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Schilda ? Schilder Ver(w)irrung an der Bensberger Straße

30.09.20

©Bernd Beckermann - Bild 1



©Bernd Beckermann - Bild 2



©Bernd Beckermann - Bild 3



©Bernd Beckermann - Bild 4



©Bernd Beckermann - Bild 5



Auf dem Weg von Bensberg nach Bergisch Gladbach löst ein neues Hinweisschild, das die Stadtverwaltung im September 2020 vor der Einmündung zum Kreishaus („Am Rübezahlwald“) aufgestellt hat, große Verwirrung und Rätselraten bei den Verkehrsteilnehmern aus <Bild 1>.

Hintergrund: an dieser Einmündung wurde im Oktober 2018 eine geradeaus fahrende Radfahrerin von einem rechtsabbiegenden Bus schwer verletzt. In der Unfallkommissionsitzung im Januar 2019 wurde dann die sehr sinnvolle Rot-Markierung des Radweges in der Furt der Einmündung beschlossen. Zusätzlich wurde als „Sofortmaßnahme“ das Aufstellen des o.a. Schildes beschlossen, um Autofahrer und Radfahrer symbolisch für die Situation zu sensibilisieren. Ob das Ziel mit dieser Graphik erreicht wird, mag der geneigte Leser selber beurteilen. Bei allem Verständnis für die Bemühungen der Unfallkommission zur Unfallprävention: Der ADFC hält dieses primitive Schild für völlig misslungen.

Schon der Aufstellort unter dem Hinweis auf eine Kirche ist kein guter Blickfang <Bild 2> und wird kaum wahrgenommen. Der Pfeil für die LKWs ist grün, warum? Die Pfeile für Bus und Rad unterscheiden sich nicht, didaktisch ist das nicht gelungen. PKWs kommen nicht vor? Der Zackenstern als Symbol für die Crash-Situation ist für die Verkehrsteilnehmer durch die schwach-gelbe Farbe kaum zu erkennen. Der untere Rechtsabbiegerpfeil ist für die Erklärung der Gefahrensituation unnötig und erschwert nur das Gesamtverständnis.

Das Geld und die Arbeit für dieses Schild hätte man besser in Öffentlichkeitsarbeit oder rote Furt-Markierungen investiert. Situationen mit Rechtsabbiegern an Radwegen neben Hauptverkehrsstraßen gibt es nämlich an sehr an vielen Stellen in Bergisch Gladbach. Allein im Verlauf der Bensberger Straße bis zur Buddestraße fehlen die roten Markierungen auf mindestens 3 Einmündungen.

 

Aber zurück zum Ausgangspunkt: Bei der Analyse der Unfallstelle wurde nach Meinung des ADFC weitere Aspekte nicht intensiv genug betrachtet. Zum Beispiel wäre eine Fahrradampel, die dem Radfahrenden einen Grünvorsprung vor dem KFZ-Verkehr gibt <Bild 3> oder eine für KFZ zurückverlegte Haltelinie hilfreicher gewesen als das unverständliche Schild.

<Bild 4> zeigt ein weiteres ungelöstes Problem: Der Radfahrende fährt direkt auf das blaue Schild „Radweg“ / „Ende“ zu. Viele Radfahrer denken (fälschlich!), dass hier der Radweg zu Ende ist und man auf die Straße ausweichen muss. Die rote Furt endet direkt vor dem Ende-Schild und es gibt keine Weiche, wie man sicher vom Radweg auf die Straße kommt, zumal an Regentagen auch noch die Pfütze im Weg ist. Hier fehlt ein Hinweis, dass nicht der Radweg zu Ende, sondern nur die Benutzungspflicht. Der rot markierte Radweg darf weiter benutzt werden. Nach gängiger Praxis ist in NRW dieses Recht durch eine Markierung des roten Radweges mit einem Fahrradpiktogramm plus Richtungspfeil zu kennzeichnen. Auf Empfehlung des Verkehrsministeriums NRW soll an solchen Stellen zusätzlich darauf hingewiesen werden, dass der Radfahrer sowohl die Straße als auch den Bürgersteig benutzen darf.

Defizitär ist an der Kreuzung nicht nur die Routenführung für geradeaus Fahrende sondern auch für rechts abbiegende Radfahrer (z.B. Mitarbeiter des Kreishauses und Schüler des DB Gymnasiums). Sie dürfen den Gehweg als Radweg benutzen, erkennbar an dem schwer in die Jahre gekommenen Piktogramm, welches sogar die Benutzung in beide Richtungen erlaubt <Bild 5>.

Im weiteren Verlauf fehlt aber bis einschließlich zur Einmündung in den Lerbacher Weg jegliche Kennzeichnung als Radweg.

Grundsatzproblem: Es gibt in Gladbach vielen Stadtteilen und an fast allen Hauptstraßen zwar baulich durch rot-Pflaster gekennzeichnete Radwege, aber keine eindeutige Kennzeichnung, ob man sich auf einem Radweg befindet oder illegal auf dem Gehweg fährt. Die Stadtverwaltung ist auch nicht im Besitz eines durchgehenden Katasters seiner diesbezüglichen Radwege.

Bei Nachfragen wird auf das rudimentäre Kartenmaterial in der Broschüre zum Mobilitätskonzept verwiesen. Dort steht aber auf S. 43 ein klarer Hinweis auf die unzureichende Datenlage:

„Eine ausführliche Bestandsaufnahme folgt nach Beschluss des Mobilitätskonzeptes und in Vorbereitung auf regionale Kooperationen und die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes.“

Dagegen der Stand Ende 2020: MobiK 2016 beschlossen, regionale Kooperationen vereinbart, FNP aufgestellt, aber die versprochene Bestandsaufnahme zum Radwegenetz fehlt! Es wird höchste Zeit, dass die Stadt sich auch dokumentarisch professioneller aufstellt, wenn sie es mit der Verbesserung der Radwege-Infrastruktur ernst meint und Rechtssicherheit für alle Verkehrsteilnehmer gewährleisten will.


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