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Fahrradklimatest – eine Watsche für Gladbeck

19.04.19

Roßheide, benutzungspflichtiger Radweg!


„Starke Verschlechterung“ für die Stadt

Der Fahrradklimatest 2018 ist für Gladbeck die Stunde der Wahrheit  - und ein heftiger Denkzettel für die Stadt. Noch nie seit 2012 gab es eine so schlechte Gesamtnote, nur eine 3,9, und das mit 164 Teilnehmenden aus Gladbeck bei der höchsten Teilnehmerzahl. Verbessert haben sich die Testergebnisse in keinem einzigen Unterthema, sie sind noch nicht einmal irgendwo konstant geblieben, sondern haben sich überall leicht oder sogar stark verschlechtert. Viele Teilnehmende verteilten in überraschend vielen Themen eine „5“ und sogar eine „6“, Ausdruck großen Frusts.

Besonders stark wird von den Radfahrenden die fehlende Fahrradförderung in jüngster Zeit bemängelt. Das bestätigt eine Klage des ADFC, die bisher von der Stadt vehement zurückgewiesen wurde, aber offensichtlich der Eindruck vieler Gladbecker RadlerInnen ist.

Mit einer „5+“ werden die Breite und die Oberfläche der Radwege bewertet, die beide ungefähr eine halbe Note im Vergleich zu den Vorjahren abrutschen. Darin ist zum einen ein Indiz für Stillstand und Verfall, zum anderen auch für gestiegene Ansprüche zu sehen, denn die Radverkehrsanlagen sind nicht schmaler geworden, aber offensichtlich den Bedürfnissen für Pedelecs, Anhänger, Lastenräder oder auch Überholvorgänge für Räder unterschiedlicher Geschwindigkeit nicht mehr angemessen.

Bitter ist ebenfalls das gesunkene Sicherheitsempfinden sowohl auf Bordsteinradwegen wie auf Radstreifen auf der Fahrbahn, ebenfalls um ungefähr einen halben Punkt. Darin dürfte sich die zunehmende Rücksichtslosigkeit einer Reihe von Autofahrenden spiegeln, denen z.B. Sicherheitsabstand ein Fremdwort ist, die auf Radstreifen aller Art parken und halten und dabei selbst vor dem Bordsteinradweg nicht mehr zurückschrecken, so dass vermehrt Konflikte und ein Unsicherheitsgefühl auftreten. Umgekehrt wird fehlende Kontrolle von Falschparkern bemängelt und damit ein Punkt genannt, den die Stadt bei gutem Willen schnell verbessern könnte.

Insgesamt ist in diesem Ergebnis ein Alarmzeichen zu sehen, denn es konterkariert das in Reden der Politik betonte Bestreben einer Verkehrswende zu mehr Radverkehr und weniger Autoverkehr, da zu befürchten ist, dass Radfahrende, die sich unsicher fühlen, über kurz oder lang das Fahrrad stehen lassen.

Für Verwaltung und Politik ist das Ergebnis ein Schuss vor den Bug, das sicher ihr Selbstbild konterkariert. Es weist aber darauf hin, dass die Geduld der Radfahrenden auf immer neue Vertröstungen und Verweise auf die schlechte Kassenlage als Alibi fürs Nichtstun bzw. fürs Schneckentempo bei Verbesserungen zu Ende geht. Will man das Steuer herumreißen, muss beim kurz vor seinem Abschluss stehenden Radverkehrskonzept nicht mit Kleinmaßnahmen gekleckert werden, sondern mit mutigen Schritten geklotzt werden, sonst ist das mit Stolz getragene Etikett „fahrradfreundlich“ nur noch Hohn.


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