kontakte in hohe Ministeriumskreise. Der ADFC ist erstmals bei einer Anhörung des Bundestagsverkehrsausschusses vertreten, Thema: „Straßenverkehrssicherheitspolitik“. Im Februar 1994 stellen in der Bund-Länder-Arbeitskreis zur Änderung der Straßenverkehrsordnung in München zwei ADFC-Vertreter die 25 Forderungen des ADFC zur fahrradfreundlichen Änderung der StVO vor. Die neuen „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen“ erscheinen im Jahr 1995. Sie enthalten viele gute Planungsgrundsätze für den Radverkehr. Die ERA wird allerdings nicht rechtsverbindlich.

Die 18. ADFC-Bundeshauptversammlung fordert 1997 in Osnabrück unter anderem die Umwandlung der Kilometergeldpauschale in eine verkehrsmittelunabhängige Entfernungspauschale. Der Bundesrat stimmt am 4. 7. 1997 einer Rechtsverordnung des Bundesverkehrsministers Matthias Wissmann zur Novellierung der Straßenverkehrsordnung zu, wonach die Radwegebenutzungspflicht an Qualitätskriterien gebunden wird. Der ADFC ist damit einem seiner Hauptziele ein großes Stück näher gekommen. Die Novelle beinhaltet auch die Einführung von Fahrradstraßen und Schutzstreifen sowie die Möglichkeit, Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung zu öffnen. Die StVO-Novelle tritt am 1.10.1997 in Kraft. Ab dem 1.10.1998 sind nur Radwege benutzungspflichtig, die mit einem blauen Schild gekennzeichnet sind. Viele Straßenverkehrsbehörden haben ihre Radwege jedoch nicht rechtzeitig überprüft oder mit abenteuerlichen Begründungen die Benutzungspflicht für katastrophale Wege beibehalten. Im ADFC beginnt eine Debatte, ob gegen solche Behörden Klage erhoben werden soll. Schon nach dem Einlegen formeller Widersprüche heben einige Behörden die Benutzungspflicht teilweise auf. In Berlin und Hamburg haben ADFC-Mitglieder mit Klagen Erfolg.
Der Bundestag bewilligt im März 2003 erstmals 10 Mio. Euro für den Ausbau von Radwegen an Bundeswasserstraßen. Die Ausführungsbestimmungen gestatten aber zunächst nur den Ausbau anstelle von Radwegen an nahe gelegenen Bundesfernstraßen.
Die EU-Verkehrsminister beschließen im Dezember 2006, dass ab Ende 2008 alle Lkw über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht mit zusätzlichen Rückspiegeln zur Verkleinerung des "toten Winkels" ausgestattet sein müssen. ECF und ADFC hatten sich immer wieder für diese Nachrüstung älterer Lastwagen eingesetzt.
Die StVO-Novelle aus den Jahr 2009 verbessert die Rechte der Fahrradfahrer weiter, unter anderem wird die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenverkehr erleichtert.

Sicherheit im Radverkehr
Seit dem 1. Mai 1991 müssen neue LKW über 3,5 t mit einem seitlichen Unterfahrschutz ausgerüstet sein, ab 1.1.1994 auch alle älteren LKW. 

Nationaler Radverkehrsplan
Die ADFC-Bundeshauptversammlung in Trier fordert 1995 die Aufstellung eines nationalen Radverkehrsplans. Der Nationale Radverkehrsplan wurde 2002 erstmals vom Bundesverkehrsministerium an den Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club vorgelegt. Inzwischen ist er mehrmals überarbeitet und fast jährlich ergänzt worden.

Radstationen
1981 wird die Bremer Fahrradstation, der ersten ihrer Art in Deutschland, gegründet. Das Land Nordrhein-Westfalen startet 1995 in Kooperation mit dem ADFC-Landesverband ein Programm zur Einrichtung von 100 Fahrradstationen an Bahnhöfen, von denen 2004 bereits 50 mit insgesamt 16.000 Stellplätzen in Betrieb sind. In den anderen Ländern gibt es 2004 19 weitere Fahrradstationen, davon 4 nach dem NRW-Konzept „Radstation“. Mittlerweile gibt es in NRW 61 Fahrradstationen mit über 18.000 Stellplätzen.

Mit dem Rad zur Arbeit
Die erste Aktion Mit dem Fahrrad zur Arbeit, gefördert vom Umweltbundesamt, fand im Mai 1983 statt. ADFC-Bayern und AOK gewinnen mit ihrer Gemeinschaftsaktion „Mit dem Fahrrad zur Arbeit“ den Wettbewerb best for bike 2002 des Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) und der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen (AGFS). Der Preis wird auf der IFMA überreicht.
2004 haben bundesweit 61.000 Menschen aus 7.200 Betrieben teilgenommen. Nach erfolgreicher Ausbildung stehen ab sofort 13 ADFC-Betriebsberater zur Verfügung. Sie beraten Betriebe vor Ort, wie sie durch effektive Maßnahmen mehr Mitarbeiter aufs Rad bringen können. Bundesverkehrsminister Tiefensee eröffnet gemeinsam mit der stellvertretenden ADFC-Bundesvorsitzenden Heidi Wright die Aktion „Mit dem Fahrrad zur Arbeit 2006", die erstmals in allen Bundesländern und erstmals einheitlich vom 1.6. bis 31.8.2006 stattfindet. 2009 gab es einen erneuten Rekord mit über 168.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Fahrrad des Jahres
Der ADFC präsentiert 1984 auf der IFMA erstmals das „Fahrrad des Jahres“. Als bestes Stadtrad wird das Modell „Möwe“ von Utopia gekürt.. Es folgen 1985 das Wanderrad, 1987 das Jugendrad, 1989 das Allzweckrad, 1991 das Rennrad, 1993 erneut ein Stadtrad, 1995 das Dienstleistungsrad, 1997 das Faltrad und 1999 das Komfortrad. Danach beschließen Vorstand und Hauptausschuss, bis auf weiteres kein „Fahrrad des Jahres“ mehr zu küren, da der Aufwand nicht mehr im erforderlichen Verhältnis zum Nutzen steht.

