Maare - Mosel - Saar

Ein Reisebericht von Maria Stegemann

Vom 9. bis 17. Juni 2018

Hamminkeln - Bitburg (300 m | 0 hm)

Tag 1: Unter Tagesmotto: Das fängt echt gut an

Beim Start in Hamminkeln

Gefühlt kurz nach Mitternacht, also etwa um 8 Uhr morgens treffen sich bei schönem sommerlichen Wetter 24 gut gelaunte Radfahrer mit ihren Stahlrössern an der Schule in Hamminkeln. Schnell sind die Räder im Anhänger des bereitstehenden Bus verstaut, dann sitzen wir auch schon im Bus Richtung Bitburg. Unterwegs erfahren wir erste Details zum heutigen Tag: Wir werden heute nur sehr wenig Fahrrad fahren, dafür erwartet uns gleich zum Anfang eine Hauptattraktion. Und so kommt es: Unser Hotel liegt direkt an der Fußgängerzone, dorthin müssen wir schieben. Nach dem Einchecken gehen wir zu Fuß zur Bitburger Erlebniswelt, dem Museum der Bitburger Brauerei. Ein netter älterer Herr nimmt uns in Empfang und fragt gleich zu Beginn, ob wir eine Biersorte nennen können. Aus dem Hintergrund ertönt eine männliche Stimme: "Stauder". Alle lachen und unser bierkundiger Mitfahrer bekommt den Spitznamen "Stauder". Er wird ihn er für den Rest der Tour nicht mehr loswerden. Während der Führung erfahren wir eine Menge über die hiesige Brauerei: Sie ist ein Familienunternehmen in der 8. Generation, das Brauwasser in dem Tiefbrunnen ist gut 10.000 Jahre alt und schmeckt besonders gut (was man an zwei Wasserhähnen probieren kann) und Bitburger sei überhaupt ein besonders gutes Bier. Das Beste: Mit der Eintrittskarte erhält jeder 5 Getränkecoupons, die er am gleichen Tag in Bier, zur Not auch in alkoholfreie Getränke investieren kann. Nach Meinung des Brauereiführers können 5 Gläser Bier am Tag niemand schaden.... Beim Abendessen im Hotel kündigt Peter das Programm für den nächsten Tag an: Wir werden nur etwa 55 km fahren, aber mit einem kräftigen Anstieg am Anfang und später noch einem kleinen "Huckel". Während seiner Ankündigung geht draußen ein Gewitter mit ohrenbetäubendem Donner und heftigem Wolkenbruch los.

Bitburg – Neroth (55 km | 750 hm)

Tag 2: Unter Tagesmotto: Also echt - das fängt ja gut an... - oder: Was ist eigentlich ein Huckel?

Pause vor Kyllburg

Gestern hat Peter eine relativ kurze Fahrstrecke angekündigt, aber diese 55 km haben es in sich. Zunächst verlassen wir Bitburg auf moderaten Wegen und fahren in den Wald. Unterwegs sehen wir die Spuren des Unwetters der letzten Nacht: Überall abgerissene Zweige und Äste, an einer Stelle müssen unsere kräftigen Herren einen umgestürzten Baum zur Seite zerren, damit wir weiter kommen. Bald beginnt ein mehrere Kilometer langer und steiler Anstieg, bis wir die Höhe über Kyllburg erreichen. Der Lohn für die Plackerei ist eine Verschnauf-/ Picknick-Pause mit schönem Blick auf das Städtchen. Von hier aus geht es steil nach unten, wobei wir viele mühsam erarbeitete Höhenmeter in kürzester Zeit wieder vernichten. Danach folgen wir dem Flüsschen Kyll Richtung Gerolstein, unserem nächsten Ziel. Teilweise fahren wir auf der Landstraße, denn nach dem gestrigen Unwetter müssen wir damit rechnen, dass der Radweg an der Kyll entweder überschwemmt oder durch umgestürzte Bäume unpassierbar ist.

