Aktuelles aus Mönchengladbach

Marler Ampelgriff

22.10.17
Kategorie: Mönchengladbach, Verkehr, Service

Kleiner Griff, großer Kniff

Warum handelt es sich um ein innovatives und nachahmenswertes Beispiel?

„Rote Ampeln sind für Radler, die innerorts unterwegs sind, eine häufige Realität. Der Ampelgriff ermöglicht es ihnen, im Sattel sitzen zu bleiben und nicht absteigen zu müssen. In diesem Sinne stellt er eine Erleichterung für Radfahrer dar. Er kann überall, und teilweise auch zweifach je Fahrtrichtung eingesetzt werden, wo eine Befestigungsmöglichkeit im Aufstellbereich vor der Ampel besteht.“ (www.nationaler-radverkehrsplan.de)

Seit über 20 Jahren fährt Verkehrsplaner Dr. Jürgen Göttsche mit dem Rad ins Rathaus. Eines morgens fragte er sich, als er sich an der roten Ampel wartend festhält, warum dort eigentlich keine Griffe angebracht sind. Er tüftelte mit einem Badewannengriff – dieser wurde im Verlauf aus wetterfestem Material geliefert – und fand immer mehr Befürworter seiner Idee. Unter anderem konnte er Manfred Grix davon überzeugen, den Ampelgriff über sein Vertriebsbüro zu vermarkten. Allerdings stellte Herr Grix eine Bedingung: Er wollte sehen, dass es für diesen Griff einen Markt gibt. Das zu beweisen fiel Herrn Dr. Göttsche nicht schwer, die Bürger der Stadt Marl konnten für ca. 35 Euro eine „Ampelgriff-Aktie“ erwerben und der Ampelgriff wurde an der Wunschampel installiert. Auf diese Weise wurden die ersten 100 Ampelgriffe binnen einer Woche in Marl durch die Bürger finanziert und später durch die Verwaltung angebracht. Somit startete der bundesweite Vertrieb des Ampelgriffes unter dem Slogan „griffig, gelb, gut“. Die Farbe war bewusst auffallend gelb gewählt, die Autofahrer sollten sehen, dass die Stadt Marl die Fahrradfahrer gerne belohnt. Für seine Idee wurde der Erfinder Dr. Göttsche im Jahr 2000 mit dem Deutschen Fahrradpreis in der Sonderkategorie ausgezeichnet.

Örtliche Betriebe des VSF g.e.V. (Verbund Service und Fahrrad g.e.V.) haben 2005 anlässlich des 20jährigen Bestehens mit der Aktion „VSF-Betriebe beschenken die Republik“ ihren Kommunen eine Reihe von Ampelgriffen zur Verfügung gestellt. Damit gelangte der Griff immer weiter in die öffentliche Wahrnehmung. Seit der Entwicklung sind nun mehrere Tausend Ampelgriffe installiert worden, die teilweise von Sponsoren finanziert wurden – diese Werbefläche fällt gut ins Auge.

Eine Verwaltung, die die Fahrradfreundlichkeit ernst nimmt, wird bei dem Preis-/Leistungsverhältnis nicht um den Ampelgriff vorbeikommen. Für unter 50,- EUR erhält man diesen weitgehend vor Diebstahl bzw. Vandalismus geschützten Alltagshelfer. Es gibt weder demontierbare Schrauben noch sonstige Angriffspunkte, und durch die runden Formen ist ein Verletzungsrisiko extrem unwahrscheinlich und bislang auch noch nicht bekannt geworden. Anschaulich wird der Griff und die Montage auf der Internetseite www.ampelgriff.de dargestellt.

Problematisch könnten mancherorts die bisweilen willkürlichen Positionen der Ampelmasten sein. Der Griff muss natürlich vom Radweg aus erreichbar sein und es muss darauf geachtet werden, dass die wartenden Radler keinen Querverkehr stören. Sofern derartige Herausforderungen auftreten, bietet sich die Weiterentwicklung aus Dänemark an, sogenannte Ampeltrittbretter. Vorreiter in Deutschland ist die Stadt Ulm, die einfache Metallgeländer als sogenannte „RadHalte“ installiert hat. Hier können mehrere Radler bequem bei Rot hintereinander halten.



Was beide Lösungen vereint ist eine Signalwirkung zur Radverkehrsförderung mit gleichzeitiger Möglichkeit, die wartenden Radfahrer dorthin zu ordnen, dass Verkehrsflüsse an Knotenpunkten geordnet ablaufen können. 

Conny Boxberg

© 2017 ADFC Stadt Mönchengladbach