Kräwinkel-Radevormwald-Halver

Foto: Dorothee Gottschalk

aktualisiert April 2011

Zwischen Wuppertalsperre und Radevormwald ist die alte Bahntrasse der Wuppertalbahn als Radweg ausgebaut worden. Ein landschaftlich schöner Abschnitt einer Bahntrasse mit dramatischer Vergangenheit.

Die Strecke gehört nicht zu den Trassen der Bergischen Panoramaradwege. Sie ermöglicht aber verschiedene Rundkurse, zum Beispiel in Verbindung mit dem Wasserquintett-Radweg oder der Bahntrasse zwischen Breckerfeld und Hagen-Haspe. Sie erschließt aber auch den landschaftlich sehr reizvollen Raum zwischen Radevormwald, Halver, Ennepetalsperre und Bevertalsperre, ein sehr lohnendes Ziel für eine Erkundung per Rad.

Geschichte

Als Wuppertalbahn bezeichnet wird heute ein Eisenbahnnetz zwischen den Großstädten Wuppertal und Remscheid sowie dem Sauerland. Ausgebaut und etappenweise in Betrieb genommen wurde dieses Netz überwiegend in den 80'er Jahren des 19. Jahrhunderts. Gestartet von (Remscheid)- Lennep hinab ins Tal der Wupper, von dort fortgesetzt nach (Wuppertal)-Oberbarmen und in Gegenrichtung nach Radevormwald, wurde es durch eine Erweiterung 1910 dann auch nach Halver und von dort in zwei Richtungen bis Oberbrügge und Wipperfürth verlängert.

In den Zeiten fehlender Massentransportmittel band die Strecke die Industriebetriebe im Tal der Wupper und den Bergischen Kleinstädten an die Rohstoffmärkte an und ermöglichte den Versand der Fertigprodukte. Auch der Personenverkehr lief über die Schiene schneller als über Straßen.

Heute endet der Radweg an der Wuppertalsperre, die Fortsetzung des alten Schienenwegs ist in den Fluten versunken. Foto: Dorothee Gottschalk

Aber auch diese Bahnstrecke erlebte den gleichen Niedergang wie die meisten kleineren Nebenbahnen. Spätestens nach dem 2. Weltkrieg gab es eine wachsende Konkurrenz der Straßen, und da es keine innovativen Ideen für den Schienenverkehr gab, wurde die Strecke unwirtschaftlich und zwischen 1956 und 1999 in vielen Etappe stillgelegt. Schienen gibt es noch zwischen Wuppertal Oberbarmen und Wilhelmstal sowie zwischen Halver und Oberbrügge. Der Abschnitt Beyenburg- Wilhelmsthal wird vom Verein Wupperschiene in Schuss gehalten, geplant ist ein Museumsbahnbetrieb, und schon heute gibt es die Möglichkeit von Draisinenfahrten (weitere Infos unter www.wuppertrail.de).

Traurige Berühmtheit erlangte die Strecke aber durch ein Ereignis, das nicht auf dem heute als Radweg ausgebauten Abschnitt, sondern im Tal der Wupper bei Dahlerau passierte.

Das Zugunglück von Dahlerau

Am 27. Mai 1971 ereignete sich das schwerste Zugunglück in der Geschichte der Deutschen Bundesbahn und stürzte nicht nur Radevormwald in tiefe Trauer.

Abends gegen 21:00 kehrten zwei Klassen der Radevormwalder Geschwister-Scholl-Schule im Schienenbus von einer Klassenfahrt nach Bremen zurück. Der Sonderzug hatte eine halbe Stunde Verspätung und musste daher an anderen Stellen Gegenverkehr ausweichen als fahrplanmäßig vorgesehen. Durch ein Missverständnis im Bahnhof Dahlerau fuhr ein Güterzug in Gegenrichtung ab, als der Schienenbus aus Beyenburg bereits auf der Strecke war. Die damalige Signaltechnik ermöglichte nicht mehr, die Züge auf der Strecke zu stoppen. Der Fahrdienstleiter erkannte das Verhängnis und versuchte noch dem ausfahrenden Zug hinterher zu laufen, konnte ihn aber nicht mehr stoppen. So blieb ihm nur noch übrig, die Rettungskräfte noch vor dem tatsächlichen Zusammenprall zu alarmieren.

Der Kollisionspunkt lag in einer Kurve, so dass die Züge ungebremst ineinander rasten. Der vordere Waggon des Schienenbusses wurde auf ein Drittel seiner ursprünglichen Länge zusammegepresst. Für 41 SchülerInnen, zwei Lehrer, zwei Bahnbeamte und eine begleitende Mutter kam jede Hilfe zu spät. 25 Menschen überlebten den Unfall meist schwer verletzt, nur ein Passagier blieb körperlich unversehrt.

Radevormwald stand unter kollektivem Entsetzen. An der Trauerfeier nahmen über 10.000 Menschen teil, unter ihnen Bundeskanzler Willy Brandt und andere hochrangige Politiker. Die Ursache für das Unglück konnte nie abschließend aufgeklärt werden, da der Fahrdienstleiter kurz nach dem Unglück bei einem nicht selbst verschuldeten Autounfall ums Leben kam.

Nach dem Unglück wurden die Sicherheitsbestimmungen für eingleisige Strecken deutlich verschärft und die Einführung des Zugfunks beschleunigt. Ein vergleichbares Unglück gab es zum Glück nie wieder.

Rade-Kräwinkel auf der ehemaligen Wuppertalbahn

Die Fahrradstrecke heute

Mit dem Bau der Wuppertalsperre versank ein Teil der Trasse der Wuppertalbahn in den Fluten. Der Abschnitt von Kräwinkel bis Radevormwald wurde schon wenige Jahre nach der Stilllegung zu einem der ersten Bahntrassenradwege umgebaut. Sie ist damit einer der ältesten Bahntrassenradwege der Region. Die Strecke windet sich über knapp 5 km vom Ostufer der Talsperre bis hinauf ins Stadtgebiet von Radevormwald. Sie ist durchgehend asphaltiert und bietet einen komfortablen Zugang zu den Höhen des Bergischen Landes.

Link:
bahntrassenradeln.de

Anschlag- Halver

Das kurze Stück von Anschlag nach Halver ist empfehlenswert. Es verkürzt die Strecke deutlich, vermeidet Höhenunterschiede und ist landschaftlich attraktiv
Das große Bahnhofsbebäude in Halver beherbergt heute ein Kulturzentrum

Die Fortsetzung der Strecke östlich von Radevormwald bis Anschlag ist weitgehend zugewachsen und an manchen Stellen schon nicht mehr zu erkennen. Von Anschlag bis Halver ist die Strecke aber schon vor Jahren zu einem Fuß-und Radweg ausgebaut worden. Knapp drei Kilometer führen auf wassergebundener Decke durch eine besonders abwechslungsreiche Landschaft. Die Strecke liegt zu großen Teilen erhöht über dem Geländeprofil auf einem Damm und erspart dem Radler eine Menge Höhenmeter in der welligen Landschaft.

Würde der Abschnitt zwischen Radevormwald und Anschlag ebenfalls ausgebaut, ergäben sich neue attraktive Runden. Schließlich ist die Distanz zur Wasserquintett-Route nicht allzuweit (es gab auch einmal eine Schienenverbindung von Anschlag nach Wipperfürth). Zusätzlich gäbe es in Verbindung mit der Kleinbahntrasse Hagen- Breckerfeld eine Fortsetzung bis ins Westfälische.

Link:
bahntrassenradeln.de

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