Im Lockschuppen Gerolstein

Bei Gerolstein erwartet uns die nächste Überraschung: Der Besuch des alten Bahnhofs mit Lokschuppen. Am Tor werden wir schon von einem Eisenbahner erwartet. Aber bevor wir das Gelände betreten können, müssen wir uns "verkleiden": Alle bekommen Warnwesten, denn es gibt hier immer noch gelegentlich Bahnverkehr. Nach einer kleinen historischen Einführung sehen wir uns die Gleisanlagen, die Drehscheibe für Loks und die Lokschuppen an. Während ich dort stehe und von unserem Eisenbahner Details zu den Loks und Zügen höre, die hier in Betrieb waren, denke ich an meine früheren Arbeitskollegen zurück. Unter ihnen waren etliche begeisterte Modelleisenbahner. Bei diesem riesigen Männer-Spielplatz hätten sie blanke Augen bekommen. Wir besichtigen nach dem Außengelände den Lokschuppen und entdecken dort neben anderen historischen Zügen auch "Emma" von Jim Knopf und Lukas in einer Ecke. Danach betreten wir einen kleineren Schuppen. Überrascht stehen wir in einem Speisewagen. Hier stehen für uns müde Radfahrer Kaffee und Kuchen bereit, als Stärkung für den nächsten Huckel, der natürlich schon auf uns wartet. Genau genommen werden es sogar 2 Huckel, die vor allem für die Radler ohne Elektro-Unterstützung anstrengend werden. Reichlich geschafft erreichen wir das Städtchen Neroth, wo wir heute in einem schönen Hotel übernachten werden.

Neroth – Lieser (68 km | 580 hm)

Tag 3: Unter Tagesmotto: Ab heut' zählt jeder Kilometer - für das Stadtradeln - oder: eine Panne kommt selten allein

Am Schalkenmehrener Maar

Der Morgen beginnt trüb und verhangen, aber trocken. Zuerst fahren wir nach Daun und besorgen in einem Supermarkt Wasser und Obst. Über uns sehen wir ein beeindruckendes Viadukt - dort ging früher die Bahntrasse nach Köln. Heute verläuft dort der Maare-Mosel-Radweg, also unser Weg zum Moseltal. Am Bahnhof ist der Einstieg auf die Trasse, die uns dann durch schöne Waldgebiete und durch einige Tunnel führt. Die Strecke lässt sich gut fahren, geht aber kontinuierlich leicht bergauf. Vor einem Tunnel stellt unser Schlussmann fest, dass ein Radfahrer sehr wenig Luft im Hinterreifen hat - genauer gesagt: der Reifen ist so gut wie platt. Die beiden machen sich an die Reparatur. Schnell wird klar, dass die Reparatur etwas länger dauern wird. Daher werden die beiden nach der Reparatur direkt zum Zwischenziel fahren, wo wir um 12 Uhr einen Termin haben. Die restliche Gruppe fährt weiter die geplante Strecke. Wir wollen vor unserem Besichtigungstermin ein echtes Eifel-Maar zu besuchen. Doch bevor wir dorthin kommen, haben es einen weiteren Reifenschaden. Erster Reparatur-Versuch: Unsere neue Schlussfrau pumpt den Reifen in der Hoffnung auf, dass wir so bis zum Zwischenziel kommen. Wenig später erreichen wir das sehr schöne kreisrunde Schalkenmerener Maar. An einer besonders schönen Stelle machen wir eine kleine Photopause. Kurz nach der Weiterfahrt ist der gerade aufgepumpte Reifen 2 wieder platt. Nächster Versuch: Den Reifen flicken, was nicht lange hält. Dritter Versuch: Noch einmal flicken. Nun hält der Reifen die Luft und wir hoffen, dass wir es bis zum Zwischenziel schaffen. Beim Losfahren vermisst eine Radlerin eine Tasche: Wurde sie unterwegs verloren oder ist sie beim Photostop stehen geblieben? Um unseren Termin im ca. 2 km entfernten Brockscheid noch schaffen, übernimmt unsere jetzige Schlussfrau die Führung. Peter fährt mit dem Pechvogel zurück und sucht die vermisste Tasche

Glockengießerei in Brockscheid

In Brockscheid wartet eine echte Überraschung auf uns: Hier gibt es eine alte Glockengießerei, in der immer noch große und kleine Kirchenglocken gegossen werden. Der Eigentümer zeigt uns die Hallen und erklärt den komplizierten Prozess um die Entstehung einer Glocke. Die Gießerei fasziniert uns sehr, auch wenn im Moment kein Glockenguss ansteht.

