Radwegegeschichten

Privatweg des Berliner Vereins für Radfahrwege. Einmann-Walze der Berliner Maschinen-Bau AG.
Doppelter Radfahrer-Streifen in gleicher Höhe mit dem Fußweg (1932)
Getrennter Fuß und Radweg im Jahr 1939
Radwegpolitik in der NS-Zeit
Wegweiser im Radverkehrsnetz NRW 2007

Rad fahren auf glatten Oberflächen

Die ersten nur für Radfahrer befahrbaren Wege entstanden ohne einheitliche vom Staat vorgegebenen Richtlinien in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. In den Städten Hamburg, Bremen und Lüneburg waren dies zunächst nur für Radfahrer verbesserte Fahrdammteile, da die Fahrbahn meistens aus grobem Kopfsteinpflaster bestand. Diese waren für Radler schwer erträglich befahrbar und kaum erträglich. In der Umgebung von Hannover und Magdeburg wurden Wege für den Erholungs- und Ausflugsverkehr erstellt. Gebaut wurden sie durch Selbsthilfeaktionen von Radfahrwegevereinen.

Runter von der Straße

In den Jahren 1926 bis 1928 wurden Forderungen lauter, Radfahrer vom Fahrdamm zu verbannen und sie auf Radwege zu leiten. Das erste umfassendes Buch zum Thema Radfahrwegebau stammt aus dem Jahr 1926. Der Magdeburger Stadtbaurat Dr. Henneking verfasste das Buch: "Der Radfahrverkehr. Seine volkswirtschaftliche Bedeutung und die Anlage von Radfahrwegen". Im Jahr 1927 entstanden dann die "Richtlinien für die Schaffung von Radfahrwegen" der Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau. Seit dieser Zeit wurde in Deutschland der Radwegebau vorangetrieben, damit der Radfahrer endlich "von der Straße" kommt.

Radwegebenutzungspflicht

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Radwegebau in die Regierungs- und Parteipropaganda auch als wichtige Voraussetzung für die Förderung des Kraftverkehrs integriert. Das Nationalsozialistische Kraftfahrer-Korps (NSKK) und Der Deutsche Automobil-Club (DDAC) unterstützten den Radwegebau. Am 1. August 1934  wurde die "Reichs-Straßen-Verkehrs-Ordnung" (RStVO)  eingeführt. In ihr wird den Radfahrern, Reitern und Fußgängern das Recht zur Straßenbenutzung erheblich eingeschränkt. In dieser Zeit war das zahlenmäßige Verhältnis von Radfahrern zum Auto 20:3. Die Radwegebenutzungspflicht wurde zu einem Instrument der Disziplinierung gegenüber den Radfahrern, obwohl diese eine deutliche Mehrheit gegenüber den Kraftfahrern hatten.

Die Reichsautobahnen wurden als "Straßen Adolf Hitlers" gefeiert. Die Radfahrwege wurden zur "Straße des kleinen Mannes". In einer Presseerklärung zur Einführung der RStVO wurde im Hinblick auf die bevorstehenden Olympischen Spielen gesagt: "Zeigen wir dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet."

Autoboom in den 50ern

Mit der starken Motorisierung nach dem zweiten Weltkrieg und dem starken Rückgang des Radverkehrs wurde der Radverkehr nicht mehr als Hindernis für den Autoverkehr gesehen. Die Rechtfertigung für die Benutzungspflicht von Radwegen wurde nun mit der Sicherheit für den Radverkehr begründet.

Radboom in den 80ern

Mit wachsendem Umweltbewusstsein in den 1980er Jahren setzte auch die Renaissance des Fahrrades ein. Erst 1998 wurde die Straßenverkehrsordnung (StVO) novelliert. Sie brachte Erleichterung für den Radverkehr. Es wurden bauliche und verkehrstechnische Vorgaben für benutzungspflichtige Radwege definiert. Auf vielen Wegen wurde daraufhin die Benutzungspflicht aufgehoben. Einbahnstraßen können seitdem für das Rad freigegeben werden.

Radverkehrsnetz NRW

Im Jahr 2007 wurde die letzte Lücke des Radwegenetzes in NRW geschlossen, das alle Städte und Gemeinden über ein 13.800 Kilometer langes Netz ausgeschilderter Radwege miteinander verbindet.

In der Novelle der Straßenverkehrsordnung aus dem Jahr 2009 wird die Anlage von Fahrradwegen nicht mehr favorisiert. Benutzungspflichtige Radwege dürfen nur noch angeordnet werden, wenn ausreichende Flächen für den Fußgängerverkehr zur Verfügung
stehen und sie dürfen auch nur dort angeordnet werden, wo es die Verkehrsicherheit oder der Verkehrsablauf erfordert.

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