Entsetzlich tödlich

03.12.15
Kategorie: Aktuelles, Wuppertal/Solingen

Eine schockierende Unfallserie im Bergischen Land kostet sechs Menschen das Leben

Wohl noch nie haben sich im Bergischen Land so viele tödliche Unfälle ereignet wie in den vergangenen Tagen. Auf den Straßen der Städte Wuppertal, Solingen, Mettmann, Remscheid und Wermelskirchen starben innerhalb einer Woche bei verschiedenen Verkehrsunfällen sechs Menschen.

Alle Opfer waren zu Fuß unterwegs. Und nach unserer Kenntnis starben alle durch die Folgen eines Zusammenstoßes mit Kraftfahrzeugen. Eine intensive Ursachenforschung für diese traurige Serie können wir jedenfalls nicht erkennen. Ohne jetzt die genauen Hintergründe zu kennen, fällt im Presseecho und in den dieser zugrunde liegenden polizeilichen Meldungen eines auf: Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass die Fußgänger dunkel gekleidet gewesen seien.

Eine solche Fokussierung der Berichterstattung empfinden wir als Zumutung. Es kann nicht sein, dass zumindest gefühlt die Verantwortung für die Folgen von Unfällen den Opfern zugeschoben wird. Die tödliche Gefahr geht jedenfalls nicht vom Fußgänger aus, er ist ihr nur ausgesetzt. Gedanken zur Vermeidung solch katastrophaler Ereignisse müssen daher auch bei den Verursachern der Gefahr ansetzen. Es ist nicht damit getan, den Opfern zukünftig eine Signalfarbe zu verpassen. In den Ballungsräumen müssen Fahrzeugverkehr vermieden und die bestehenden Verkehre verlangsamt werden.

Die Verkehrspolitik der vergangenen Jahre ist fast ausschließlich auf die Interessen der AutonutzerInnen abgestellt. Einige, sicher in keiner Weise vollständige Beispiele:

  • Leitete eine Fußgängerampel früher auf Anforderung schnell eine Grünphase für die wartenden Menschen ein, sind die meisten Druckampeln heute nur noch so programmiert, das Fußgänger-Grün im regulären Umlauf wenigstens nicht komplett eingespart wird.
  • Kreisverkehre verkürzen Wartezeiten für KFZ, verlängern aber die Fußwege deutlich. Und ohne Zebrastreifen ist die Querung schwierig und unübersichtlich
  • Es gibt immer mehr PKW und die einzelnen Autos werden immer größer. Selbstverständlich wird erwartet, dass man die Flut an Fahrzeugen kostenlos am Straßenrand vor der eigenen Haustür abstellen kann. Da der Platz in den Straßen insbesondere in den Städten immer knapper wird, okkupieren die Autos die Fußwege. Illegales Bordsteinparken ist zur Selbstverständlichkeit geworden die noch nicht einmal von der Überwachung des ruhenden Verkehrs geahndet wird. Von Fußgängern wird selbstverständlich erwartet, dass sie sich klaglos einzeln hintereinander "im Gänsemarsch" einen Pfad zwischen Autos und Hauswänden suchen, solange sie gerade noch hindurchpassen. Und Kinder haben hier schon gar nichts zu suchen, sie können ja auf Spielplätze gehen. Schlecht allerdings, wenn sie auf der Strecke dorthin eine Straße kreuzen müssen. Denn die PKW-Parker kennen auch keine Mindestabstände zu Einfahrten und Kreuzungen mehr. Das Queren wird so zum Abenteuer.
  • Selbst innerstädtisch gibt es beampelte Kreuzungen, an denen nur drei der vier Fahrbahnen mit einer Fußgängerampel ausgestattet sind. Für Fußgänger bedeutet dies, mehrere Grünphasen abzuwarten. Bis dann zu Fuß die andere Straßenseite erreicht ist, sitzt der Fahrzeugführer schon im übernächsten Cafe.
  • Es gibt in unserer Stadt eine große Zahl an Treppenanlagen, die kurze Fußwege herstellen. Viele sind in baufälligem Zustand, und einige sind inzwischen langfristig gesperrt. Das kappt kurze Wegeverbindung für zu Fuß gehende Menschen.
  • Insbesondere die in den 70er Jahren angelegte Fahrradinfrastruktur bestand überwiegend in einer Neuaufteilung der Bürgersteige. Diese sollten nun auch der Aufnahme des Radverkehrs dienen. Natürlich geht eine solche Umverteilung des Verkehrsraume ebenfalls zu Lasten der Fußgänger.

Da kann es nicht wundern, dass auch in Wuppertal der Anteil der Fußgängerinnen permanent zurückgeht. Glücklicherweise hat die Veränderung noch nicht dazu geführt, dass die oben zitierten Schreckensmeldungen nun dauerhaft zur Regel werden. Zum Nachdenken sollten sie aber trotzdem anregen. Und nach dem Denken müssen praktische Schritte zur Umkehr in der Verkehrspolitik folgen.


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