Nach der Mittagspause geht es weiter. Die vermisste Tasche ist wieder da, Reifen 1 ist erfolgreich repariert, bei Reifen 2 haben wir keine Chance. Der Fahrer muss mit einem Taxi zu unserem nächsten Hotel fahren und dort das Rad nach Möglichkeit in eine Werkstatt geben. Wir kehren zurück auf die Bahntrasse. Von hier aus geht es eigentlich nur noch bergab. Unser nächster Stop ist in Wittlich. Dort finden wir einen Fahrradladen, in dem etliche Mitfahrer ihr verbrauchtes/ unvollständiges/ gar nicht vorhandenes Flickzeug ergänzen. Bis hierher hatte das Wetter mitgespielt, jetzt beginnt es leicht zu regnen und auf den letzten 10 km bis Lieser an der Mosel wird der Regen nach und nach immer stärker. Wir sind froh, als unsere Räder beim Hotel im Trockenen stehen.

Lieser – Trier (75 km | 225 hm)

Tag 4: Unter Tagesmotto: Heute mal entspannt...

Stadtrundfahrt mit dem Römer-Express

Die angepeilte Strecke sieht nach einem ordentlichen Tagespensum aus, aber Peter meint, dass wir das locker hinkriegen werden. Die Wetterprognose ist schlecht und Reifen 2 ist nach dem Frühstück immer noch nicht in Ordnung. Eine halbe Stunde später als geplant sind wir endlich in Regensachen draußen und fahrbereit. Zunächst fahren wir ein die Mosel entlang bis zum 5 km entfernten Bernkastel-Kues, dort überqueren wir den Fluss. Auf einen Stadtbummel verzichten wir wegen Regen und fahren gleich weiter, Richtung Trier. Nach etwa einer Stunde können wir die Regenjacken ausziehen, ganz wegpacken werden wir sie aber fürs erste nicht. Wir sind jetzt auf dem Moselradweg, auf dem auch an einem ganz normalen Wochentag bei eher bescheidenem Wetter eine Menge Leute unterwegs sind. Die Landschaft ist idyllisch: Neben uns die Mosel, rund um uns Weinberge und ab und zu kommen wir durch eine hübsche Ortschaft, in der zu Weinproben eingeladen wird. Zur Stärkung gibt es gegen halb 3 eine Kaffeepause in einem Gasthof an der Mosel. Danach sind es nur noch 18 km bis zu unserem Ziel in Trier - wir kommen heute tatsächlich gut voran. Die letzten Kilometer führen durch Gewerbegebiete und mitten durch die Innenstadt, vorbei an der Porta Nigra bis zum Hotel am Rand der Innenstadt. Zum Frisch machen bleibt nur wenig Zeit: Um 19 Uhr soll unser Abendprogramm beginnen. Und dann steht zu unserer Überraschung vor dem Hotel ein Bimmelbähnchen und holt uns zu einer Stadtrundfahrt ab. Unterwegs erklärt ein Tonband in mehreren Sprachen die Attraktionen, an denen wir vorbeifahren. Wer also die deutsche Erklärung nicht verstanden hat, kann das Gleiche danach noch einmal auf Niederländisch und Englisch hören. Nach einer vergnüglichen Stunde endet die Fahrt mitten in der Fußgängerzone. Von jetzt ab sind wir Fußgänger - hungrige Fußgänger. Allerdings ist unser Weg nicht weit und endet im nahe gelegenen Karstadt. Als wir etwas verwundert hinter Peter in das Warenhaus stapfen, führt er uns zur Rolltreppe nach unten und auf eine Zeitreise: Aus der Warenwelt von heute fahren wir direkt in ein altes Kellergewölbe. Hier, im wunderschön historisch gestalteten Restaurant von Karstadt essen wir heute zu Abend.

