Aktuelles aus Mönchengladbach

ADFC Jahresückblick

31.12.19
Kategorie: Mönchengladbach, Aktuelles

Freude am Radfahren

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende und auch für uns ist es somit an der Zeit, ein Resümee über die Geschehnisse der letzten zwölf Monate zu ziehen. Dabei wollen wir nicht nur Negatives ansprechen, sondern gerade auch die positiven Punkte hervorheben.

Die Stadt Mönchengladbach hat, wie viele andere Städte in Deutschland auch, die letzten Jahrzehnte nur auf den motorisierten Individualverkehr gesetzt und den Rad- und Fußverkehr dabei sträflich vernachlässigt. Nicht ohne Grund belegt unsere Stadt beim aktuellen ADFC-Fahrradklima-Test landes- und bundesweit die letzten Plätze. So verwundert es nicht, dass der Radverkehrsanteil in unserer Stadt bei nur 6% liegt, während der Autoverkehrsanteil signifikant höher ist.

Die Politik und Verwaltung haben erkannt, dass gehandelt werden muss und in den letzten Jahren entsprechend gegengesteuert. Natürlich kann man nicht in kurzer Zeit das korrigieren, was vierzig Jahre zuvor versäumt wurde, Stadtentwicklung braucht halt seine Zeit.

Obwohl wir uns häufig immer noch über marode, viel zu schmale Radwege ärgern, sollten wir die Bemühungen der Stadt wertschätzen. Der Radverkehr wird heute bei jeder größeren Baumaßnahme mitgedacht und man bemüht sich, die Situation für die Fahrradfahrer stetig zu verbessern – das war nicht immer so!

Wir alle neigen, mal mehr, mal weniger dazu, negativ zu denken und dass Positive zu vergessen. Dabei bewerten wir das Negative um ein Vielfaches höher als das Positive. Deshalb ist es wichtig, uns regelmäßig das Gute in Erinnerung zu bringen. Und Gutes gab es im letzten Jahr vieles für die Mönchengladbacher Fahrradfahrer.

So erinnern wir uns z. B. daran, dass wir uns jahrelang darüber geärgert haben,  an der evangelischen Hauptkirche in Rheydt, vom Radweg kommend plötzlich auf der Straße standen. Hier hat die Stadt im Bereich Gartenstraße / Limithenstraße Lärmoptimierten Asphalt (LOA) aufgebracht und  dabei auf beiden Fahrseiten ein Angebot für den Radverkehr geschaffen. Ebenso wurde auf der Konstantin- ,Burggrafen- und Roermonderstraße  im Rahmen von Kanalbauarbeiten eine neue Asphaltdecke aufgezogen und hierbei Schutzstreifen bzw. Radfahrstreifen eingerichtet. 

Neben diesen Großprojekten gab es aber auch kleinere Maßnahmen, die ausschließlich dem Rad- und Fußverkehr gelten. So wurden z. B. die Wege im Pongser-Kamp (von Ohler Landweg zum Stadtwald), in der Bungt (vom Volksgarten zum Schloss Rheydt) oder am Schlaaweg (Fuchsbau) mit einer 1a Asphaltdecke ausgestattet. Wer in Wickrath oder  Beckrath wohnt, wird sich kürzlich über die Sanierung des Radwegs zwischen diesen beiden Ortsteilen gefreut haben.

Auch im Bereich „Kommunikation“ versucht die Stadt ihre Bürger und Mitarbeiter davon zu überzeugen, häufiger das Fahrrad anstelle des Autos zu nutzen. Hierzu organisierte sie das STADTRADELN und das Mobilitätsfest auf der Bismarckstraße  und startete eine Aufklärungs-kampagne zur Fahrradstraße „Blaue Route“.

Im Bereich Service dürfen wir uns nun über ausreichende Fahrradboxen an fast allen Mönchengladbacher Bahnhöfen (www.dein-radschloss.de) und über ein öffentliches Fahrrad-verleihsystem (Santander Nextbike) freuen.

Und es geht weiter so ...

