Fledermäuse und die Nordbahn

Seit mehreren Jahren gibt es rund um die Nordbahn eine unselige Auseinandersetzung. Sie wird sehr emotional und leider auch ziemlich unsachlich geführt. Dabei geht es um einen Konflikt, der vermutlich relativ einzigartig ist: Klimaschutz kämpft gegen Artenschutz. Die Situation ist verfahren.

Die Ausgangslage:

In den Tunneln der Nordbahn haben sich an verschiedenen Stellen diverse Fledermausarten angesiedelt. Die Tunnel dienen sowohl als Tagesschlafplätze als auch als Winterquartier. Es gibt Befürchtungen von Fledermausexperten, dass die Nutzung der Trasse als Radweg hier Störungen mit negativen Auswirkungen auf die streng geschützten Tiere haben kann.

Schon frühzeitig war diese Problematik bei den Planungen bekannt. Aber es gibt für die Erstellung des Radwegs gewichtige Argumente gerade auch aus ökologischer Sicht: Mit der durchgehenden Radverbindung und der Anbindung an das überörtliche Bahntrassennetz wird in Wuppertal eine deutliche Veränderung des Verkehrsverhaltens eingeleitet. Erstmals wird der Radverkehr auch in unserer Stadt einen deutlich messbaren Anteil am Gesamtverkehr einnehmen. Für den Freizeitverkehr, aber insbesondere für den Alltagsverkehr ist eine permanente Nutzbarkeit wichtig. Eine nachhaltige Veränderung des Verkehrsverhaltens wird sich nur ergeben, wenn die neuen Wege dauerhaft zur Verfügung stehen. Sonst können die möglichen Klimaschutzeffekte nicht realisiert werden und der Beitrag zu Klima- und Artenschutz ist nicht zu realisieren. Schließlich geht nach unserer Einschätzung die größte Gefährdung von Arten von der allgemeinen Beeinträchtigung der Lebensbedingungen durch globale Veränderungen aus.

Von der Wuppertalbewegung wurde die Artenschutzdiskussion daher eher als lästige Behinderung eines Projekts mit sehr hohem ökologischen Nutzen empfunden. Hier hätte eine aktivere Einbindung sicher für störungsfreiere Zusammenarbeit gesorgt. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten im Umgang schien es dann aber doch ein gemeinsames Interesse von Wuppertalbewegung und BUND an einer sachgerechten Lösung zu geben. Es wurde vereinbart, dass der BUND an der Lösung der Probleme zum Artenschutz mitarbeitet. Über längere Zeit herrschte dann auch Ruhe im Rahmen der Auseinandersetzung.

Tatsächlich hat es aber kaum konstruktive Zusammenarbeit gegeben. Wir vermögen nicht zu beurteilen, woran dies gelegen hat, die Auswirkungen sind aber fatal. Die vom BUND-Vorsitzenden Jörg Liesendahl geäußerte Position lief immer stärker auf eine Verhinderungsstrategie hinaus. Dies gipfelte in den letzten Tagen in der Drohung, das Projekt durch jahrelange Rechtsstreitigkeiten zu blockieren und die EU-Förderung noch einmal in Frage zu stellen. Es wird deutlich, dass die früher geäußerte Einstellung, prinzipiell ebenfalls die Trasse zu befürworten, offensichtlich nicht mehr Grundlage des Handelns ist.

Der ADFC Wuppertal ist über diese Entwicklung enttäuscht und entsetzt. Wir verstehen uns als Teil der Umweltbewegung und haben in der Vergangenheit, zuletzt noch bei den Wahlprüfsteinen zur Komunalwahl, eine übergreifende Zusammenarbeit der Umweltverbände erlebt. Für uns wird aber mit der jetzt eingeschlagenen Handlungsweise der Boden für gemeinsame Zielsetzungen nicht nur verlassen, sondern den Zielen schwerer Schaden zugefügt. Dabei können wir die Frustration, die bei fragwürdigen Entscheidungen in unserer Stadt wie der Bebauung auf Scharpenacken entstanden sind, durchaus verstehen. Denn es ist frustrierend, wenn berechtigte Belange des Artenschutzes als zweitrangig abgetan und wirtschaftliche Interessen untergeordnet werden, obwohl es durchaus Alternativen gibt. Trotzdem rechtfertigt diese Frustration nicht, jetzt an einem ökologisch sinnvollen und von der Bevölkerung der Stadt in ungewöhnlicher Einmütigkeit getragenen Projekt genussvoll den Zerstörer zu spielen. So diskreditiert man vielmehr den Rückhalt der Umweltbewegung in der Bevölkerung.

Aus unserer Sicht ist es höchste Zeit, statt einer destruktiven Haltung endlich nach Wegen zu suchen,wie Mensch und Tier in friedlicher Koexistenz auf der Trasse leben können. Dabei besteht schließlich auch bei den Befürwortern der Nutzung die Bereitschaft, viel für die faszinierenden Flugsäuger zu tun. Diese Bereitschaft gilt es zu nutzen.

Die Trasse für Rad- und Draisinenverkehr
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