Trier – Merzig-Besseringen (85 km | 620 hm)

Tag 5: Unter Tagesmotto: Es geht aufwärts

Saarburg

Der Morgen beginnt mit einem reichhaltigen Frühstück und dem Kauf von Wasser für unterwegs. Heute beginnen wir mit dem Ruwer-Radweg, ebenfalls einer ehemaligen Eisenbahntrasse. Der Weg führt moderat, aber stetig bergauf: Erträglich für die Pedelec-Fahrer, anstrengend für die Fahrer ohne Unterstützung. Unsere Gruppe ist halbe-halbe und ich kann den Frust der mit Muskelkraft fahrenden Radler durchaus verstehen, wenn sie auf der Bergaufstrecke locker überholt werden. Nach 20 km verlassen wir den Ruwer-Radweg und die Strecke ändert sich: Sie wird steiler. Schließlich erreichen wir die Hunsrück-Höhenstraße, den höchsten Punkt für heute. Von hier geht es steil bergab bis Saarburg, wo wir eine wohl verdiente Stunde Pause einlegen. Die einen gönnen sich nach den Anstrengungen ein Eis oder einen Kaffee, andere erkunden das schöne Städtchen mit seinem beeindruckenden Wasserfall mitten in der Stadt. Frisch gestärkt fahren wir nach der Pause an der Saar entlang. Die ersten 20 Kilometer sind wenig attraktiv: Das Saartal ist schmal, es ist gerade Platz für den Fluss, den Radweg, eine stark befahrene Straße, eine Bahnstrecke und von Zeit zu Zeit einen Steinbruch. Entsprechend hoch ist der Lärmpegel. Schließlich können wir auf die andere Fluss-Seite wechseln, wo es etwas ruhiger wird. Etwa 8 km vor unserem Tagesziel biegen wir auf einen Waldweg, der uns bergauf führt: Oben steht eine kleine Kapelle mit schönem Blick auf Mettlach und das Saartal. Sie wurde von der Familie Villeroy und Boch zu einem Familienjubiläum gestiftet. Von hier sind es nur noch wenige Kilometer bis Besseringen und dann - was auch sonst - bergwärts zu unserem Hotel am Ende der Straße: Ein schönes Haus, mit Garten und Pool. Abends wird gegrillt.

Besseringen – Saarlouis – Besseringen (61 km | 590 hm)

Tag 6: Unter Tagesmotto: Das dicke Ende liegt in der Mitte

Saarlouis - die heimliche Hauptstadt des Saarlandes

Peter hat uns schon vorgewarnt: Heute müssen wir auf unserem Weg nach Saarlouis zwar nur die Hälfte der gestrigen Höhenmeter bewältigen, aber die werden auf einer verhältnismäßig kurzen Strecke liegen. Der Anfang ist entspannt: Wir fahren an der Saar entlang und biegen nach einigen Kilometern ins Tal des Flüsschens Nied ein. Dort fahren wir durch eine schöne Auenlandschaft, aber teilweise auf ziemlich matschigen Feldwegen. Nach etwa 25 km verlassen wir den Bachlauf. Der Weg zum Hochplateau ist steil, so steil, dass viele absteigen und schieben müssen. Oben erwartet uns eine schöne Wanderlandschaft. Auch hier geht es immer wieder bergauf und bergab, aber ohne heftige Steigungen. Gegen Mittag erreichen wir unser Tagesziel Saarlouis. In der die Innenstadt haben wir eine Stunde Aufenthalt und wie immer nutzen die Leute ihre Freizeit sehr unterschiedlich. Auf der Weiterfahrt zeigt Peter uns dann die süße Seite von Saarlouis: Nach kurzer Fahrt halten wir vor einem unscheinbaren Gebäude, dem Werksverkauf von Trumpf. Jeder darf hinein, sich umsehen und mit Schokolade eindecken. Es gibt da nur ein winziges Problem: Wir haben noch rund 30 km Rückweg vor uns und heute ist es ziemlich warm. Nach dem Einkauf fahren wir zurück, diesmal an der Saar entlang. Auf halber Strecke ist Kaffeepause in einem Bootshaus. Kurz vor Besseringen stellt Peter eine Gewissensfrage: Er hat das heutige Abendessen in einem Brauhaus mit großem Biergarten geplant und genau da kommen wir jetzt vorbei. Wollen wir zuerst zum Hotel fahren, duschen und uns frisch anziehen, dann wieder auf die Räder steigen und die 5 km zurück zum heutigen Restaurant fahren, oder wollen wir sofort - und ein bisschen verschwitzt - essen gehen. Nach einem Blick nach oben fällt die Entscheidung leicht: Dicke drohende Wolken. Wir bleiben im Brauhaus, genießen unser Abendessen im Biergarten und schaffen es tatsächlich, vor dem Regen zurück zum Hotel zu kommen.

