Radfahrer sind ....

... keine besseren oder schlechteren Verkehrsteilnehmer als andere Gruppen im Straßenverkehr. Sie sind aber auch keine Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse, sondern erwarten Gleichbehandlung statt einer Bevorzugung. Für eine gleichberechtigte Mobilität benötigen sie als Fahrzeugführer ausreichenden Platz auf der Fahrbahn. Als Radler fahre ich sicher im Straßenverkehr, wenn ich deutlich sichtbar bin, mich durch akustische und mimische Signale (Klingeln, Rufen, Handzeichen) bemerkbar mache sowie durch selbstbewusste Inanspruchnahme des Verkehrsraumes berechenbar verhalte.

Klingeln

Die Fahrradklingel ist ein Warninstrument. Vor Überholvorgängen von Fußgängern oder anderen Radlern mache ich mich durch rechtzeitiges Klingeln (ca. 20 m vorher) bemerkbar und vergewissere mich aufgrund der Reaktion der zu Überholenden, ob sie mich bemerkt haben.
Situationsbezogen ist eine höfliche Ansprache die Alternative (z.B.: Guten Tag, ich überhole links). Niemand möchte durch lautlos herannahende und hautnah überholende Radler erschreckt werden. Daher verhindert ein ausreichender Seitenabstand eine eventuelle Gefährdung durch überraschendes Ausscheren des Überholten. Mein freundliches „Danke“ rundet den Überholvorgang ab.

Zeichen geben

Beim Abbiegen im Straßenverkehr (Verlassen der Geradeausfahrt) zeige ich dies – insbesondere beim Linksabbiegen - nach vorherigem Schulterblick durch deutliche Armbewegungen an. Ein Heben und Senken des Armes wird dabei besser wahrgenommen als eine statisch ausgestreckte Hand.

Seitlicher Überholabstand

Seit dem 1.10.1998 sind nur die mit einem Radwegschild (Fahrradsymbol auf blauem Grund) ausgewiesenen Wege benutzungspflichtig. Ohne solch beschilderte Wege darf ich gleichberechtigt die Fahrbahn benutzen. Dies ist auch sicherer als auf "Bordsteinradwegen", da Radfahrer im Blickfeld des Autofahrers bleiben, anstatt plötzlich hinter parkenden Wagen oder anderen Sichthindernissen aufzutauchen.
Beim Vorbeifahren an parkenden Autos sollte ein Mindestabstand von 0,80 m eingehalten werden. Besser sind 1 - 1,50 m, da die Rechtsprechung bei einem Unfall wegen geöffneter Fahrertür sonst von einer Mitschuld und Haftung des Radlers ausgeht.
Soweit ich nicht verpflichtet bin, einen durch Verkehrsschild angeordneten Radweg zu benutzen, nehme ich selbstbewusst meinen benötigten Raum auf der Fahrbahn ein und quetsche mich nicht an den Bordstein. Wenn ich zu weit rechts fahre, provoziere ich unter Umständen riskante Manöver durch zu dicht überholende Autofahrer. Diese sind zwar verpflichtet, beim Überholen 1,50 m Seitenabstand einzuhalten und bei mangelnder Fahrbahnbreite hinter mir zu bleiben, in der Praxis wird dies aber oft missachtet. Deshalb muss ich meinen Platz sichern, indem ich gut sichtbar mit entsprechendem Seitenabstand auf der Fahrbahn fahre. Dies gilt gerade in Kurven, bei denen der entgegenkommende Autoverkehr nicht zu sehen ist. Autofahrer sind nicht berechtigt, Radfahrer von der Fahrbahn zu verdrängen. Als Fahrzeugführer habe ich das gleiche Recht auf Fahrbahnnutzung. Wenn der Verkehrsraum nicht ausreicht, muss er verträglich geteilt werden.
Ist das Radfahren auf Gehwegen durch das Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ erlaubt worden, darf ich nur mit Schrittgeschwindigkeit (4 –7 km/h) fahren und muss auf Fußgänger besondere Rücksicht nehmen.

Gespür für Gefahrensituationen entwickeln

Ich fahre vorausschauend, achte auf die mich umgebenden Verkehrsteilnehmer und versuche möglichst auch die rückwärtige Verkehrsituation im Blick zu behalten (plötzlich herannahende Radler oder Autos). Ein Fahrradspiegel leistet hierbei gute Dienste. Vor jeder Richtungsänderung ist zur Sicherung nach hinten der „Schulterblick“ unabdingbar. Durch Blickkontakt mit anderen Verkehrsteilnehmern bestätigt man sich die gegenseitige Wahrnehmung. Vor Sichthindernissen (Hecken, unübersichtlichen Einmündungen) reduziere ich meine Geschwindigkeit und rechne mit querenden Verkehrsteilnehmern. Dies gilt gerade bei der Nutzung linksseitiger Radwege, da ausfahrende Autolenker oft nur nach links sehen und mich als von rechts kommend nicht wahrnehmen. Keinesfalls fahre ich auf Radfahrstreifen, Schutzstreifen oder Radwegen als „Geisterradler“ in der falschen Richtung. An Kreuzungen warte ich bei Ampelstopps hinter haltenden Lkw oder Bussen. Bei seitlichem Aufenthalt befinde ich mich „im toten Winkel“ dieser Fahrzeuge und gerate bei deren Rechtsabbiegen unweigerlich unter deren Räder. Im Kreisverkehr, in dem ich in der Regel Vorfahrt habe, fahre ich in der Fahrbahnmitte, damit ich von den anderen Verkehrsteilnehmern gut gesehen werde. Beim Ausfahren gebe ich ein Handzeichen und achte auf bevorrechtigte Fußgänger.

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