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Frau Fahrrad in der Radmeisterei

16.05.20
Kategorie: Aktionen, Aktuelles, Kreisverbände, Münster, Presse, Rad in den Medien, Technik

Nicola Skiba ist Betriebsleiterin in der Radmeisterei @ASB



Nicola im Kundengespräch



Logo und Schriftzug der Radmeisterei



Hingucker - bunter alter Fahrradersatzteilsortierkastenschrank


Vor einigen Wochen hat im ehemaligen Fahrradgeschäft Döbbeler auf der Warendorfer Straße 46 das neue Fahrradgeschäft des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), die Radmeisterei, eröffnet. Als Betriebsleiterin agiert Nicola Skiba (49 Jahre). Das wollte sich der Leezen-Kurier doch mal aus der Nähe ansehen.

LK: Nicola, was hat dich bewogen die Stelle als Betriebsleiterin in der Radmeisterei anzunehmen?

Nicola: Das hatte viele Gründe. Nachdem mein letzter Arbeitgeber - das Gelbe U in Mecklenbeck – leider schließen musste, haben sich durch einen glücklichen Zufall die Wege des ASB und mir gekreuzt. Der ASB wollte einen integrativen Fahrradladen aufbauen und war auf der Suche nach jemanden, mit dem sie das verwirklichen konnten. Da kam ich gerade richtig mit meinen vielfältigen Erfahrungen – und natürlich meinem frisch erlangten Meistertitel. Die Ideen des ASB haben mir sofort gefallen. Und weil ich viele Jahre hier im Viertel gelebt und auch den Standort Döbbeler kannte, habe ich direkt zugegriffen.

 

LK: Du hast gerade deine verschiedenen Erfahrungen erwähnt – wie war denn dein Weg bisher?

 

Nicola: Fahrräder waren schon immer meine große Liebe. Leider gab es als Mädchen früher wenig Chancen in diesem Bereich. In der Schulzeit machte ich z.B. ein Praktikum in einem Fahrradladen machen, wo man mir zu verstehen gab, dass ich nichts in der Werkstatt verloren hätte und mich 14 Tage lang nur Fahrräder putzen ließ. Das hat mich mit 15 so sehr beeindruckt, dass mir der Mut fehlte und ich nach der Schule etwas anderes gemacht habe - u.a. eine Ausbildung zur Erzieherin, weil ich hoffte, dass ich mit Jugendlichen und Fahrrädern arbeiten könne. Erst mit 28 war ich dann soweit, dass ich einen neuen Anlauf unternommen und im Fahrradladen Quitmann eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht habe – und dabei die ganze Zeit parallel in der Werkstatt stand. Endlich war ich in meinem Traumberuf angekommen. In den folgenden 20 Jahren war ich entsprechend bei Quitmann, Fahrrad Look, Rückenwind, Hof 22 und im Gelben U tätig. Und nebenbei in der offenen Fahrradwerkstatt des JIB und den LWL Schulen, so dass ich meinen Wunsch nach Projekten mit Jugendlichen und Fahrrädern auch noch erfüllen konnte.

 

 

Ich liebe nun einmal Fahrräder!

 


LK: Puuh, das sind wirklich viele Stationen die Du durchlaufen hast...

 

Nicola: Ja, nicht immer ganz freiwillig. Aber in einer so langen Berufslaufbahn passiert es nun mal, dass Geschäfte schließen müssen. Und man sich dann neu orientieren muss.


LK: Was macht diesen Job aus, bzw. was fasziniert Dich dabei am Meisten?


Nicola: Die Mischung! Alles eben, der Umgang mit Kunden, die Fahrradtechnik und auch das Kaufmännische mache ich sehr gerne. Ich freue mich jeden Abend, wenn meine Kunden glücklich mit ihren Fahrrädern wieder nach Hause fahren. Es ist toll, wenn man sieht, was man geschafft hat. Und ich liebe nun einmal Fahrräder.


LK: Und warum dann noch der Meister?

 

Nicola: Nach so langer Zeit in meinem Beruf hatte ich ja nach wie vor keinen Abschluss als Mechanikerin. Das hat mich gestört. Ich wollte mir beweisen, dass ich das schaffe. Quasi den Beweis für mein Können.


LK: Du hast den besten Zweiradmechaniker Deutschlands (und zweitbester Europas), Stefan Lange, ausgebildet. Wie hast Du das hinbekommen?

 

Nicola: Das war bei Stefan keine Hexerei, der ist einfach ein Naturtalent. Er hat mir von Anfang an Löcher in den Bauch gefragt, was notwendig ist um zu lernen. Nach 20 Monaten habe ich ihn dann drauf gestoßen, dass er erst mal Luft holt und einen Tick länger nachdenkt, bevor er nach mir ruft. Von da an klappte es wie geschmiert. Ich denke, mir liegt Wissensvermittlung. Vielleicht werde ich ja nochmal Lehrerin (lacht).


LK: Apropos schmieren, da hat so jeder Fahrradmechaniker seine Vorlieben und Tipps. Was sind deine?

 

Nicola: Ich schwörte lange auf das Kettenöl von Rohloff. Vor kurzem bin ich auf einen Schmierstoff auf Keramik-Basis gestoßen. Es ist etwas dünnflüssiger, aber hält auf der Kette einen ganzen Winter lang, klebt nicht und zieht keinen Dreck an.

 

 

Für einen Kunden bin ich die Frau Fahrrad!

 


LK: Was bedeutet es in der Innenstadt oder im Randbereich Münsters tätig zu sein?

 

Nicola: Das sind große Unterschiede! In der Innenstadt gibt es mehr Laufkundschaft, die mal eben vorbeischaut, weil was klappert oder eine Kette gerissen ist. In Mecklenbeck, wo ich zum Schluss war, gab es viel Stammpublikum, mit denen man per Du war. Als ich meinen Meister bekam, kamen die Kunden mit Geschenken, gratulierten und umarmten mich. Das war toll!


LK: Weißt Du eigentlich, dass es regelrechte Follower für Dich gibt?

 

Nicola: Ja. Immer wenn es mich woanders hin verschlagen hat, wurde ich von Kunden gefragt, wo sie mich künftig finden könnten und regelrecht nach mir suchten. Manche Kunden sind mir aber wirklich über alle Geschäfte treu geblieben. Das ist ein schönes Gefühl! Einer kam mal zu mir und sagte, für ihn bin ich in Münster die Frau Fahrrad! (lacht)


LK: Danke für das Gespräch und die Zeit dafür. Der Leezen-Kurier wünscht weiter einen guten Neustart mit der Radmeisterei!



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