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ADFC stellt Ghostbike auf

08.04.20
Kategorie: Lippe, Sicherheit

 



Foto: Thomas Eichele


An der Kreuzung Leopoldstr./Richard-Wagner-Str. in Lemgo, an der vor einigen Tagen eine Radlerin von einem abbiegenden Lkw erfasst und getötet wurde, stellt der ADFC ein sogenanntes Ghostbike = Geisterrad auf. Es soll mahnen und an ein umsichtiges Verhalten der Verkehrsteilnehmer erinnern. Gleichzeitig ist es ein Appell an alle Beteiligten, alles in ihrer Macht und Zuständigkeit Stehende zu unternehmen, um solche Unfälle zu vermeiden.

Hintergrund:
Angesichts hoher Unfallzahlen besteht dringender Handlungsbedarf, um Radfahren sicherer und attraktiver zu machen. Insbesondere die Zahl der durch abbiegende Lkw getöteten Radfahrer steigt seit einigen Jahren an, denn sowohl der Radverkehr als auch der Straßengüterverkehr in den Städten nehmen zu. Nach Auswertung von Polizei- und Presseberichten im Internet gab es 28 Getötete im Jahr 2013, 38 Getötete im Jahr 2017, 2018 waren es 34 Todesfälle dieser Art, 2019 gab es einen Rückgang auf 27.

Zusammenstöße mit abbiegenden Kraftfahrzeugen gehören zu den häufigsten Unfällen von Radfahrenden. Wenn Lastkraftwagen beteiligt sind, sind oft schwerste Verletzungen und Todesfälle durch Überrollen die Folge. Die meisten dieser Abbiegeunfälle gehen auf das Konto von unachtsamen Lkw-Fahrern. Sie passieren häufig an Ampelkreuzungen, wenn Radfahrende bei Grün geradeaus fahren wollen, was auch hier der Fall war.

Zu den wirksamsten Maßnahmen, um Lkw-Abbiegeunfälle zu vermeiden, zählen laut Untersuchungen Lkw-Assistenzsysteme, welche Radfahrende und zu Fuß Gehende im Umfeld des Lkws mit Sensoren erkennen und den Fahrzeugführenden warnen. Laut Unfallforschung der Versicherer könnten sie 60 Prozent der schweren Unfälle durch abbiegende LKW verhindern.

Ferner sind sichere Kreuzungen mit versetzten Ampelschaltungen, moderne Lkws und Busse mit optimalen Sichtbeziehungen für die Fahrzeugführenden sowie die Sensibilisierung aller Verkehrsteilnehmenden für die Risiken bei Abbiegevorgängen von zentraler Bedeutung. Eine weitere Maßnahme ist das mit der Änderung der StVO eingeführte Gebot für Lkw ab 3,5 to, beim Rechtsabbiegen innerorts Schrittgeschwindigkeit (4 bis 7 km/h) einzuhalten.

Hieraus ergeben sich folgende Hauptforderungen des ADFC:

  1. Fahrzeuge und Fahrerassistenssysteme
    Kurzfristige, verbindliche Verpflichtung, alle Lkw über 3,5 Tonnen mit Assistenssystemen aus- bzw. nachzurüsten. (zuständig: Bund)
  2. Kreuzungsdesign – Sicherheit durch Umgestaltung
    Kreuzungen müssen hinsichtlich der Sicherheit der Radverkehrsführung systematisch analysiert und umgebaut werden. (zuständig: Baulastträger mit Förderung durch Bund und Land) Die Einschaltung von Fachbüros ist hierbei oftmals sinnvoll bzw. erforderlich.
  3. Kampagnen zur Bewusstseinsbildung bei allen Zielgruppen
    Sensibilisierung von Rad- und Lkw-Fahrenden (zuständig: alle Baulastträger, Verbände wie z. B. der ADFC - hier)


Bei den Punkten 2 und 3 sind auch und gerade die Kommunen gefragt.

Bei der hier betroffenen Kreuzung wäre eine kurzfristig realisierbare Möglichkeit die flächige, rote Einfärbung der Radfahrstreifen - im Idealfall auch über die Kreuzung hinweg. Das würde die Aufmerksamkeit aller Beteiligten erhöhen, denn dann würde deutlicher, in welchem Bereich mit Radlern zu rechnen ist.

Dieses Instrument wird in vielen radfahrerfreundlichen Kommunen stärker angewandt. Die Verkehrssicherheit wird dort offenbar höher gehandelt als mögliche Gegenargumente wie z. B. die Kosten, das häufigere Erneuerungsbedürfnis oder möglicher Abrieb, der in die Kanalisation treiben könnte. In Lemgo gäbe es noch eine Reihe anderer Radfahrstreifen und Aufstellbereiche vor Ampeln, die so verkehrssicherer gemacht werden könnten.

Insgesamt stellt der ADFC fest, dass in vielen Lippischen Kommunen im Rahmen einer Mobilitätswende eine Überprüfung und Verbesserung von Knotenpunkten dringend erforderlich ist, um dem Radverkehr sichere, komfortable und chancengleiche Verkehrsverhältnisse anzubieten.


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