Besseringen – Mettlach – Losheim – Besseringen (59 km | 590 hm)

Tag 7: Unter Tagesmotto: es ist noch einmal gut gegangen...

Bei Villeroy und Boch

Morgens müssen wir uns ein wenig beeilen, denn wir haben eine Führung bei Villeroy und Boch in Mettlach gebucht. Nach Mettlach gibt es zwei Strecken, eine 4 und die andere 12 km weit. Peter hat sich netterweise für die 12 km entlang der Saar entschieden, die andere Strecke würde über den hohen und steilen Bergrücken führen, die Saarschleife abschneiden und im Zweifel mehr Zeit benötigen. Bei Villeroy und Boch empfängt uns eine nette Fremdenführerin. Sie zeigt zur Einstimmung einen Film über die Firma. Schon hier lernen wir eine Menge: Als Erstes, dass wir den Namen der Firma falsch aussprechen (man spricht es nicht Villeroi, sondern eher französisch Villerua). Uns als Nicht-Saarländern wird die falsche Aussprache aber großzügig verziehen. Villeroy und Boch ist ein Familienunternehmen in der immerhin schon 8. Generation und stellt neben schönem Tafelgeschirr vor allem Sanitärkeramik her. Wir lernen den Produktionsprozess kennen, sehen uns im Ausstellungsraum die schön gedeckten Tische an und stellen eine Menge Fragen. Nach der Besichtigung ist noch ein wenig Freizeit, um sich die hübsche Kapelle auf dem Firmengelände, die Innenstadt und natürlich auch den Werksverkauf anzusehen. Dann kommt der anstrengende Teil des Tages. Es geht nach Losheim und das liegt oben. Vor der Bergetappe gibt Peter einige Anweisungen: Wir müssen mangels Radweg auf der Straße fahren. Sicherheitshalber sollen wir hintereinander und in kleineren Gruppen fahren, sonst können Autofahrer, die überholen, bei Gegenverkehr nicht einscheren. Okay, das mit dem hintereinander fahren haben wir auch gut hingekriegt - das mit den kleinen Gruppen eher nicht: Es bildet sich eine lange Reihe von Rädern und natürlich kommt ein Wagen mit Wohnwagenanhänger, der unbedingt vor der Kurve überholen muss. Und natürlich kommt genau in dem Augenblick von oben ein Auto entgegen.... Dank einiger fleißiger Schutzengel ist es gut ausgegangen, kein Zusammenstoß, kein Sturz. Peter verpasst uns später eine ordentliche und durchaus verdiente Gardinenpredigt. 

Losheim liegt an einen Stausee und um den See hat sich ein schönes Ausflugsgebiet entwickelt. Wir machen an einem netten Rastplatz mit Kneippbecken unsere Mittagspause. Kurz danach kann in einem Ausflugslokal mit Blick auf den See auch der Kaffeedurst befriedigt werden.

Am Abend essen wir im Hotel, was einigen unserer Herren sehr gelegen kommt. Sie können es nicht erwarten, in die Nähe eines Fernsehers zu kommen, denn seit gestern läuft die Fußball-Weltmeisterschaft und heute Abend spielt Portugal gegen Spanien. Nach Protesten von nicht Fußball-Interessierten wird der Fernseher zwar im Restaurant aufgestellt und eingeschaltet, aber ohne Ton.

Besseringen – Mettlach Saarschleife – Besseringen (54 km | 600 hm)

Tag 8: Unter Tagesmotto: Fast gut ...

