Teufelszeug:
Gefahr droht, wenn die Politik das beschließt. Und in Wuppertal droht dem Radler Gefahr in Einbahnstraßen auch ohne real existierende Unfälle.
So ist es richtig. Stehende Räder sind gut für den Trend, ohne zu stören.
Leider sind manche noch immer unbelehrbar. Mit der Critical Mass stören sie den Verkehrsfluss.
Das geht dann doch zu weit.
Spannend bleibt, welche Argumente zur Umsetzung des Radverkehrskonzeptes aus dem Hut gezaubert werden.

Wo Reden und Handeln nicht zusammenpassen

Seit Jahren hat der Rat unserer Stadt das Ziel ausgegeben, Wuppertal zur Fahrradstadt zu machen. Ebenso konsequent kommt die Stadt aber auf diesem Weg nicht voran. Immer wieder entscheiden sich die politischen Gremien, gerne unter dem Kunstgriff auf angebliche Sicherheitsaspekte gegen Maßnahmen, die den Radverkehr tatsächlich fördern könnten. Allerdings bleibt bei uns immer wieder das Gefühl, es geht hier in Wirklichkeit nicht um Sicherheitsaspekte, sondern um eine möglichst störungsfreie Abwicklung des motorisierten Verkehrs.

Geradezu klassisch die Entscheidungen der letzten Wochen: Freigabe der Einbahnstraßen im Bereich Birken/ Eckbusch: abgelehnt, da angeblich zu gefährlich. Polizei, Radfahrer, Verwaltung und WSW sahen kein Problem, in den bereits freigegebenen Straßen hat es bisher noch nirgends ein Problem gegeben, aber die Lokalpolitiker überragen mit ihrem Sachverstand alle Planerinnen und Retten die Straße vor dem Radverkehr (diese Entscheidung fiel nach unserer Kenntnis sogar einstimmig).

Hainstraße: Auf einer längeren Strecke sollte hier mittels Schutzstreifen dem Radverkehr ein Angebot gemacht werden. Das wurde aber abgelehnt, da es nicht durchgängig über die ganze Straße geht. Immerhin sollte es aber die gesamte Strecke zwischen Friedhof und Westfalenweg erfassen. Wenn das künftig der Maßstab ist wird es in Wuppertal gar keine Maßnahmen im bestehenden Straßennetz  mehr geben, schließlich sind die finanziellen Mittel so knapp, dass es gar keine größeren Bau- und Erneuerungsmaßnahmen mehr gibt. Also muss es eine Stück-für-Stück-Entwicklung geben, wenn das noch sehr lockere Netz der Radverkehrsanlagen mit der Zeit dichter werden soll.

Natürlich gibt es auch Maßnahmen, die befürwortet werden. Zum Beispiel in der Gegend Waldkampfbahn/ Vohwinkeler Feld. Hier hatte es bis vor einem Jahr noch Radwege im Bürgersteigbereich gegeben, die den Vorschriften für einen 2-Richtungs-Radverkehr nicht annähernd gerecht wurden. Auch wir vom ADFC hätten uns eine bergwärts gerichtete Freigabe der Bürgersteige vorstellen können, aber bergab ist die Verkehrssituation objektiv nicht ungefährlich. Hier wurde aber die Sicherheitslage komplett umgedreht und versucht, die alte Situation wieder herzustellen.

Bis heute hält sich in unserer Stadt der Irrglaube, sicherer Radverkehr sei durch eine Verlagerung weg von der Fahrbahn auf den Bürgersteig zu erreichen. Dabei weisen die Unfallstatistiken mit Radbeteiligung genau das Gegenteil aus. Das Interesse von Autofahrer-beherrschten Gremien ist es aber offensichtlich, Fahrräder weiterhin fernzuhalten. So wird mit Begeisterung der Ausbau von Bahntrassen gefördert, aber verkannt, dass eine Alltagstauglichkeit der Stadt auch für Radverkehr erst dann entsteht, wenn man den gesamten Weg sicher und komfortabel per Rad zurücklegen kann. Ist die Wuppertaler Politik allerdings der Meinung, es könne kein Platz der Fahrbahnen zugunsten des Radverkehrs genutzt werden, bleibt nur ein Weg zur Erhöhung der Verkehrssicherheit: Flächendeckendes Tempo 30 hilft ebenfalls, die Sicherheit zu erhöhen. Und in 30-Zonen sehen auch die geltenden Regelwerke keine speziellen Radverkehrsanlagen vor.

© 2018 ADFC ADFC Wuppertal/Solingen