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BürgermeisterkandidatInnen stellen ADFC ihre Ideen zur Radverkehrspolitik vor

15.07.20

Der ADFC Gladbeck konnte die BürgermeisterkandidatInnen von SPD, CDU, Grünen und Linken dazu gewinnen, dem ADFC ihre konkreten Ideen zur Förderung des Radverkehrs in der nächsten Legislaturperiode in Gladbeck vorzulegen und sich dabei nicht auf Allgemeinplätze zu beschränken. Dafür war ursprünglich eine Veranstaltung Mitte Mai vorgesehen, in der die KandidatInnen einer interessierten Öffentlichkeit 2 -3 ihrer Vorschläge möglichst genau präsentieren wollten. Corona hat diese Veranstaltung leider unmöglich gemacht, und der ADFC bemüht sich nun um einen Termin Anfang September kurz vor der Kommunalwahl.

Der ADFC freut sich sehr, dass sich die vier Parteien (auch die Ratsfraktion der FDP war angeschrieben, hat aber nur auf das vorliegende Radverkehrskonzept der Stadt Gladbeck verwiesen) auf den Wunsch nach konkreten Maßnahmen eingelassen haben und positiv und ausführlich reagiert haben.

Die KandidatInnen haben bisher erste Fassungen ihrer Ideensammlung beim ADFC eingereicht, so dass hier nun ein erster Überblick mit den Besonderheiten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, gegeben werden kann – in der Reihe des Eingangs der Antworten.

Die CDU will sich für neue oder attraktivere Streckenführungen der Anbindungen an die Nachbarstädte sowie innerstädtischen Ost-West- und Nord-Süd-Verbindungen einsetzen und unterbreitet dazu tw. konkrete Vorschläge. Weiter will sie, dass die gesamte Radwegeinfrastruktur mit Blick auf Lastenräder u.ä. untersucht wird – was mehr Platz für das Rad zur Folge hätte. Sichere Radabstellanlagen fordert sie an den (Bus-)Bahnhöfen sowie der Innenstadt. Originell ist die Idee, Trixi-Spiegel an Ampeln anzubringen, wobei sie leider keine Orte nennt.

Die Grüne gibt an, sich dafür einzusetzen, dass der Radverkehr mindestens gleichrangig zum Autoverkehr gefördert und ausgebaut werde und strebt ein innerstädtisches Mobilitätskonzept an, in dem Fußgänger*innen und Radfahrer*innen Vorrang vor dem Autoverkehr erhalten sollen. Sie fokussiert sich auf geschützte Radstreifen, nennt dafür auch konkrete Straßen. Würden alle angeführten Straßen in der nächsten Legislaturperiode umgesetzt, würde ich das Straßenbild Gladbecks radikal verändern. Weiter möchte sie fahrradfreundliche Ampelschaltungen, allerdings ohne bisher zu sagen wo, und im Innenstadtbereich Tempo 30. Weiter will sie sich für Abstellanlagen auch in Wohngebieten einsetzen.

Die Linken fordern deutlich mehr Platz für Radfahrende im Straßenraum, am liebsten im Radhauptwegestandard des RVR und sehen auch, dass dafür zumindest das Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen ausgeschildert werden muss, nennen aber bisher noch keine Straßen. Für breitere Radwege müssen Auto-Parkstreifen oder eine Auto-Fahrspur entfallen, wozu sie 2 Straßen exakt benennen. Konkret werden sie auch beim Vorschlag von Fahrradstraßen. Weiter wollen sie eine sichere Verkehrsführung an Kreuzungen für Radfahrende.

Die SPD-Kandidatin spricht sich dafür aus, bei Straßen mit zwei Fahrspuren eine für den Radverkehr umzurüsten,  jedes Jahr mindestens 5 Radwege farblich zu markieren und eine Maßnahme aus dem Radverkehrskonzept umzusetzen, allerdings ohne zu erläutern, ob sie damit so etwas wie Rückschnitt meint oder eine komplette Neuererstellung.

Ein erste vorsichtige Bewertung aus ADFC-Sicht: Alle Parteien setzen sich überraschend intensiv mit dem Thema Radverkehrsförderung auseinander und sind bereit, konkrete Vorschläge vorzulegen. Dabei gibt es einige deutliche Überschneidungen, z.B. bei der geäußerten Absicht, sich für die baldige Realisierung des RSMR in Gladbeck einzusetzen. Überraschender ist die Bereitschaft bei Grünen, Linken und SPD, vierspurige Autostraßen zu verschmalern und bei allen Parteien das Bekenntnis zu breiteren Radwegen. Beim geplanten Radkongress bietet sich den KandidatInnen die Chance, ihre Ideen noch weiter zu konkretisieren. Der ADFC wünscht sich, dass sich dann zusätzliche Gemeinsamkeiten herausschälen und hofft auf den Beginn einer Verkehrswende in Gladbeck.


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