Fortschritte auf vielen Trassen/ Tunnel Schee kommt mit Wintersperre

Der Schee- Tunnel darf zum Radweg umgebaut werden, wird aber zunächst mit einer Wintersperre versehen werden.
Dieser Tunnel ist oberirdisch nur auf steiler und anstrengender Strecke zu umfahren, was für den Alltagsverkehr ein deutliches Manko bedeutet.
Aber der Ausbau kommt sowieso erst in mittlerer Zukunft. Wir hoffen auf schnellere Fortschritte zumindest im innerstädtischen Abschnitt...
...damit wir diese wunderbaren Ausblicke von der Trasse endlich auch im Alltagsverkehr geniessen können ...
... und Wuppertal auch eine ganzjährig attraktivere Stadt für Radverkehr wird.

Sorgen machen Tunnel und Viadukte

Pünktlich zum Sommeranfang wurde ein Rückschlag für das Projekt Nordbahntrasse im Bergischen Trassenverbund bekannt. Während die Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung zum Trassenverbund der "Panoramaradwege" im Bergischen Raum und im Sauerland gefeiert wird und sich alle Welt über den gerade eröffneten 2. Bauabschnitt der Wasserquintettroute sowie die bevorstehende Eröffnung der Niederbergbahn freut, kommen negative Nachrichten zur Nordbahn diesmal aus Brüssel. Auf Weisung der zuständigen EU- Behörden wird für den Tunnel Schee eine Wintersperre angekündigt.

Lassen wir einmal außer acht, dass Voraussetzung für eine Sperre erst einmal die überhaupt erfolgte Baumaßnahme ist, enttäuscht die Meldung zunächst. Hatte es doch vor wenigen Wochen scheinbar eine Verständigung zum Artenschutzkonzept gegeben. Das dies nun auch wieder hinfällig ist lässt erhebliche Zweifel am öffentlich geäußerten Interesse der Naturschutzverbände an der Realisierung des Projektes Nordbahntasse in uns wachsen. Denn auf Intervention dieser Organisationen ist nach unseren Infos die Weisung zu Stande gekommen.

Besonders wenig Verständnis kommt auf wenn man gleichzeitig erfährt, dass im Höhsieper Tunnel der Wasserquintettstrecke für den Fledermausschutz im Winter eine Lösung vereinbart wurde, die die gleichzeitige ganzjährige Nutzung als Radweg ermöglicht. Hier sind die Entscheidungen auch von den zuständigen Naturschutzverbänden mit getragen worden. Die Trennung der Bereiche wird durch eine relativ preiswerte vertikale Wand hergestellt, die eine ungestörten Winterschlaf ermöglichen wird. Auch im Tunnel Schee wäre sicher die Bereitschaft zum Einbau eine Zwischenwand oder Zwischendecke vorhanden, außerdem gibt es dort ja auch eine zweite, völlig ungestörte Tunnelröhre

Durchgängige Strecke ist gesichert

Bei genauerem Hinsehen muss man aber auch die positiven Aspekte der Meldung sehen. Denn bisher war noch längst nicht für jeden sicher, dass der Tunnel Schee überghaupt zum Radweg ausgebaut werden darf. Das ist nun aber offensichtlich sicher.  Für den touristischen Bereich des Panorama- Radwegs ist die durch diese Einschränkung verursachte Störung auch nicht so schlimm. In der Hauptnutzungszeit wird die Strecke offen sein, in den Wintermonaten lässt die touristische Nutzung doch sehr stark nach und beschränkt sich auf die hartgesottenen RadfahrerInnen, die auch die mögliche steile Ausweichroute über den Berg beherrschen. Im März und abhängig von der Dauer einer Sperre auch im April nimmt der touristische Radverkehr allerdings schon deutlich zu und wäre hier behindert.

Schwerer wiegt da die Einschränkung im Alltagsverkehr. Die Chance, auch aus Richtung Herzkamp, Sprockhövel, Haßlinghausen und Silschede das Fahrrad als alltagstaugliches Verkehrsmittel für Pendler zu etablieren, schwindet bei halbjährig geschlossenem Tunnel. Da bremst der Artenschutz den Klimaschutz halt klassisch aus.

