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Stadt jagt Radfahrende in der Fußgängerzone

19.01.18

Eingang Hochstraße Gladbeck


Die Stadtverwaltung informierte im Dezember darüber, dass sie das unbefugte Befahren der Fußgängerzone verstärkt kontrolliert. Dies gilt nicht nur für Autos, die immer ungehemmter das Fahrverbot missachten, sondern wegen der „Gleichberechtigung“ natürlich auch für Radfahrende. So verdoppelte sich die Anzahl der erwischten Radfahrenden von 60 im Jahr 2016 fast auf 110 im Jahr 2017. Sie mussten Bußgelder zwischen 15 und 25 € berappen. Autofahrer zahlen nur unwesentlich mehr: 30 bis 35 €. Auch ist ihre Anzahl signifikant höher: an sie wurden 758 Knöllchen bis Ende November 2017 verteilt, gegen über 687 im Jahr 2016 (Quelle Stadtspiegel online, 4.12.17). Das Vorgehen gegen Autofahrer*innen in der Fußgängerzone ist nachvollziehbar, denn sie behindern das Flanieren deutlich mehr als Radfahrer*innen und stören auch durch Abgase und Lärm. Die Ankündigung der Stadt mit Zivil-Fahndern des kommunalen Ordnungsdienstes weiter auf Verkehrssünderjagd zu gehen, trifft allerdings besonders die Radfahrer*innen. Man kann sich schon fragen, warum die Stadt so rigoros und mit unverhältnismäßig hohen Bußgeldern gegen Radfahrende vorgeht. Hinzu kommt, dass Radfahren in der Fußgängerzone woanders nämlich zunehmend erlaubt ist; z.B. in Recklinghausen, OB-Sterkrade, Duisburg oder Castrop-Rauxel. In den Niederlanden sind Radfahrverbote in den Innenstädten sogar völlig undenkbar, auch wenn sie bedeutend größer und voller als die Gladbecker sind, z.B. in Nimwegen. In Gladbeck dagegen werden Radfahrer mit überproportional hohen 25 € bestraft. Dabei handelt es sich wohl kaum hauptsächlich um junge, männliche Radfahrerrowdies - die werden nämlich nicht erwischt -, sondern sicher häufig um ältere Herrschaften, die vorsichtig mit Schrittgeschwindigkeit durch die Fußgängerzone rollen, und manchmal sogar schlecht gehen können. Hier sollten Politik und Verwaltung noch einmal grundsätzlich darüber nachdenken, gerade auch vor dem Hintergrund ihrer erklärten Absicht, den Radverkehrsanteil in Gladbeck zu erhöhen und ihrem in Arbeit befindlichen Radverkehrskonzept.


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