Trotz Polizei: ParkingDay war ein voller Erfolg

Willkommen in Absurdistan: Zum Schutz von Passanten und Gästen musste der Gehhweg verbreitert und zum Versammlungsraum auf der Straße abgeteilt werden. Sonst dürfen auf dieser Fläche Autos parken, Kunden am Tisch und Passanten sind dann auf dem Gehweg wohl nicht gefährdet.

Aktualisiert am 9.10.20

Am Freitag, dem 18. September, fand auch in Wuppertal der international begangene ParkingDay statt. Zum unwürdigen Einsatz der Polizei werde ich am Schluss eingehen, aber wir lassen uns nicht von wildgewordenen Beamten den Inhalt der Aktion in den Hintergrund drängen.

Am Mittag wurde in Vorbereitung der Versammlung die Friedrich- Ebert- Straße in Höhe des Luisenplatzes gesperrt. Da auch das Parken im Bereich rechtzeitig untersagt wurde, zeigte sich der Abschnitt plötzlich ruhig und Autofrei. Den zahlreichen Gästen der Cafes am Luisenplatz fiel die Veränderung sofort auf.

Ab 14:00 belebte sich dann auch der gesperrte Straßenabschnitt. Unterschiedliche Infostände und Mitmachaktionen zeigten diverse Aspekte der Mobilität auf. Zwei Cellistinnen, die sonst professionell im Wuppertaler Symphonieorchester spielen, erfreuten die Anwesenden mit einem Mix aus klassischen und modernen Stücken. Passanten konnten mit Bällen abstimmen, ob sie eine solche autofreie Variante bevorzugen oder befürchten, dass die Innenstädte durch den Wegfall der Parkplätze veröden. Deutlich wurde, dass die meisten Menschen die Veränderung genossen.

Der Parking Day hat sich genau das zum Ziel gemacht. Durch gute Beispiele zu zeigen, dass städtischer  Straßenraum zu wertvoll ist, um ihn mit Blech zuzustellen. Der Einzelhandel tut sich teilweise noch schwer mit der Verbannung der Autos und befürchtet weitere Umsatzeinbußen. Wir sind aber überzeugt, dass man andere Strategien braucht, um Kunden weiterhin in die Städte zu locken. Dabei ist die Aufenthaltsqualität ein ganz besonders wichtiger Faktor. Kombiniert man das zum Beispiel mit besserem Service(z.B. Lieferdienste für Waren zu den Kunden oder zu zentralen Abholpunkten am Bahnhof für Kunden, die mit dem ÖPNV anreisen, können Menschen unbeschwert bummeln und Einkaufen, ohne Waren durch die Gegend zu tragen und ohne mit dem Auto anzureisen.

Bestimmt nicht representativ, aber klar und eindeutig: Die Passanten fanden es ohne Blech deutlich attraktiver

Aber nicht nur in der Innenstadt hat das Auto die Menschen verdrängt. In den Wohnquartieren stellen immer mehr, größere und breitere Autos die Lebensräume vor der Haustür zu. Gehwegparken wird nicht mehr als Verkehrsverstoß, sondern als selbstverständliches Recht empfunden. Auf der Strecke bleiben zunächst Fußgänger und Kinder, die zum Spielen weg von der Haustür auf ein paar Spielplätze verdrängt werden. Darunter leiden aber auch Nachbarschaften und lokaler Zusammenhalt, weil die Straße und unmittelbare Umgebung keinen benutzbaren Lebensraum mehr bieten.

Wollen wir eine Änderung in unseren Städten erreichen, die nebenbei natürlich auch aus klimapolitischer Sicht zwingend ist, ist der Verkehr ein Schlüssel. Die Reduzierung von Parkraum spielt dabei eine zentrale Rolle. Die Städte, in denen eine Umsteuerung des Verkehrsverhaltens tatsächlich angegangen wurde, haben alle unter anderem Platz gewonnen durch die Reduzierung von Parkraum. Eine solche Entwicklung halten wir auch in Wuppertal für zwingend geboten.