Eine Anmerkung zum Artikel der WZ am 22.6.: In den aktuellen Konzepten ist ein Ausbau des Tescher Tunnels gar nicht vorgesehen, von einer Wintersperre war hier nie die Rede. Es wird auch in diesem Bereich eine Umfahrung geben, die aber deutlich einfacher zu bewältigen ist als die am Tunnel Schee.

Aber es gibt es auch weitere positive Meldungen. In anderen Bereichen der Nordbahn wird jetzt wieder gearbeitet. So geht der Ausbau des Abschnitts zwischen dem Zugang Schleswiger Straße und dem Bahnhof Ottenbruch wieder voran. Im Dorper Tunnel soll ab August das Monitoring zu Auswirkungen einer LED- Beleuchtung auf die Fledermauspopulation beginnen. Auch für den Zugang an der Schleswiger Straße ist nun eine kurzfristige Lösung in Sicht. Durch einen Umbau am Zaun und die Abgrenzung des Parkplatzes des Boschdienstes gegen Fremdparker soll Anfang Juli wieder eine Öffnung möglich werden.

Wasserquintett: überall wird zumindest gebaut

Auch an den anderen Bahntrassen geht es voran. Am Pfingstmontag wurde auf der Wasserquintettroute der 2. Bauabschnitt zwischen Wipperfürth und Marienheide offiziell eröffnet, zwischen Bergisch Born und Hückeswagen laufen ebenfalls die Baumaßnahmen zum Ausbau der Trasse. Nur die gefundene Lösung für den Höhsieper Tunnel wird auf Grund der Winterruhe erst im nächsten Frühjahr umgesetzt werden. Danach ist dieser Tunnel dann aber ganzjährig zu befahren.

Auch an der Balkantrasse von Bergisch Born bis Burscheid wird gearbeitet, zuletzt wurden mehrere Brücken im Stadtgebiet Wermelskirchen eingesetzt. Ausserdem sind in dem Teil der Wermelskirchener Innenstadt, in denen die Strecke nicht auf der alten Bahntrasse verläuft, inzwischen durchgängige Routen geschaffen und ausgeschildert worden. Auch im Abschnitt von Bergisch Born bis Remscheid- Lennep, auf dem Balkan- und Wasserquintett-Route gemeinsam verlaufen, wird nun gebaut.

Ganz aktuell: Realisierung startet auch zwischen Burscheid und Opladen!

Ab sofort ist die Bewirtschaftung des Trassenabschnitts auf Leverkuser Stadtgebiet von der DB an die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft BEG übertragen worden. Diese hat bereits diverse Bahntrassenradwege realisiert und nun auch bereits die Vorbereitungsmaßnahmen beauftragt, für die keine kommunalen Mittel vorhanden sein müssen. Damit die Baumaßnahmen dann auch tatsächlich starten muss die Finanzierung des kommunalen Eigenanteils gesichert sein. da Leverkusen eine ähnlich desolate Haushaltssituation hat wie Wuppertal kann auch dort kein kommunales Geld für den Eigenanteil verwendet werden. So hat sich der Förderverein Balkantrasse nach dem Vorbild der WuppertalBewegung gegründet und arbeitet an der Finanzierung ohne kommunale Mittel. Der Zulauf ist gut, weitere Unterstützung aber immer noch dringend erforderlich.

Niederbergbahn vor der Eröffnung

Am 16.7. wird zudem die gesamte Niederbergbahn eröffnet. Bereits jetzt ist dort eine Menge Radverkehr festzustellen, obwohl die Strecke noch nicht ganz fertig ist und daher zwischen Heiligenhaus und Velbert noch nicht befahren werden kann. Im Zuge des Ausbaus der Verbindung zwischen Niederbergbahn und Korkenziehertrasse (Solingen) wird zurzeit auch ein Stück der alten Korkenziehertrasse ausgebaut und spart in Zukunft die Fahrt durch ein kleines Tal. Auch der Anschluss nach Haan über die Gleise der ehemaligen Straßenbahnlinie V (Vohwinkel-Benrath) wird dabei für den Radverkehr ertüchtigt.

Alles in allem doch durchaus positive Entwicklungen für den Radverkehr im Bergischen Land.

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