Aktuelles

Planung drängt Radfahrer an den Rand

10.03.10
Kategorie: Aktuelles, Duisburg, Verkehrspolitik

Ratsvorlage der Stadt Duisburg


Straßenplanung für die Karl-Lehr-Brücke verdrängt Radfahrer.

Die derzeitige Haushaltslage der Stadt Duisburg soll nun bei einem wichtigen Brückenneubau für eine katastrophale Fehlplanung sorgen.

Im Zuge der Erneuerung des Brückenzuges über die Ruhr von Kaßlerfeld nach Ruhrort soll nun der Radweg auf der östlichen Seite wegfallen. Nur auf der Westseite soll ein drei Meter breiter kombinierter Geh-/Radweg angelegt werden. Die Ratsvorlage dazu: "Im Bereich Ruhr- und Hafenkanalquerung wird lediglich auf der Westseite ein kombinierter Geh-/Radweg mit einer Breite von 3,00 m angeordnet. Damit wird einerseits dem tatsächlichen Fußgänger- und Radfahreraufkommen Rechnung getragen und andererseits die Anbindung des auf der Mercatorinsel geplanten Veranstaltungsgeländes für Fußgänger und Radfahrer ohne Querung der Ruhrorter Straße sichergestellt. Die Ostseite erhält in diesem Abschnitt nur einen Notgehweg von ca. 1,00 m Breite."

Man könnte meinen, für Radfahrer würde dadurch die Situation verbessert. Das Gegenteil ist aber der Fall. So muss der Radfahrer in diesem Fall auf Fußgänger Rücksicht nehmen und die Geschwindigkeit an den Fußgängerverkehr anpassen. Fußgänger dürfen weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, müssen Radfahrer warten. Und dies bei der wichtigen Verbindung zwischen Innenstadt und Ruhrort. Und wer sich das tatsächliche Radfahreraufkommen ansieht, kommt schnell zu dem Ergebnis, dass bereits heute viele Radfahrer auf dieser Strecke unterwegs sind.

Die Planung führt außerdem zu einem eindeutig mehrfach rechtswidrigen Zustand. Die Anlage von linken Radwegen ist mit der seit September 2009 geltenden Straßenverkehrsordung innerorts nur noch in Ausnahmefällen möglich: "Die Benutzung von in Fahrtrichtung links angelegten Radwegen in Gegenrichtung ist insbesondere innerhalb geschlossener Ortschaften mit besonderen Gefahren verbunden und soll deshalb grundsätzlich nicht angeordnet werden."

Auch die verbindlichen Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) schließen bei Hauptverbindungen des Radverkehrs eine Gehwegbenutzung aus. Ein reiner Zweirichtungsradweg soll nach ERA eine Regelbreite von 3 Metern haben. Wo bleiben dann die Fußgänger?

Dazu kommen noch die Anforderungen der STVO an eine besonders gesicherte Fahrbahnquerung: "Am Anfang und am Ende einer solchen Anordnung ist eine sichere Querungsmöglichkeit der Fahrbahn zu schaffen." Der Kaßlerfelder Kreisel ist jetzt schon ein Unfallschwerpunkt für Radfahrer. Von sicherer Querung kann hier keine Rede sein. Am anderen Ende in Ruhrort soll der Radfahrer in Höhe der Haltestelle Vinckeweg wieder auf die rechte Seite wechseln. Da es wenige Meter weiter viele Linksabbieger vor dem Tausendfensterhaus gibt, werden diese wohl kaum die mühsame zweifache Fahrbahnüberquerung mit Drucktastenampeln wählen. Ein gefährliches Fehlverhalten durch weiteres illegales Linksfahren bis zur Krausstraße wird so durch diese Fehlplanung geradezu provoziert.

Eine zukunftsfähige Lösung für den Radverkehr kann so nicht aussehen. Dieter Depnering, Verkehrsreferent des ADFC Duisburg dazu: "Von geringem Radverkehr zu reden, heißt: Ich nehme den Radverkehr nicht ernst. Die Planung ist von vorgestern und prognostiziert eine realitätsfremde Zukunft. Warum werden keine Radfahrstreifen auf der Fahrbahn angelegt?
Schließlich geht es nicht um eine provisorische Lösung für 14 Tage, sondern um ein Verkehrskonzept, das Jahrzehnte Bestand haben werde. Hier wird Geld gespart auf Kosten der Sicherheit."

In der derzeitigen politischen Abstimmung haben Bündnis 90/Die Grünen einen Änderungsantrag eingebracht. Dieser lehnt einen einseitigen Zweirichtungsradweg ab und fordert eine andere Aufteilung der Nutzungen auf der Brücke und Bau von zwei Radfahrstreifen auf der Fahrbahn. Der Verkehrsausschuss hat dieser Idee am 10.03.2010 bereits zugestimmt.Die nächste Beratung findet im Rat am 22.03.2010 statt.

MKM

Weitere Informationen

Links:
Planungsunterlagen und Ratsvorlage der Stadt:
www.duisburg.de/ratsinformationssystem/bi/to0040.php
 
Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen:
www.duisburg.de/ratsinformationssystem/bi/to0040.php

© 2020 ADFC Vest Recklinghausen Marl