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3. ADFC-Radkongress:

10.09.20

Foto:WAZ Gladbeck 7.9.20




Diskussion mit den BürgermeisterkandidatInnen

Eine Woche vor der Kommunalwahl, am Samstag 5.9.20, fand im Bürgerhaus-Ost der seit Anfang des Jahres geplante 3. ADFC-Radkongress statt, dessen erste Terminierung im Mai Corona zunichte gemacht hatte.

Die Ansichten der Parteien zur Radverkehrspolitik wurde diesmal nicht über Wahlprüfsteine erfragt, sondern die Ratsfraktionen wurden gebeten, einige konkrete Ideen vorzustellen, die sie in der kommenden Legislaturperiode umsetzen wollen. Alle Fraktionen antworteten, allerdings hat die FDP nur auf das einstimmig verabschiedete Radverkehrskonzept verwiesen. SPD, CDU, Linke und Grüne allerdings reichten konkrete Vorschläge ein, die im August dann auch in einem großen Artikel in der Lokalpresse vorgestellt wurden. Inzwischen hatten erst Grüne und Linke ihre BürgermeisterkandidatInnen als AnsprechpartnerInnen benannt, dann auch CDU und als letzte die SPD.

Zur Veranstaltung selber gingen die BürgermeisterkandidatInnen von SPD, Linken und Grünen auf den Wunsch des ADFC ein, ihre konkreten Vorschläge in einer PPP vorzustellen, nur der CDU-Kandidat fiel hinter die schon im Januar eingereichten konkreten Vorschläge zurück und beschränkte sich leider auf Allgemeinplätze.

Die KandidatInnen präsentierten vor vollem Saal ihre Ideen in der Reihenfolge der jetzigen Fraktionsstärke, zuerst Bettina Weist (SPD). Mithilfe von Popup-BikeLanes an allen vierspurigen Straßen Gladbecks möchte sie geschützte Radstreifen ausprobieren (!). An der Buerschen Straße möchte sie prüfen lassen, ob der grüne Mittelstreifen der früheren Straßenbahntrasse als 2-spurigen Radweg ausgebaut werden kann. An den Bahnhöfen und anderen zentralen wichtigen Punkten sollen sichere Abstellanlagen wie z.B. Mein Radschloss aufgebaut werden.

Dietmar Droszdzol (CDU) war in seinen Ausführungen teilweise widersprüchlich und unklar. So möchte er z.B. zwar den Radverkehr auf Augenhöhe mit dem Autoverkehr wissen, aber gleichzeitig nichts tun, was dem Autoverkehr Platz wegnimmt. Im Umstieg aufs Fahrrad sieht er tw. einen Zwang, ohne zu erläutern, wo dieser herkomme, und bejaht ihn erst bei einem angestrebten abgestimmtem System von ÖPNV und Radverkehr. Aber für die farbliche Markierung von Radverkehrsanlagen spricht er sich aus, ohne zu sagen wo, ebenso wie für 20m Parkverbot vor Straßeneinmündungen an Bordsteinradwegen. Und auch gegen Falschparker auf Radwegen soll der KOD im Rahmen der von ihm angestrebten Ertüchtigung verstärkt vorgehen. Es blieb offen, ob die schon eingereichten und in der letzten RIP vorgestellten konkreten Vorschläge noch gelten.

Olaf Jung (Linke) will ebenfalls die Radfahrenden sichtbar machen durch Parkverbote vor Einmündungen. Er benannte konkrete Straßen als Fahrradstraßen (Ellinghorster und Bohmerstr. bei Wittringen, Kösheide, Welheimer Str.) und möchte in der Innenstadt eine Fahrradzone mit den Grenzen Humboldtstraße, Grabenstraße, Friedrich-Ebert-Straße, Friedrichstraße. Die Wilhelmstraße soll auf 2 Spuren reduziert werden. Aus der Buerschen Straße soll das Parken herausgenommen werden.

Simone Steffens (Grüne) wünscht ebenfalls eine Fahrradzone in der Innenstadt und möchte wie Frau Weist an allen 4-spurigen Straßen zwei davon für breite Radstreifen wegnehmen, auch zulasten von Parkraum. Wie die CDU spricht sie sich darüber hinaus für eine vernetzte Mobilität aus sowie für eine Radwelle, ähnlich wie Bettina Weist. Bessere Parkmöglichkeiten für Räder soll es nicht nur an markanten öffentlichen Orten, sondern auch vor Wohnhäusern geben.

Beurteilung: Die KandidatInnen von Grünen, Linken und SPD haben weitreichende Maßnahmen für den Radverkehr formuliert, die auch eine Menge an Gemeinsamkeiten aufweisen. Überraschend und weitgehend ist die Übereinstimmung bei der Wegnahme von Autospuren, besondrers auch an der innenstadtnahen Wilhelmstraße. Hier widersprach Drosdzol ausdrücklich mit Verweis auf die Feuerwehr; eine Sorge, die allerdings der Moderator, der Nahmobilitätsmanager der Stadt Oberhausen Dr. Marcel Knauff, ausräumen konnte. Weitere Übereinstimmungen (außer CDU, die sich dazu nicht geäußert hat) gab es bei Fahrradstraßen und Fahrradzonen, verbesserter Ampelschaltung für den Radverkehr an einigen Straßen wie die Oberhausener Radwelle. Alle waren sich einig beim verbesserten Parken an den Bahnhöfen und der Forcierung des RSMR.

Wenn die ParteienvertreterInnen sich für das einsetzen, was sie versprochen haben, müsste in der nächsten Legislaturperiode sich in Galdbeck viel für den Radverkehr tun. Der ADFC wird auf ihr Handeln in den nächsten Jahren ein Auge haben.


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