Industriekulturroute auf der Nordbahntrasse

Auf der Nordbahntrasse wurden 2015 die Tafeln einer neuen Industriekulturroute montiert. In den drei Bergischen Städten Solingen, Remscheid und Wuppertal ist in den vergangenen Jahren eine Reihe von thematischen Industriekulturrouten entstanden. Die blauen Tafeln mit historischen Erläuterungen und Bildern sind inzwischen gute Bekannte. In Wuppertal gab es bisher schon etwa 250 solcher Standorte, die die Entwicklung der Industriestadt anschaulich werden lassen.

Damit ist auf der Nordbahntrasse, der ehemaligen „Rheinischen Strecke“, eine weitere ergänzende Industriekulturroute entstanden. Bei dieser Route über die Eisenbahntrasse geht es den Autoren speziell um den Zusammenhang von Eisenbahn und Stadtentwicklung. Am Beispiel von etwa 50 historischen Gebäuden – Bahnhöfe, Brückenbauten, Fabriken, Konsumgenossenschaften oder Kalköfen – werden verkehrs- und industriegeschichtliche Zusammenhänge sichtbar. So wird wohl in einmaliger Weise die Bedeutung der Eisenbahn für Entwicklung der einst bedeutenden Industriestädte im Wuppertal deutlich.

Nordbahn Wuppertal in Betrieb

Am 18.12. wurde der Tunnel Schee erstmalig für die Öffentlichkeit freigegeben. Mit gedimmten Licht soll der Tunnel nun tatsächlich ganzjährig rund um die Uhr zu befahren sein. Nur an kritischen Tagen wie Sylvester oder Haloween ist eine temporäre Sperrung zum Schutz der Fledertiere vorgesehen. Ein Monitoring der Populationen soll die Auswirkungen auf die geschützen Tiere im Auge behalten.

Der erste Radschnellweg in NRW ging am 19.12.2014 in Betrieb. Seitdem gibt es hier eine über 20 km lange, kreuzungsfreie und autofreie Schnellverbindung.
Die Strecke wurde nicht offiziell als Radschnellweg gebaut. Die Idee geht geht auf die Initiative des Vereins "Wuppertalbewegung" zurück, der sich eine sinnvolle Nutzung der aufgegebenen Trasse der Rheinischen Bahn (in Wuppertal immer "Nordbahn" genannt) zum Ziel gesetzt hatte. Da die Stadt Wuppertal, jahrelang im Nothaushalt, keine kommunalen Mittel für ein solches Projekt aufwenden durfte, hatte diese Bürgerbewegung nicht nur die Idee, sondern bewältigte auch die Finanzierung des kommunalen Eigennteils.

Auch der ADFC Wuppertal hat sich ideell und finanziell an der Realisierung des Projektes beteiligt. So wurde eine Spende zur Erlangung des Eigenanteils geleistet. Heut had der ADFC eine Trassenpatenschaft fur einen Teilabschnitt übernommen.

Entstanden ist eine Strecke, die in fast idealer Weise alle Elemente des Radschnellwegs erfüllt. Sie führt über mehr als 20 km durch die Kerngebiete der Stadt. Sie ist kreuzungsfrei und praktisch eben. Sie ist breit und komfortabel ausgebaut und gibt über den längsten Teil eine bauliche Trennung von Radverkehr und Fußgängern vor. Autos bleiben aussen vor, die Strecke ist über etwa 98 % weiträümig vom Autoverkehr getrennt. Und sie bietet dazu noch viele spektakuläre Abschnitte. Die Bahnstrecke wurde im engen Tal etwa 30 Meter oberhalb des Talgrundes angelegt und verläuft über vier große Viadukte, zahlreiche Brücken und durch sechs Tunnel.

Damit ist die Nordbahn nicht nur eine geniale innerstädtische Schnellverbindung, sondern auch ein fahrradtouristisches Highlight. Sie ist Herzstück eines in den letzten Jahren im Bergischen Land entstandenen Netzes von Bahntrassenradwegen. Unter der Dachmarke "Bergische Panoramaradwege" kann man nun mit hohem Anteil ehemaliger Bahntrassen diverse Tages- und Mehrtagestouren zwischen Ruhr, Rhein und Sieg unternehmen, an der Nordbahn kommt man immer vorbei.

Der ADFC Wuppertal erwartet in den nächsten Jahren eine weitrer deutliche Zunahme des Radverkehrsanteils in unserer Stadt. Gab es bei der letzten allgemeinen und representativen Verkehrsuntersuchung vor gut 15 Jahren erst einen Radverkehrsanteil von 0,7 Prozent, liegen die Zahlen bei der jüngsten, allerdings nicht so fundierten Untersuchung zwischen 1,5 und 2 Prozent. Aber auch unabhängig erhobener Zahlen sieht jeder Wuppertaler, dass Fahrräder im Alltag auch hier immer häufiger und selbstverständlicher werden. Mit der Nordbahn hoffen wir, in nicht all zu ferner Zukunft den Anteil auf  5 % ansteigen zu sehen.

Erstmals ist der Blick von den Barmer Viadukten möglich (hier Blick vom Steinweg-Viadukt Richtung Südwesten, in der Bildmitte der Toelleturm)

Dazu ist aber die Verbesserung der Infrastruktur auch außerhalb der bestehenden Bahntrassen notwendig. Schon die Anbindung an das umgebende Straßennetz ist nicht immer so, wie wir das wünschen würden.  Aber im sonstigen Stadtgebiet ist eine Radinfrastruktur nur rudimentär vorhanden.

Die Stadt versucht, die Rahmenbedingungen für gegenläufigen Radverkehr stückweise zu verbessern. So werden zurzeit alle Wuppertaler Einbahnstraßen auf die Freigabe für gegenläufigen Radverkehr untersucht. Fast 200 wurden bereits geöffnet oder ihre Öffnung wird vorbereitet. Auch bei verschiedenen Straßenbaumaßnahmen wurde die Umgestaltung des Straßenraunes für die schaffung von Radtrassen genutzt. Auf der anderen Seite gibt es im städtischen Haushalt bis heute keine Eigenen Haushalltstitel für Radverkehrsmaßnahmen.

So steht die Realisierung des vom vorigen Wuppertaler OB ins Gespräch gebrachten Projektes Fahrradstadt 2025 weiterhin in den Sternen. Durch die Inbetriebnahme der Nordbahntrasse wird der Druck auf Politik und Verwaltung aber weiter wachsen. Welche Vorteile Radverkehr bietet, ist in der Stadt übrigens im Augenblick exemplarisch zu studieren. Durch die mehrjährige Sperrung eines der zentralen Straßenabschnitts der B 7 in der Nähe des Hauptbahnhofes sind erhebliche Probleme des motorisierten Individualverkehrs entstanden. Nicht davon betroffen sind der schienengebundene ÖPNV mit Schwebe- und Eisenbahn und - genau- der Radverkehr. Die Nordbahn bietet da jetzt erst recht eine attraktive Alternative.

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