Der lange und beschwerliche Weg zum Radfahrstreifen auf der Südseite der Hildener Straße / Düsseldorfer Straße (B 228)

Mehr als 13 Jahre hat es gedauert, bis der radverkehrliche Lückenschluss auf der B 228 zwischen Hilden und Düsseldorf-Benrath verwirklicht wurde – und immer noch nicht abgeschlossen ist.

Ein Rückblick

Nachdem das Kölner Planerbüro Südstadt in seinem Radverkehrskonzept vom 21.12.2001 Vorschläge für eine durchgängige Radverkehrsverbindung zwischen Düsseldorf-Benrath und Hilden vorlegte, wandte sich der ADFC Hilden an die Stadt Düsseldorf, um eine baldmögliche Verwirklichung dieses notwendigen Lückenschlusses zu initiieren. Am liebsten wäre dem ADFC ein von der Fahrbahn getrennt verlaufender selbstständiger Radweg gewesen, doch wurde dies wegen der hohen Kosten strikt abgelehnt.

Mit Schreiben vom 4.4.2002 an den städtischen Radverkehrsbeauftragten regten die Fahrradlobbyisten als Alternative an, zwischen Bahnhof Benrath und Horster Allee einen ausreichend dimensionierten Radfahrstreifen für den Einrichtungsradverkehr zwischen Benrath und Hilden auf der Fahrbahn abzumarkieren. Aufgrund der Fahrbahnbreite wäre diese Maßnahme im Vergleich zu einem baulich getrennten Radweg kostensparender und zeitlich eher umzusetzen – so die damalige Hoffnung.

Im Jahr 2004 kam ein erstes Planungstreffen zwischen Vertretern der Städte Düsseldorf und Hilden zustande. Von Seiten des ADFC folgten zahlreiche Gespräche und Telefonate mit den Düsseldorfer Radverkehrsbeauftragten sowie der Stadt Hilden, um eine konkrete Planung und Umsetzung dieser notwendigen Radverkehrsanlage voranzutreiben. In der zuständigen Düsseldorfer Bezirksvertretung unterstützte derweil der Grünen-Vertreter das gemeinsame Anliegen auf der politischen Ebene.

Immer wieder ließ sich die Radlerlobby mit Hinweis auf erforderliche Abstimmungen in Ratsgremien, knappe Haushaltsmittel und vordringlichere Maßnahmen vertrösten, in der Hoffnung, dass ein jahrelanger Vorlauf endlich doch zum Ziel führt. Nachdem zehn Jahre erfolglos vergangen waren, wandte sich der ADFC Hilden an den zuständigen Düsseldorfer Beigeordneten. In ihrem Schriftsatz vom 24.5.2012 drückte die Radlerlobby ihr Unverständnis darüber aus, „dass nach Mitteilung Ihrer Dienststelle vom 8.5.2012 „auch in naher Zukunft kein Ausbau dieser Straßenverbindung nach Hilden absehbar ist“. Sie können sicher nachvollziehen, dass nach mehr als zehn Jahren (!) die Geduld unseres Verbandes auf eine sehr harte Probe gestellt wird und wir im Interesse der nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer zumindest eine verbindlichere Auskunft über den Zeitpunkt der Verwirklichung der seit langem fertig geplanten Maßnahme erwarten.“

Autos dürfen auf dem schmalen Gehweg parken

Inzwischen wurde sogar das widerrechtliche Gehwegparken durch eine Beschilderung erlaubt, wodurch der Bürgersteig für Fußgänger und Radfahrer im Zweirichtungsverkehr in unzumutbarer Weise verschmälert wurde. Der ADFC Hilden führte deshalb in seinem Schreiben vom 24.5.2012 weiter aus:

Wie bereits mit Schreiben vom 27.2.2012 dargelegt, wird eine Lösung auf der südlichen Straßenseite um so dringlicher, als auf der nördlichen Seite mittlerweile durch den verkehrsrechtlich angeordneten Zweirichtungsradweg (Zeichen 241) eine rechtswidrige Situation entstanden ist: Durch das seit Ende letzten Jahres legalisierte Gehwegparken gegenüber der Einmündung Brockenstraße wurden Fußgänger ihrer Verkehrsfläche beraubt und müssen verbotenerweise die Radverkehrsfläche benutzen. Diese für den Zweirichtungsradverkehr ausgewiesene Fläche besitzt nicht einmal die nach der ERA 2010 vorgesehene Mindestbreite von 2,50 m – geschweige denn das Regelmaß von 3,00 m - da sie dort nur weniger als 1,50 m breit ist.

