Ein Drahtesel ist kein Goldesel!

20.07.11
Kategorie: Aktuelles, Verkehr, Wuppertal/Solingen


VRR will Radfahrer abzocken

In unschöner Regelmäßigkeit werden bekanntlich im öffentlichen Nahverkehr die Preise erhöht. Nun hat der VRR die nächste Preisrunde für den 1.1.2012 beschlossen. Die Erhöhung um durchschnittlich 3,9 % liegt dabei wie in den letzten Jahren weit über der Inflationsrate. Eine besondere Dreistigkeit stellt aus unserer Sicht allerdings die beabsichtigte Preiserhöhung für die Fahrradmitnahme dar. Nachdem der Preis für das Zusatzticket schon 2010 um 8,3 % von 2,40 auf 2,60 € angehoben worden war (sonst lag die Erhöhung damals auch bei 3,9 %), wird diesmal in nie zuvor dagewesener Art zugeschlagen: Diesmal soll das Zusatzticket für die Fahrradmitnahme gleich um 34,6 % auf 3,50 € angehoben werden. Das teilt jedenfalls der VRR in seiner Pressemitteilung nebenbei mit. Damit ist dann der Preis für die Mitnahme eines Fahrrads innerhalb von 13 Monaten um fast 46 % gestiegen!

Noch ein Vergleich zur Verdeutlichung: Im Jahr 2001, also vor der Einführung des Euro, kostete ein Zusatzticket 3,20 DM. Der Preis 2012 liegt fast 10% darüber- in Euro! Obwohl die Preiserhöhungen in den letzten Jahren immer weit über dem Preisindex lagen, gab es eine solche Steigerung für kein anderes Ticket.

Ein Fahrradausflug mit einer 5-köpfigen Familie zum Beispiel von Wuppertal-Vohwinkel nach Erkrath, Rückfahrt mit der Bahn, ist dann mit einem Tagesticket für 18,70 und noch einmal für die Räder 17,50 € ein kaum noch bezahlbares Vergnügen. Die Gesamtkosten liegen dann bei 36,20 Euro für eine S-Bahn Fahrt über 12 km.

Die Integration der verschiedenen Verkehrsmittel des Umweltverbundes ist der verkehrspolitisch richtige und daher notwendige Weg. Der VRR ist schon vor vielen Jahren mit der Integration der Fahrradmitnahme in die Monatstickets einen richtigen Schritt gegangen. Vor wenigen Tagen hatten wir noch die Verbesserung der Beförderungsbedingungen bei der Fahrradmitnahme im morgendlichen Berufsverkehr gelobt. Nun entsteht allerdings der Eindruck, dass Radfahrer eigentlich gar nicht erwünscht sind. Wir fordern einen Verzicht deren einseitigen Belastung.

Gleichzeitig sind die Bedingungen für die Fahrradmitnahme zu verbessern. So sollten in den Mehrzweckabteilen nicht mehr an allen Seiten Klappsitze angebracht werden, die häufig von Fahrgästen ohne Räder, Kinderwagen oder Lasten belegt sind. Immer wieder gibt es Konflikte, wenn Radfahrer zusteigen und die Räder sicher abstellen wollen. Dabei  sind inzwischen in fast jedem Zug Fahrgäste mit Rädern (übrigens überwiegend treue ÖPNV-Kunden) anzutreffen. Diese Entwicklung muss nicht gebremst, sondern gefördert werden.

Das Kostenargument der Fahrradmitnahme greift im Übrigen auch zu kurz. Natürlich benötigt ein Passagier mit Rad mehr Platz als ein anderer Fahrgast. Aber er nimmt bei gleichem Preis für die Entfernung von Stadt zu Stadt auch weniger Verkehrsmittel in Anspruch. Während andere Fahrgäste im Start- und Zielort meist noch noch lokale Bussen oder Bahnen nutzen legt der Radfahrer diese Wege mit seinem eigenen Fahrzeug zurück.

Der ADFC Wuppertal weist darauf hin dass insbesondere die Kombination Rad und Bahn eine schnelle und ökologische Transportmöglichkeit darstellt. Diese Fahrgäste sind unabhängig von Anschlüssen und so oft deutlich schneller als bei kompletter Bewältigung der Strecke mit ÖPNV- Verkehrsmitteln. Sie vermeiden Autoverkehr  und Parkdruck an den Bahnhöfen ebenso wie die häufigen Vandalismusschäden an am Bahnhof abgestellten Fahrrädern.

Tipp: Legen Sie am gleichen Tag zumindest zwei Wege mit dem ÖPNV zurück lohnt sich noch mehr als bisher das Fahrradticket im NRW-Tarif. Dieses kostet 4 €, gilt NRW-weit dann aber den ganzen Tag und kann mit allen Tickets im Nahverkehr kombiniert werden.


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