Forschungsdienst Fahrrad
Der erste Forschungsdienst Fahrrad (FoDiFa) erscheint am 1.10.1985 und informiert während der nächsten 14 Jahre alle zwei Wochen über Untersuchungen und Veröffentlichungen zum Thema „Fahrrad“. Am 13.8.1999 wird er von der deutschen Ausgabe des „Bicycle Research Report“ abgelöst.

Versicherungen
Am 1.03.1988 wird je Haftpflichtversicherung für alle ADFC-Mitglieder. Am 1.6.1989 folgt die Rechtsschutzversicherung. Beide sorgen für stark steigende Mitgliederzahlen. Steigerungsraten von bis zu 40% sind in diesen Jahren normal! 1992 start der Fahrrad-Diebstahl-Versicherung für ADFC-Mitglieder bei der „Vereinten“ für Räder ab 1000 DM Kaufpreis.

Fahrradklimatest
1988 findet der erste Fahrradklimatest per Leserumfrage in „Radfahren“ statt. 4000 Einsender beantworten je 21 Fragen zum Fahrradklima in ihrer Stadt. Erlangen erhält als Sieger vor Münster und Oldenburg das „Goldene Rad“, Saarbrücken als schlechteste Stadt die „Rostige Speiche“. 1991 folgt der zweite Fahrradklimatest. Sieger bei den Städten über 200.000 Einwohnern ist Münster, bei den Städten über 100.000 Einwohnern Basel, gefolgt von Erlangen, und bei den kleineren Städten Offenburg. Die Schlusslichter heißen Essen, Solingen und Rudolstadt. Dritter Fahrradklimatest von ADFC und BUND im Jahr 2003. 8300 Menschen aus 590 Städten und Gemeinden bewerten die Fahrradfreundlichkeit ihres Wohnorts. Bei den Städten über 200.000 Einwohnern gewinnt Münster vor Kiel und Oberhausen. Bei den Städten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern Erlangen vor Oldenburg und Ingolstadt Bei den Städten unter 100.000 Einwohnern Bocholt vor Wesel und Westerstede. Am schlechtesten bewertet wurden Hamburg, Würzburg und Bleckede.

Radtourenkarten
Die ersten ADFC-Radtourenkarten erscheinen 1981 im Haupka-Verlag. In den nächsten Jahren werden sie zu einem flächendeckenden Werk, das trotz mancher Mängel dem ADFC viele neue Mitglieder bringt. 1989 werden die Karten vom noch immer produzierten Kartensatz der Bielefelder Verlagsanstalt abgelöst und ab 24.4.1995 durch die ADFC-Regionalkarten ergänzt. Die ADFC-Radtourenkarten sind seit 1992 auch für die neuen Länder komplett lieferbar.

ADFC Dachgeber und Bett & Bike
Der erste ADFC-Dachgeber erscheint im April 1988. Es ist ein Übernachtungsverzeichnis von Privatquartieren für Reiseradler auf Gegenseitigkeit. 2003 umfasst die 16. Auflage 2500 Adressen. Die Länderinfobank „Wer war wo?“ ergänzt dieses Angebot. 1995 stellt der ADFC das Projekt „Fahrradfreundliche Gastbetriebe“auf der ITB vor. In der Nullnummer von „Rad & Bett“ sind 216 Betriebe verzeichnet. Die erste richtige Ausgabe erscheint am 28.8.1995 und verzeichnet bereits 350 Betriebe. „Rad & Bett“ verzeichnet bereits 1997 421 fahrradfreundliche Gastbetriebe in Deutschland. Das Projekt wird in Bett & Bike umbenannt. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg werden die ersten gleichnamigen Regionalprojekte gestartet.

Deutschland per Rad entdecken
Der ADFC startet 1998 mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums und des Deutschen Fremdenverkehrsverbands ein Projekt mit dem komplizierten Namen „Koordinierung des deutschen Radfernwegenetzes und Erstellung von Vermarktungshilfen für den Fahrradtourismus in Deutschland“, kurz „D-Netz“. Die dabei erarbeitete Broschüre Deutschland per Rad entdecken entwickelt sich in den nächsten Jahren zum erfolgreichsten Werbemedium des ADFC. Bereits die erste einfache Übersichtskarte „Radfernwege in Deutschland“ findet reißenden Absatz. Der erste Katalog „Deutschland per Rad entdecken“ erscheint 1999. Er präsentiert 30 Routen und Regionen und wird allein auf der ITB in Berlin in 9000 Exemplaren verteilt.

Codierung von Fahrrädern
Der ADFC-Fachausschuss Technik stellt ADFC-Gliederungen und Fahrradhändlern seit dem Dezember 2006 im Internet einen bundesweiten Codegenerator zur Verfügung. Damit können jetzt auch Fahrräder von Kunden codiert werden, die nicht im Einzugsgebiet der ADFC-Gruppe oder des Händlers wohnen.

ADFC Qualitätsradroute
Derzeit sind 17 Radrouten vom ADFC zertifiziert. Der 230 Kilometer lange RuhrtalRadweg folgt dem Verlauf der Ruhr vom Sauerland in den
Industriekulturraum Ruhrgebiet bis zum Rheinufer und ist die erste Strecke in einem Ballungsraum, die die Auszeichnung "ADFC-Qualitätsradroute" erhält.

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