Nordbahn: Die Realisierung

Vom Traum zur Trasse

Die Realisierung des Projekts hat sich ein Verein zur Aufgabe gemacht. Die WuppertalBewegung will durch wegweisende Projekte dem Trend zu Abwanderung und Bevölkerungsschwund umkehren. Mit diesem ersten Projekt wurde gleich ein extremes Vorhaben gewählt.

Der Bedarf für die Umbaumaßnahmen wurde von vornherein auf mindestens 15.000.000 € geschätzt. Wer einmal mit Baumaßnahmen zu tun hatte weiß, dass die Endabrechnung meist nicht dem anvisierten Preis entspricht, aber selten unter diesem liegt. Trotzdem ließ sich der Verein nicht von dieser unvorstellbaren Summe entmutigen. Anfang 2006 wurde die Idee geboren und der Verein gegründet. Im Verlauf dieses Jahres gab es einige öffentlichkeitswirksame Mitmach-Aktionen zum Sichern von Viadukten und Brücken, aber vor allem zum Erhöhen des Bekanntheitsgrads des Vorhabens. Der Erfolg war überwältigend. Tausende kamen zu Arbeitseinsätzen oder Begehungen, ein durchweg positives Medienecho mit breiter Berichterstattung und eine geschickte Werbestrategie machten das Projekt zum Vorzeigeprojekt. Natürlich war auch die Politik gut beraten, sich diesem Trend in der Stadt anzuschließen, und so wuchs die Überzeugung, tatsächlich eine Realisierung für möglich zu halten.

Das Interesse der WuppertalerInnen ist riesig. Bei Begehungen nahmen bis zu 1200 Menschen teil.
Trassenwanderung  Foto: Klaus Lang
Der Schee-Tunnel stellt die Verbindung nach Norden dar. Das Durchqueren ist eine nasse Angelegenheit. Inzwischen ist es aufgrund der ungeklärten Naturschutzsituation auch untersagt.
Tunnelwaten im Scheetunnel  Foto: Klaus Lang

Da die Stadt in ihrer katastrophalen Finanzsituation keine Gelder aufwenden kann für gesetzlich nicht vorgeschriebene Aufgaben, musste nach anderen Finanzierungswegen gesucht werden. Dabei wurde ein Förderprogramm der Europäischen Union ("Ziel2") ausgesucht, das in seinen Förderbedingungen passend schien. Das Problem: ein Eigenanteil ist für solche geförderten Programme immer zu erbringen, hier liegt er bei etwa 3.500.000 €. Wie oben beschrieben, kann die Stadt kein Geld für entsprechende Investitionen ausgeben. Das Geld aufzubringen, gelang der WuppertalBewegung aber Anfang 2007 innerhalb von nur etwa 5 Monaten. Intensive Sponsorensuche und auch Beteiligungszusagen von Privatpersonen machten diesen Erfolg möglich. Die größte Einzelspende kam von der Jackstädt-Stiftung und betrug allein 1.000.000 €. Der Weg wird daher auch den Namen "Jackstädt-Weg" tragen. Aber auch andere Firmen beteiligten sich in großem Umfang. Ebenso kamen aber auch große Summen durch Spenden von Wuppertaler Bürgern in Höhe von 200 - einige tausend Euro zusammen.

Aufgrund der erfolgreichen Spendensammlung konnten die notwendigen Anträge gestellt werden. Bei den beantragten EU-Förderprogrammen wurden inzwischen auch grundsätzliche Förderzusagen erteilt. So befindet sich das Projekt nun in der Vorbereitung der Realisierungsphase. Der Grunderwerb ist nach langwierigen Verhandlungen mit der Bahn erfolgt. Baubeginn soll auf jeden Fall noch noch in diesem Jahr sein.

Für ein solches aufwändiges Projekt ist die bisherige Geschwindigkeit höchst ungewöhnlich. Trotzdem bleibt manchmal das Gefühl, es gehe nicht vorwärts. Man muss aber bedenken, dass gerade auch auf Grund der rechtlich komplizierten Konstruktion mit Beteiligung von Verein und Stadt und bei der Förderung durch Land und EU viele komplizierte rechtliche Fragen geklärt und Vorschriften beachtet werden müssen.

Draisinenfahrten waren der grosse Renner bei den Trassenfesten. Allerdings wird es nach dem Umbau keine Schienen mehr geben. Die Unfallgefahr für Fahrräder und Inliner wäre zu groß, und nebeneinander reicht der Platz nicht aus.
In gemeinsamer Arbeit wurden die Viadukte von Bäumen, Sträuchern und sonstigem Bewuchs inclusive des Bauwerksgefährdenden Wurzelwerks befreit. Eine Fahrt auf der Transportdraisine des THW hatten sich viele Kinder als Belohnung verdient.

Die Nordbahntrasse ist aus unserer Einschätzung eins der größten Umweltschutzprojekte in Deutschland in den letzten Jahren. Durch ihre Nutzung werden Tausende Autofahrten eingespart, es wird eine deutliche Reduzierung von Schadstoffemissionen geben. Wir gehen sogar davon aus, dass das zukünftige Nutzungskonzept von viel mehr Menschen angenommen wird, als dies bei einer Reaktivierung als Bahnstrecke der Fall gewesen wäre. Sie wird daher eine deutliche Verbesserung der Umweltsituation bringen. Trotzdem gibt es ein Problem bei der Realisierung auch aus Naturschutzgründen. Hat sich doch in Teilen der Strecke, vor allem im Bereich des Tunnels Schee, eine Fauna mit verschiedenen Rote-Liste Arten, insbesondere einer erheblichen Fledermauspopulation,  entwickelt. Diese könnte durch den Bau des Radwegs evtl. gefährdet werden. Hier gab es anfangs keine Basis der Verständigung zwischen Trassenbefürwortern und Naturschutzverbänden. Diese erwarteten eine Berücksichtigung des Naturschutzes, der sonst allzu häufig anderen Aspekten nachgeordnet wird, bis hin zum Verzicht auf die Nutzung einzelner Abschnitte oder Tunnel. Die Wuppertalbewegung, unterstützt von einer breiten Medienkampagne, konnte diese Haltung nicht nachvollziehen. In dem Bewußtsein des ökologischen und sozialen Aspektes der Planung war für Eingriffe in die Planungen, die das Projekt insgesamt gefährden, kein Verständnis vorhanden.

Eine Lösung schien dann jedoch durch intensivere Kontakte und dem Versuch beider Seiten, aufeinander zuzugehen, in greifbare Nähe zu rücken. Eine Einbeziehung der Umweltverbände wurde vereinbart. Trotzdem ist jetzt rund zwei Jahre später keine gemeinsame tragfähige Linie gefunden worden. Inzwischen bleibt das Gefühl übrig, dass auch der BUND nicht wirklich an einer Kompromisslinie interessiert ist. So bleibt immer noch ein Funken Unsicherheit zur Realisierung.                          

© 2019 ADFC ADFC Wuppertal/Solingen