Die Niederbergbahn (Aprath- Wülfrath- Velbert- Heiligenhaus- Kettwig)

Der Bahnhof Isenbügel nahe dem Eulenbachviadukt. Zugegebenermaßen kann man an diesem Bahnhof nicht auf den ersten Blick erkennen, dass es sich hier einmal um eine florierende Bahnstrecke am Rand der größten europäischen Industrieregion handelte
Die ersten Anlieger haben sich auf den Boom an der Trasse vorbereitet. Dies ist die Rückseite einer Auto- Waschstraße im alten Bahnhof Heiligenhaus
Der erste Blick auf die sogenannte Saubrücke ist erschreckend
Die Sicherung ist bei dem 40 Meter hohen Viadukt mit tollen Ausblicken aber erforderlich

aktualisiert September 2011

Zwischen Wupper und Ruhr gab es vom 19. bis zum 20. Jahrhundert diverse Schienenstrecken. Sie hatten eine wichtige Funktion nicht nur im Personentransport, sondern auch für den Warenverkehr. Die Bahn lieferte Rohstoffe und Energieträger an und transportierte die erzeugten Waren ab. Da die Leistungsfähigkeit des Straßenverkehrs gerade bei Massenprodukten gering war, bemühten sich alle Städte und Gemeinden um einen Schienenanschluss.

1885 konnte Wülfrath den Bau einer Stichstrecke von der Kaiser-Wilhelm-Bahn (heutige S 9 Wuppertal-Essen) erreichen, die in Aprath abzweigte. Diese wurde 1886 fertiggestellt. Fünf Jahre später wurde die Strecke nach Velbert fortgesetzt. Wie wichtig ein Bahnabschluss damals war, kann man auch und gerade an einem nicht gebauten Abschnitt sehen: die Fortsetzung nach Heiligenhaus wurde nämlich von Velbert unter anderem dadurch hintertrieben, dass man die möglichen Trassen zubaute, um einen lästigen Konkurrenten klein zu halten. Allerdings wuchs mit der Zeit der Druck auch der Velberter Industrie, da Betriebe in den westlichen Stadtteilen ebenfalls von der Schienenanbindung abgeschnitten blieben und außerdem die wirtschaftlichen Verbindungen ins aufstrebende Ruhrgebiet immer wichtiger wurden. Dieser Entwicklung stand die zur Wupper ausgerichtete Anbindung entgegen. So wurde dann kurz vor dem 1. Weltkrieg mit den Umsetzungen der seit 1910 begonnenen Planungen zur Fortsetzung der Bahn in Richtung Ruhr mit einem Abstieg über Heiligenhaus und durch's Rinderbachtal begonnen, fertiggestellt wurde die Strecke unter anderem durch weitere Velberter Störmanöver erst 1926.

In der Zeit bis nach dem 2. Weltkrieg nahm die Strecke eine enorme Entwicklung auf. Sowohl Güter- als auch Personenverkehr schwollen stark an. Die Deutsche Bahn sorgte dann aber selbst für den Beginn des Niedergangs. In den 50-er Jahren wurde der Zugverkehr reduziert und gleichzeitig ein paralleler Busverkehr eingerichtet. So ließ zunächst die Personenverkehr nach, während im Güterverkehr noch enorme Umsätze anfielen. Bereits 1960 wurde dann der Personenverkehr ganz eingestellt. Mit dem Abbinden verschiedener Gleisabschnitte verblieb nach einiger Zeit nur noch die Strecke durch das Angerbachtal für den überregionalen Anschluss übrig. Mit der bekannten Politik zum Güterverkehr schaffte die Bahn es aber auch hier, mit der Zeit die Inanspruchnahme so weit zu reduzieren, dass auch die Versorgung der erfolgreichen Industriestadt Velbert ab 1994 ganz ohne Schienenanschluss auskam.

In den letzten Jahren war immer wieder mal von der Reaktivierung der Strecke unter dem Stichwort "Circle-Line" die Rede. Da allerdings eine Finanzierung noch völlig in den Sternen steht und zur Zeit weder die Gelder für den Erhalt bestehender Infrastruktur noch für zum Teil wichtige Neubauten zur Verfügung stehen, ist eine solche Reaktivierung in den nächsten Jahrzehnten unwahrscheinlich.

