Radeln an der Müritz

(MP) Unser diesjähriges Ferienziel war die Mecklenburgische Seenplatte. Die Anreise erfolgte mit dem PKW zu einer kleinen Ferienhütte auf einem Reiterhof inmitten herrlicher, fast unberührter Natur. Von dort aus ging's mit den Rädern täglich in die wunderschöne Seenlandschaft, die unsere dreizehnjährige Tochter vormittags vom Pferderücken aus erkundete.

Manchmal ging es nur mit schieben weiter!

Rund um die Mecklenburgische Seenplatte gibt es viel, sehr viel Natur und das Radwegenetz befindet sich noch im Aufbau. Dementsprechend möchte ich die meisten Rad- und Radwanderwege als sehr „naturnah“ und „rustikal“ bezeichnen. Das einfache Hollandrad ist da wenig geeignet. Ein gutes Treckingrad mit gefederter Gabel, Sattelstütze und grobstolliger Bereifung sollte es schon mindestens sein. Ein Mountainbike wäre idealer. Natürlich geht's auch mit dem Hollandrad oder mit dem Rennrad auf den asphaltierten Straßen, doch dort bleibt dem Radler die grandiose Natur weitestgehend verborgen.Sehr zu empfehlen sind die Seenrundradwanderwege. Sie verlaufen an vielen Stellen unmittelbar zwischen Wasserlinie und Steilufer durch uralten Auenwald oder abwechselnd mal das Steilufer hinauf und hinunter. Kinder mit Mountainbikes haben hier ihre helle Freude.Vorbei an kleinen Orten mit Promenaden, kleinen Fischerhäfen mit Räuchereien und Gastronomien, über Naturcampingplätze und vorbei an alten Villen und Schlösschen winden sich die Wege sehr abwechslungsreich. Aber, wie schon gesagt, oft sehr naturnah. Doch gerade das macht den Reiz aus.Wer die zum Teil recht großen Seen nicht an einem Tag umrunden will, kann von den kleinen und größeren Orten am See mit einem der zahlreichen Fahrgastschiffe wieder zum Ausgangspunkt zurückfahren. Alle Fahrgastschiffe nehmen Fahrräder problemlos zu moderaten Preisen mit. Einige kleine Barkassen haben sich speziell auf Radfahrer eingestellt und überqueren schnell den größten der Seen, die Müritz.Aber auch abseits der großen Seen sind wunderschöne Tages- oder Halbtagestouren zu den zahlreichen kleineren Seen in Mecklenburg-Vorpommern möglich. Die Seenrundwanderwege sind gut ausgeschildert, und für die Wege im Landesinneren sollte sich der Radler eine Radwanderkarte direkt vor Ort besorgen.Fast alle Seen laden zum Baden in freier Natur ein, was wir im vergangenen Jahrhundertsommer auch gerne in Anspruch genommen haben. Die bei uns allseits so beliebten Schilder, „Baden verboten!“, „Betreten verboten!“ oder „Durchgang verboten“, findet man nur sehr selten. Dafür aber flachen Sandstrand, meist einen Badesteg, Sitz- und Grillplatz, Spielgeräte für Kinder, Volleyballplatz und manchmal auch kleine Gastronomie. Diese öffentlichen Badeplätze sind nicht bewacht, aber gut gepflegt und der Eintritt ist frei.Wer den Radwanderwegen abseits der großen Straßen folgt, muss damit rechnen, dass mancher anfänglich gut befestigte Weg später im mecklenburgischen Sand verläuft. Dann ist Schieben angesagt, bis wieder festerer Untergrund den Weg markiert. Überhaupt ist der Sand allgegenwärtig und kann bei schnellen Abfahrten in der leicht hügeligen Landschaft zu bösen Überraschungen führen. Besonders nach einem Gewitter kann hinter der nächsten Kurve eine Sanddüne auf dem Radweg lauern, die einen Radfahrer ganz schön aus der Bahn werfen kann.Selbstverständlich können Räder auch in den Orten ausgeliehen werden, und mancher Verleiher hat sein Angebot den Radwegen angepasst und seine Räder mit recht dicken und breiten Reifen ausgestattet.Den Tourismus haben wir als noch sehr verhalten erlebt und das Land macht (noch) einen sehr provinziellen Eindruck. Die kleinen Städtchen an den Seen sind sehr schön restauriert, aber nicht mondän. Unsere Reise hat uns irgendwie an alte Filme erinnert. Aber gerade das haben wir als sehr reizvoll empfunden und hat uns diese alte Seenlandschaft lieben gelehrt. Die Menschen sind sehr freundlich und die Preise noch sehr moderat. So war z.B. ein geführter Ausritt in die Natur für 6,- € die Stunde und ein erfrischendes 0,5 Liter Radler für 1,50 € zu haben.

Unser Fazit: Die Mecklenburgische Seenplatte ist nichts für „Kilometerfresser“, vielmehr wird der erholungssuchende, naturbewusste Fahrradfahrer voll auf seine Kosten kommen.

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