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Ergebnisse des Gladbecker Radverkehrskonzeptes

05.11.19

Geschützter Radstreifen Buersche Straße: genau so etwas fehlt im Radverkehrskonzept (Bildmontage Bernd Lehmann)


Seit 3 Jahren arbeitet in Gladbeck das Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen im Auftrag der Stadt an einem Radverkehrskonzept. Es beinhaltet einen Vorschlag für ein Radwegenetz, , eine Festlegung der Streckenbreiten nach Radverkehrsaufkommen, einen Mängelliste und einen Maßnahmekatalog. Erste konkrete Ergebnisse liegen bei Redaktionsschluss vor.

Ein besonders Gestaltungsmodell, das ins Auge springt, ist die stolz so genannte „Gladbecker Strategie“. Sie beschreibt das angestrebte Vorgehen bei „anderen Radwegen“; das meint die Fälle, in denen es einen alten, nicht mehr benutzungspflichtigen Bordsteinradweg gibt. Manchmal existiert zusätzlich eine neue Markierung im Straßenraum. Für die Radfahrenden ergibt sich in dieser Situation die Wahlmöglichkeit, auf der Straße zu fahren oder weiter den ehemaligen, wenn auch unzulänglichen Bordsteinweg zu nutzen. Diese Wahlmöglichkeit schafft die „Gladbecker Strategie“ ab und zwingt alle auf die Straße. Durch Schilder, Erlauben von Parken auf dem ehemaligen Bordsteinradweg oder Rückbau sollen die Radfahrenden nur noch auf der Straße fahren dürfen. Das wäre akzeptabel, wenn dafür vorgesehen wäre, dass das Angebot auf der Straße für den Radverkehr deutlich verbessert würde. Davon kann aber keine Rede sein. Kurzfristig ist höchstens an das Aufbringen von Fahrradpiktogrammen auf der Fahrbahn gedacht, die den Autoverkehr darauf hinweisen, dass Radfahrende sich zu Recht auf der Straße statt auf dem Bordstein bewegen und an sie appellieren, sie nicht durch Hupen oder bewusst enges Überholen zu nötigen, wie es bisher bei aufgehobener Benutzungspflicht der Bordsteinradwege leider oft zu beobachten ist.

Ohne ein deutlich verbessertes Angebot im Straßenraum nimmt die „Gladbecker Strategie“ dem Radverkehr etwas weg statt ihm etwas zu geben, wie man von einem „Radverkehrskonzept“ erwartet, und ist folglich völlig unzureichend. Diese „Gladbecker Strategie“ gibt den Radfahrenden nichts – außer der vagen Aussicht, dass sich die Autofahrenden vielleicht ihnen gegenüber an die STVO halten bei Überholabstand und Rücksichtsgebot. Stattdessen nimmt sie den RadfahrerInnen die Wahlmöglichkeit; ein fatales Signal für unsichere Fahrer, die lieber den Bordstein nutzen möchten.

Der letzte Fahrradklimatest 2018 hat erwiesen, dass das Unsicherheitsgefühl der Radfahrenden in Gladbeck im Straßenraum wächst. Das gesunkene Sicherheitsempfinden zeigt sich besonders auf der Fahrbahn. Darin dürfte sich die zunehmende Rücksichtslosigkeit einer Reihe von Autofahrenden spiegeln, denen z.B. Sicherheitsabstand ein Fremdwort ist, die auf Radstreifen aller Art parken und halten. Nur rund 7% der Bevölkerung, so die ADFC-Studie „So geht Verkehrswende“ fahren ohne Probleme und gern im Mischverkehr. 60% der Bevölkerung bevorzugt eine separate Radverkehrsinfrastruktur und bevorzugt stressarme Wege. Dieser großen Mehrheit wird die „Gladbecker Strategie“ nicht gerecht. Nimmt man die Ergebnisse der o.g. ADFC-Studie ernst, so fördert die „Gladbecker Strategie“ nicht den Radverkehr, sondern erschwert ihn. Sie dient allein dem bequemen Autofahren, dem nun nicht mehr zugemutet wird, an Einmündungen zweimal auf Fahrräder zu achten.

Mit Förderung des Radverkehrs oder gar einer Verkehrswende hat das nichts zu tun. Es ist ein enttäuschendes Leitmotiv des Gladbecker Radverkehrskonzeptes, und es ist nur zu wünschen, dass es in dieser Form in Gladbeck nicht umgesetzt wird und vor allem kein Vorbild für andere Städte wird


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