An der "grünen Grenze" nach Frankreich

Heute teilt sich unsere Gruppe auf: Ursprünglich war der Plan, dass wir Schengen besuchen und von dort weiter zur Saarschleife fahren. Die Strecke nach Schengen führt steil hinunter zur Mosel und nach dem Stadtbesuch mangels anderer Routen auf derselben Strecke wieder nach oben. Peter bietet allen, die dazu keine Lust haben, eine verkürzte Strecke an, ohne den Abstecher nach Schengen. Die meisten entscheiden sich für die kürzere Tour und lassen es heute etwas langsamer angehen. Wir fahren wie vor 2 Tagen Richtung Niedtal, nehmen dann aber eine andere Strecke auf das Plateau. Oben folgen wir dem "Weg der Steine", einer Straße, an der verschiedene Künstler sehr unterschiedliche Steinskulpturen geschaffen haben. Der Weg verläuft entlang der französischen Grenze und die meisten fahren den kleinen Abstecher über die grüne Grenze nach Frankreich.

Saarschleife

Unser Ziel ist die Aussichtsplattform über der Saarschleife oberhalb Mettlach. Wir haben sie jeden Tag von unten gesehen und uns gefragt, wie anstrengend es sein wird, mit den Rädern dort hinauf zu fahren. Die Bergspitze liegt 240 m über der Saar. Da wir sind aber schon auf dem Hochplateau sind, erreichen wir ohne starke Steigung die Aussichtsplattform, eine beeindruckende Konstruktion mit weitem Blick über die Saar und die ganze Region. Der Aufgang führt über einen Baumwipfelpfad mit vielen informativen Tafeln über den Wald und seine Bewohner. Nach diesem beeindruckenden Besuch fahren wir zurück durch eine schöne Wald- und Wiesenlandschaft, bis wir schließlich bei Draisbach die Saar erreichen. Kurz danach sind wir wieder in Besseringen. Heute Abend verwöhnt uns unser Hotel mit echt saarländischen Spezialitäten wie Hoorische mit Sauerkraut und Rotkohl, Gefüllte, Dibbelappes mit Apfelbrei, Lyoner und Bratkartoffeln. Mutige bestellen dazu ein Glas Viez. Was das ist? "Viez" ist der hiesige Apfelwein, "Lyoner" kennen Nicht-Saarländer als Fleischwurst, "Dibbelappes" ist eine Art großer Kartoffelpuffer mit vielen Zutaten, Hoorische sind aus Kloßteig, länglich geformt und gebraten (etwa wie große Schuprnudeln) und "Gefüllte" sind Kartoffelklöße mit Fleischfüllung. Alles sehr bodenständig und lecker.

Besseringen – Hamminkeln (0 km | 0 hm)

Tag 9: Unter Tagesmotto: Alles gut.

Gruppenbild zum Abschied

Morgens bleibt nur noch die Aufgabe, unsere Sachen zu packen und die Zimmer zu räumen. Wir warten bei schönstem Wetter am Hotel auf unseren Bus, der wie erwartet gegen halb 11 Uhr ankommt. Unsere Räder verschwinden schnell und fachmännisch im Anhänger, dann steigen wir ein. Nur unsere Fußball-Fans sind unruhig, denn heute um 17 Uhr ist das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der WM. Letztlich schaffen wir es nicht, rechtzeitig für das Spiel nach Hamminkeln zu kommen. Im Nachhinein betrachtet war das kein großes Unglück, die deutsche Mannschaft hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Abends um halb 6 sind wir wieder in Hamminkeln. Während wir unsere Räder abladen und uns auf den Heimweg vorbereiten, fährt eine vergnügte Radfahrer-Gruppe an uns vorbei.

Jetzt zur Statistik: insgesamt sind wir - je nach Strecke - 457 oder 477 km gefahren, dabei ging es insgesamt 3.955 Meter bergauf und ungefähr 200 hm mehr bergab. Also, wenn man der Statistik glaubt, sind wir eigentlich nur bergab gefahren. Wie man sieht: Statistiken sind super!

© 2020 ADFC Kreisverband Wesel e. V. OG Hamminkeln e. V.