Im kommenden Jahr werden 43 Einbahnstraßen im gesamten Stadtgebiet für den Radverkehr freigegeben, 30 weitere sollen in den nächsten Jahren folgen. Das Mönchengladbacher Knotenpunktnetz erhält im neuen Jahr weitere Knotenpunkte und wird dadurch deutlich verdichtet.  Für einen Abschnitt auf der Theodor-Heuss-Straße ist die Ausbesserung des baulich angelegten Radwegs geplant. Ebenso erhalten die Hofstraße, Rheindahlener Straße, der Reststrauch  und die Gracht (bis Zoppenbroich) vorwiegend neue Schutz- und Radfahrstreifen.

Es wird aber auch Projekte geben, die ausschließlich für den Rad- und Fußverkehr durchgeführt werden. So ist ein Rad- und Fußweg zwischen Eichen- und Frankenstraße geplant, die eine neue (verkehrsarme) Radwegverbindung zwischen Zoppenbroich und dem Mönchengladbacher Hauptbahnhof ermöglicht. Ebenso dürfen wir uns über den ersten Radschnellweg unserer Stadt freuen. Für 2,35 Mio. Euro wird dieser voraussichtlich im nächsten Jahr zwischen Rheindahlen und dem Nordpark entstehen und in den nächsten Jahren über die Landwehr bis ins Stadtzentrum ausgebaut werden. Die Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg von der Süchtelner Straße bis zum Willicher-Alleen-Radweg (Donk) wurde mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen, so dass hier nun Förderanträge zum Ausbau gestellt werden können. Wie man hört, plant die Stadt sogar weitere Fahrradstraßen. Lassen wir uns überraschen ...

Aber auch aus Berlin und Düsseldorf sind positive Signale zu hören. So wurden im Rahmen des Klimaschutzes 1,45 Mrd. Euro für die nächsten vier Jahre für den Ausbau des Radverkehrs freigegeben und kürzlich im Düsseldorfer Landtag beschlossen, dass NRW ein eigenes Fahrradgesetz erhalten soll, welches viele Verbesserungen für den Radverkehr enthalten wird.

Am 13. September ist Kommunalwahl. Hierbei wird der Radverkehr bei vielen Mönchengladnbacher Parteien eine große Rolle spielen und in deren Wahl-Programme aufgenommen werden. Wer hätte das vor einigen Jahren gedacht?

Natürlich gibt es auch Sachen, die nicht so glücklich gelaufen sind.

Wir fragen uns immer noch, warum der Radweg entlang der Winkelner Straße nicht asphaltiert, sondern als wassergebundene Decke saniert wurde. Sollten Radwege an Hauptstraßen nicht immer diesen Standard haben?

Auch die Einrichtung von aktuell 64 Kreuzungen, mit der Lösung des indirekten Abbiegens, gefällt uns nicht. Diese funktionieren oft nicht (defekte Fahrradampeln), sind unnötig teuer und bieten keine subjektiven Sicherheit. Gut gemeint, ist halt nicht immer gut gemacht. Hier wünschen wir uns Aufstellflächen, die günstiger sind, ein schnelleres Abbiegen ermöglichen und mehr Sicherheit für den Radfahrer bieten.

Auch das Parken auf Rad- und Gehwegen ist immer noch ein großes Ärgernis. Über 11.000 Meldungen im vergangenen Jahr zeigen leider keine große Wirkung. Erst die geplante Bußgelderhöhung wird hier eine spürbare Verbesserung schaffen.

Wir halten fest, Mönchengladbach ist auf dem richtigen Weg, muss aber noch sehr viel mehr tun, um den Autoverkehr in unserer Stadt zu reduzieren und die Menschen für das Fahrrad im Alltag zu begeistern. Dies wird erst gelingen, wenn ein komfortables, zügiges und sicheres Angebot für den Radverkehr besteht. Hierzu ist es aber erforderlich, mehr Personal in der Verwaltung für den Radverkehr einzustellen. Mit Maßnahmen, wie die generelle Einrichtung der Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h im gesamten Straßennebennetz könnte man eine schnelle und günstige Verbesserung für den Rad- und Fußverkehr und mehr Lebensqualität erreichen. Ob die Stadt Mönchengladbach hierzu schon bereit ist, wird die Zukunft zeigen.

Bis dahin behalten wir die „Freude am Radfahren“ und wünschen Ihnen ein schönen, neues Fahrradjahr!


Der ADFC Vorstand


© 2020 ADFC Stadt Mönchengladbach