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Neues vom Radschnellweg Mittleres Ruhrgebiet (RSMR)

21.01.19

Gladbecker Straße in Bottrop


Der Radschnellweg Mittleres Ruhrgebiet kommt – aber nicht für Gladbeck

Der Radschnellweg Mittleres Ruhrgebiet (RSMR) ist in seinem Ursprung ein Versprechen des Landesverkehrsministeriums NRW an die Stadt Gladbeck. 2013 hat der vorige Landesverkehrsminister Groschek (SPD) im Rahmen der Gespräche zum Bau der A52 durch Gladbeck dieser eine schnelle und komfortable Radverbindung (und einen besseren ÖPNV) nach Essen versprochen, quasi als Entschädigung für die Belastungen, die Gladbeck durch die A52 schultern muss. Im regionalen Radwegeplan des RVR ist dieses Versprechen aufgenommen und variiert worden, in der Form, dass der Radschnellweg nach Essen nun über Bottrop führt. Das ist eine erste Abschwächung des ursprünglichen Versprechens, da damit ein Umweg über Bottrop in Kauf genommen werden muss.

In Gladbeck ist vorgesehen und von den Verantwortlichen beschlossen, dass der RS von der Innenstadt aus zur ehemaligen Hafenbahntrasse autofrei bis fast zur Stadtgrenze Bottrop geführt wird.

In Bottrop beginnen dann die Probleme, denn die Wegeführung des RSMR ist in Bottrop sehr umstritten.

Das Gutachten des RVR sieht in Bottrop eine Wegeführung entlang der vielbefahrenen Gladbecker Straße vor. Dazu würde von der 4-spurigen Straße auf einer Seite je eine Autospur, die bisher zum Parken verwendet wird, weggenommen und für den Radschnellweg verwendet werden. Das stößt auf massiven Widerstand der Bottroper Autolobby in Politik und Wirtschaft, die diesen Vorschlag unumwunden ablehnen.

Daher nahm die Bottroper Politik (außer den Grünen) und die Stadt Bottrop dankbar eine Variante des ADFC Gladbeck und Bottrop auf, die autofrei und kreuzungsfrei über eine ehemalige Werksbahntrasse, die sog. Hafenbahntrasse, führt und setzt die Radfahrenden nicht den Gesundheitsrisiken von Autoabgasen und –lärm aus. Bottrop erreichte, dass der RVR zu ihr ein Zweitgutachten erstellen ließ.

Dieses argumentiert, mit Blick auf den Auftraggeber RVR nicht ganz überraschend, dass die 1. Wahl des RVR über die Gladbecker Straße die bessere sei, weil dort mehr Menschen wohnen, das Potenzial also höher sei.

Die Argumentation des Gutachtens überzeugt in vielen Punkten nicht:

  • Das Gutachten beachtet nicht, dass zwar etwas weniger Menschen im Umkreis der Hafenbahntrasse wohnen, von diesen aber deutlich mehr die attraktive Radverbindung nutzen dürften als an der Gladbecker Straße.

  • Vor allem berücksichtigt das Gutachten nicht, dass der Vorschlag der Hafenbahntrasse zwingend eine Anbindung der Bottroper Innenstadt vom Bahnhof Bottrop vorsieht; dieser wird in den Berechnungen überhaupt nicht beachtet, so dass logischerweise eine niedrigere Nutzung berechnet wird.

  • Außerdem wird bei der Berechnung des gesundheitlichen Nutzens beim Vergleich der beiden Wegeführungen die Belastung der Radfahrenden durch Feinstaub, Stickoxide und Lärm an der Gladbecker Straße sogar nach Eingeständnis des Gutachters nicht berücksichtigt, so dass der gesundheitliche Nutzen für die Variante Gladbecker Straße dort falsch berechnet wurde. Radfahrende atmen wegen der körperlichen Anstrengung mehr Schadstoffe ein.

    In einem Gespräch des RVR mit dem Landesverkehrsministerium und Straßen NRW im Dezember hatte sich das Ministerium nun den Argumenten des RVR angeschlossen und die Gladbecker Straße favorisiert und damit einem gemeinsamen Treffen aller Beteiligten am 10. Januar vorgegriffen. Als Antwort darauf beschloss die SPD Bottrop, der Variante Gladbecker Straße auf keinem Fall zuzustimmen und lieber den RSMR sterben zu lassen.

    Nach dem Treffen der beteiligten Städte Essen, Bottrop und Gladbeck, des RVR, der Bezirksregierung Münster im Landesverkehrsministerium kam ein Kompromiss heraus: der RSMR zwischen Essen und Bottrop wird gebaut, nicht aber im RS-Standard zwischen Bottrop und Gladbeck. Dort ist sybillinisch nur von einer „Vorrangroute“ die Rede, die sowohl auf der Gladbecker Straße als auch auf der RAG-Trasse möglich sei. Beide Varianten seien förderfähig, wenn die Stadt Bottrop das beantrage.

    Das ist ein Danaer- Geschenk, gerade für die Gladbecker, denn sie sind nun ganz auf die Gnade, die Lust und den Geldbeutel Bottrops angewiesen, was ihren Zugang zum Radschnellweg Bottrop-Essen anbelangt, denn von einer wie auch immer gearteten finanziellen Beteiligung des RVR ist nicht mehr die Rede.

    Es bleiben also viele Fragen offen:

  • Wie soll eine solche Vorrangroute aussehen? Definiert ist sie nirgends, im regionalen Radwegeplan gibt es unterhalb des RS eine „Radhauptroute“.

  • Wird Bottrop nun einen nur zu 75% förderfähigen Radweg über die Trasse bauen?

  • Wer übernimmt dafür anschließend die Unterhaltskosten? Der landeseigene Betrieb Straßen NRW nicht, denn er unterhält nur Radschnellwege, der die Verbindung Gladbeck-Bottrop nun explizit nicht wird.

  • Oder bleibt nur der schon bestehende Fuß-Radweg entlang des Kirchschemmbachs, der als „City-Trail“ ausgewiesen ist? Er verläuft mehr oder minder parallel der Gladbecker Straße und ist als Weg der Emschergenossenschaft autofrei. Diese Möglichkeit deutete der zuständige Beigeordnete der Stadt Bottrop gegenüber der WAZ am 15.1.2019 an. Von der Hafenbahntrasse sprach er nicht.

Es droht also für Gladbeck ein Worst Case- Szenario: der RSMR von Bottrop nach Essen kommt zwar, aber von Bottrop nach Gladbeck wird nicht nur kein Radschnellweg gebaut werden, sondern gar nichts. Und zu allem Überfluss sieht es so aus, als würde sich die Stadt Gladbeck damit begnügen, dass ein schon bestehender Freizeitradweg bestenfalls ein wenig ausgebaut wird. Und wenn in Bottrop nicht mehr passiert, dann darf man getrost hinter den Gladbecker RS-Stummel über die Hafenbahntrasse von der Stadtgrenze bis zur Talstraße ein dickes Fragezeichen setzen. Also: Gladbeck bekommt einen Radschnellweg nach Essen versprochen, Bottrop erhält ihn und Gladbeck schaut in die Röhre.


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