Gemäß Nr. I.2 zu § 2 Abs. 4 Satz 2 der VwV-StVO dürfen benutzungspflichtige Radwege nur angeordnet werden, wenn ausreichende Flächen für den Fußgängerverkehr zur Verfügung stehen. Dies ist hier seit mehr als einem halben Jahr nicht der Fall. Auch ein ausnahmsweises Abweichen von dieser Regelung ist weder erforderlich noch verhältnismäßig, da durch den viel zu schmalen Verkehrsraum für die nicht motorisierten Verkehrsteilnehmer - insbesondere im Begegnungsverkehr - deren Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Ebenso hätte nach Nr. I zu Zeichen 315-Parken auf Gehwegen- zu § 42 der VwV-StVO ein Gehwegparken nicht zugelassen werden dürfen, da nicht genügend Platz für den unbehinderten Verkehr von Fußgängern ggfs. mit Kinderwagen oder Rollstuhlfahrern auch im Begegnungsverkehr bleibt. ……

Zur Behebung der geschilderten Problematik sind u. E. folgende Maßnahmen unbedingt notwendig:

1. Im Interesse der Verkehrssicherheit bitten wir Sie, die rechtswidrige Benutzungspflicht als „linksseitigen Radweg“ in Fahrtrichtung Hilden umgehend aufzuheben. Ein Benutzungsrecht durch eine entsprechende Beschilderung (Gehweg-Radverkehr frei) ist dadurch nicht ausgeschlossen.

2. Der Lückenschluss der Radverkehrsführung auf der südlichen Straßenseite der B 228 ist aus folgenden Gründen weiterhin zwingend geboten:

- Der Schutzstreifen in Richtung Hilden endet an der Einmündung der Straße „Am Buchholzer Busch“. Der Radverkehr wird dort ohne markierte Führung allein gelassen und muss entscheiden, ob er weiter auf der Fahrbahn fährt oder (verbotswidrig) auf der anderen Straßenseite den viel zu schmalen und später überwucherten Hochbord nutzt.

- Die B 228 zwischen Hilden und Düsseldorf ist Bestandteil des ausgeschilderten Radverkehrsnetzes NRW und damit eine wichtige Verbindung für den Alltagsradverkehr.

- Düsseldorf hat als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte eine besondere Verpflichtung, sichere und attraktive Radverkehrsanlagen zu schaffen. Das Land unterstützt die Einrichtung entsprechender Anlagen durch eine finanzielle Förderung. ….

Langsam beginnt ein Umdenken

Nach einer zunächst ablehnenden städtischen Stellungnahme setzte aufgrund mehrerer Telefonate die Wende ein. Ende Juli 2012 beteiligte die Stadt Düsseldorf die zuständigen Ämter und weitere Stellen an einer konkreten Entwurfsplanung für den beantragten radverkehrlichen Lückenschluss. In einem Anhörungstermin mit Vertretern der Städte Düsseldorf und Hilden, dem Landesbetrieb Straßenbau und dem ADFC Hilden am 4.12.2012 konnten sowohl die Bedenken des Landesbetriebs zur Temporeduzierung von 70 auf 50 km/h ausgeräumt als auch der Weg zu einer Schutzstreifen- bzw. Radfahrstreifenlösung freigemacht werden.

Bis zu einer baulichen Verwirklichung sollte es dann aber noch weitere zweieinhalb Jahre dauern. Nachdem intern Kostenbeteiligungen zwischen den Städten und dem Landesbetrieb geklärt und Planungsvereinbarungen unterzeichnet waren, musste nach Forderung des Landesbetriebs zunächst auf Hildener Stadtgebiet eine Asphaltdünnschicht aufgetragen werden. Wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit war dies nicht mehr im Jahr 2013 möglich, sondern erfolgte erst Anfang August 2014. Im November 2014 folgte der Bau einer Mittelinsel als Querungshilfe in Richtung Waldweg Benrather Forst. Durch Verzögerungen im Bewilligungsverfahren von Bundesmitteln für die Radverkehrseinrichtungen konnte die Ausschreibung der eigentlichen Bau- und Markierungsmaßnahmen erst im Herbst 2014 erfolgen, so dass eine Ausführung wegen der erforderlichen Witterung auf das Frühjahr 2015 verschoben werden musste.

Im Juni 2015 startete der vorerst letzte Akt

Vom 8. bis 17.6.2015 wurde dann endlich asphaltiert und die abschließenden Markierungsarbeiten der Radstreifen vorgenommen. Allerdings fehlte auf Düsseldorfer Stadtgebiet von der Stadtgrenze aus gesehen auf einer Strecke von ca. 100 bis 150 m eine Asphaltausbesserung. Obwohl die Planunterlagen eindeutig waren, übersahen sowohl die ausführende Baufirma als auch der städtische Bauleiter diesen Mangel. Dort lag noch das unbehandelte alte Straßenstück mit seinen Netzrissen, Absackungen und Asphaltflicken. In den vorhandenen Bodenvertiefungen sammelte sich Regenwasser, das nach den starken Regenfällen am 22.6. zu einer gefährlichen Untiefenstrecke führte. Aufgrund von Beschwerden beinahe verunfallter Radfahrer wurde die Strecke vom 24.6. bis 5.7.2015 gesperrt und die vom ADFC dringend angemahnte Nachasphaltierung vorgenommen. Die fehlenden Fahrradpiktogramme wurden am 11.7.2015 aufgebracht. Ab 6.7.2015 hatten die Radfahrer endlich freie Fahrt.

Was jetzt noch fehlt, ist die Entfernung der seitlichen Leitplanken, die den Autofahrern trotz Tempo-50-Begrenzung eine Schnellstraße vorgaukeln.

Hier hoffen wir noch auf die angemahnte baldige Nachbesserung, damit auf der südlichen Straßenseite endlich die lang ersehnte Radverkehrslösung abgeschlossen werden kann.

 

Georg Blanchot, 16.7.2015

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