Musikalischer Genuss. Ohne Autos kann man auch leisere Töne genießen. Gegen die Hochzeitsglocken von St. Laurentius waren die Celli dann allerdings machtlos
Diverse Organistionen informierten über ihre Vorstellungen einer besseren Stadt

Wie gesagt, all dies war die Grundidee der Aktion. Zwei Stunden lief es auch wunderbar, bis die Polizei meinte, jetzt massiv eingreifen zu müssen. Zunächst gab es die Ansage, wegen nicht eingehaltener Mindestabstände müsse nun im gesamten Versammlungsbereich Maske getragen werden. Auch wenn der Sinn nicht klar ersichtlich war, wurde dies selbstverständlich umgesetzt. Wir hatten uns mit allen Beteiligten im Vorfeld verständigt, auf jeden Fall das Vorsorgekonzept einzuhalten und keine laxe Haltung zu dulden.

Trotzdem gab es natürlich einzelne PassantInnen oder Teilnehmerinnen, die hinzukamen oder kurzfristig zum Essen oder Trinken keinen Mund- Nasenschutz trugen. Diese wurden, wenn unsere Ordner dies bemerkten, darauf hingewiesen und waren üblicherweise auch direkt bereit, sich anzupassen.

Ab etwa 16:15 trat dann eine Samba-Trommlertruppe auf. Laut Auflage durften sie nicht durch die Straße laufen, sondern mussten in einem gekennzeichneten Bereich bleiben. So wurde der Mindestabstand auch untereinander sichergestellt. Die Musiker wurden dann aber selbst in ihrem abgeschlossenen Bereich mit einer Anzeige gegen den Verstoß der Maskenpflicht bedroht.

Hier wolle wir allerdings klarstellen, dass wir den Eindruck, diese Situation sei ein Ausdruck von Alltagsrassismus gewesen, nicht mehr haben. Wie inzwischen klar ist, wurde nicht, wie zunächst berichtet, als erstes der einzige Nicht- Weiße mirt einer Anzeige bedroht, sondern zunächst es wurden von der Polizei mindestens zwei andere Personen zuertst sanktioniert. Das ändert zwar nichts daran, dass wir das Verhalten immer noch für ungerechtfertigt und sinnlos halten, verändert aber die Einschätzung, die vorgehensweise sei ein Beispiel für die unterschiedliche Behandlung nach Hautfarbe.

Mit insgesamt trotzdem unangemessenem Verhalten und einem völlig grundlosen, aggressiven Auftreten hatten die Einsatzkräfte es in wenigen Minuten geschafft, aus einer absolut friedlichen und harmonischen Aktion ein Chaos herzustellen und Beteiligte und Zuschauer ratlos zurück zu lassen. Das ging dann so weit, dass sich entfernende Teilnehmer, die gemeinsam weg gingen, noch einige Straßen weiter angehalten und nach Personalienfeststellung ebenfalls mit Anzeigen bedroht wurden, weil sie sich erneut versammelt hätten.  

Kein Mensch, der die Sache beobachtete, konnte verstehen, was die Polizei zu diesem vollkommen sinnlosen Einsatz angestiftet hat. Die Besucher der Gastronomie waren ebenso fassungslos wie wir. Und wenn man mit 10 Beamten auf einer solchen Veranstaltung ist und ständig über den Platz patroulliert wäre es ein leichtes, bei Verstößen den Leuten mit ein paar netten Worten einen Hinweis auf das möglicherweise tatsächliche Fehlverhalten zu geben. Statt solche deeskalierende Schritte zu unternehmen, passierte das oben Beschriebene. Da hat sich auch die Polizei Wuppertal wahrhaftig kein Ruhmesblatt ausgestellt.

Schmankerl am Rande: Gleichzeitig fand in der Luisenkirche eine Hochzeit statt. Von uns natürlich herzlichen Glückwunsch an das Brautpaar. Allerdings standen vor der Kirche etwa 100 Menschen dicht an dicht, alle ohne Maske. dies interessierte aber bis kurz vor Ende der Veranstaltung weder die Polizei noch das ebenfalls anwesende Ordnungsamt. Wir hoffen also, dass auch alle Besucher der Hochzeit gesund bleiben. Aber solche Feiern sind ja bekannt dafür, dass es dort grundsätzlich keine Ansteckungen ergeben. Da wäre ein entsprechender Hinweis also wohl auch gar nicht nötig gewesen......

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