Diese Karte wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Planungsbüro Davids/Terfrüchte & Partner

Die Nutzung nach dem Ende des Schienenverkehrs

Der 1980 gebaute Radweg im Bereich Kettwig- Heiligenhaus weist noch nicht den Standard auf, der an den neuen Abschitten selbstverständlich ist. Aber sein Bau war eine Idee zu einer Zeit, als die Umwandlung noch keineswegs üblich war. Noch in diesem Jahr wird auch dieser Teil des Weges auf den neuen Standard ausgebaut werden.
Das Viadukt über das Rinderbachtal wurde 2008 und 2010 in zwei Teilen saniert und erspart jetzt einen Ab- und Wiederaufstieg ins Tal.
2009 wurde die erste Waggonbrücke in Deutschland errichtet. Sicher eine nette Idee, aber auch nicht billiger als andere Brückenkonstruktionen
Noch kurz vor der Eröffnung wurde die Brücke an der Friedrichstraße in Velbert saniert. Am 13.4. wurde der eiserne Teil des Viadukts ausgehoben und zur Überarbeitung abgefahren. Foto: Benjamin Müller
Aber auch diese Brücke wurde rechtzeitig fertig

War die Stadt Heiligenhaus die letzte, die an das Bahnnetz angeschlossen wurde, wurde sie mit der Stilllegung der Abschnitts von Heiligenhaus nach Essen auch als erste teilweise wieder abgekoppelt. Wir wissen nicht ob die Erinnerung um den langen Kampf für diese Bahnstrecke ausschlaggebend war, aber auf jeden Fall hatten die Heiligenhauser schon 1980 die damals noch wenig verbreitete Idee, die Infrastruktur zu erhalten und auf der alten Bahntrasse einen Rad- und Fußweg einzurichten. Allerdings blieb die Strecke damals noch in geringer Bedeutung stecken, weil unter anderem die beiden großen Viadukte nicht mit ausgebaut wurden. So konnte die Strecke die Vorteile des steigungsarmen Höhengewinns für Radfahrer nur bruchstückhaft gewährleisten.

In den Folgejahren passierte nicht mehr viel. Erst durch das Alleenradweg-Programm der letzten Landesregierung, gepaart mit dem Wissen um die Gefahr der Unterbrechung der Strecke ohne Realisierung der Circle-Line, gab es einen neuen Schub. Zur dauerhaften Trassensicherung wurde nun beschlossen, auf ihr zunächst einen durchgehenden Rad- und Fußweg einzurichten. Spätere Reaktivierung als Bahnstrecke nicht ausgeschlossen.

Das Büro Terfrüchte wurde mit den Planungen beauftragt und stellte eine ansprechende Planung vor. 2008 wurde das Rinderbachviadukt aufgearbeitet und an den alten Radweg angeschlossen. Seit 2009 liefen auch die ersten Baumaßnahmen im Bereich Velbert-Heiligenhaus. Überregional bekannt wurde die aus einem ehemaligen Güterwaggon erbaute Brücke über eine Straße. 2010 starteten aber auch die Baumaßnahmen zur Fortsetzung Richtung Wülfrath. Bis Juli 2011 wurde intensiv an der Strecke gearbeitet und inzwischen der überwiegende Teil der Strecke fertiggestellt. Sind die ursprünglich geplanten Termine nach dem harten Winter auch nicht exakt eingehalten worden, ist der Abschluss der Baumaßnahmen doch absehbar. Am 16.7. wird die Trasse eröffnet. Dann ist sie von Velbert bis Heiligenhaus sowie auf dem Seitenast bis zum Angerbachtal durchgängig asphaltiert.Der Abschnitt von Heiligenhaus bis ins Ruhrtal kurz vor Essen Kettwig ist zur Zeit noch auf wassergebundener Decke befahrbar, nur der letzte Abschnitt über das Viadukt nahe Kettwig ist noch nicht befahrbar.

Am Nordende der Trasse sind es nur wenige Kilometer bis zum Anschluss an Nordbahn- und Korkenziehertrasse. Es gibt eine auf Vorschlag des ADFC Wuppertal ausgeschilderte Verbindungsstrecke zur Solinger Korkenzieherbahn. Durch's Düsseltal und über Schöller führt eine landschaftlich schöne und überwiegend autofreie Verbindung mit akzeptabelen Höhenunterschieden. Auch für die Verbindung zur Nordbahntrasse gab es eine Einigung zur Streckenführung. Die Realisierung wird aber noch auf sich warten lassen, da die Nordbahntrasse in diesem Abschnitt noch längst nicht ausgebaut ist.

interessante Links

Panoramaradweg Niederbergbahn
Wikipedia
Seiten der Stadt Heiligenhaus
Bahntrassenradeln.de zur Niederbergbahn

Film zur Niederbergbahn von Helmut Hinterthür

Seite 1: Radweg Niederbergbahn

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