Indian Summer


Ein Reisebericht von Maria Stegemann

Am letzten Septemberwochenende 2018 war für ein Grüppchen Radfahrer aus Hamminkeln und Umgebung Indian Summer statt Kirmestrubel angesagt: gut gelaunt trafen sich 10 Radfahrer samstags morgens um 9 Uhr am Hamminkelner Schulzentrum. Das Wetter war herrlich: strahlend blauer Himmel, kein Wölkchen in Sicht. Die Temperaturen meinten es weniger gut mit uns: das Thermometer zeigte nur etwa 5 Grad Plus. So hielten wir uns nicht lange mit Begrüßungen auf und stiegen so schnell wir möglich auf unserer Räder. Von Wesel aus, wo wir unsere Gruppe auf 15 Radler komplettierten, fuhren wir Richtung Rheinberg und Kamp-Lintfort.

Terrassengarten am Kloster Kamp

Unser erster größerer Stopp war am Kloster Kamp. Ich hatte mir schon lange vorgenommen, diese wunderschöne Klosteranlage einmal zu besuchen, aber wie sagt man: der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert….. Während unseres Aufenthalts besichtigten wir den klassischen Barockgarten unterhalb des Klosters und die schön gestalteten Terrassen bis zum Kloster. Der Charme dieser Anlage ist natürlich auch Fotografen nicht verborgen geblieben und so beobachteten wir etliche Hochzeitspaare, die in der Anlage für die (hoffentlich) schönsten Bilder ihres Lebens posierten. Weiter ging die Fahrt nach Kempen. Diese Stadt habe ich bisher nicht auf meiner Wunschliste gehabt: das war ein Fehler. Bei einen Halt konnten wir durch die überraschend große Fußgängerzone mit originellen Geschäften und netten Häusern bummeln.

Factory Outlet De Beukelaer

Allzu lange durften wir uns hier aber nicht aufhalten: kurz danach erreichten wir die nächste Attraktion: den Werksverkauf der Firma De Beukelaer. Der Laden war offen und verführte uns zu unkontrollierten Einkäufen von Keksen, Schokolade und – der Jahreszeit entsprechend – erster Weihnachtsleckereien. Mit deutlich mehr Gepäck ging es weiter. Wenige Kilometer später war Kaffeepause in einem netten Café im Grünen. Bei schönstem Wetter konnten wir draußen sitzen und unglaublich große Kuchenportionen "vernichten". Danach mussten wir uns ein wenig beeilen, um rechtzeitig zu unserem Tagesziel zu kommen: der Jugendherberge Hinsbeck. Schließlich hatten wir hier ein warmes Abendessen bestellt und Jugendherbergen haben feste Zeiten. Also: ankommen, Räder in den Schuppen stellen, Gepäck in die Zimmer bringen und blitzschnell duschen. Betten beziehen verschoben wir auf später. Als wir pünktlich an unserem Tisch saßen und entspannt und ahnungslos unser Abendessen begannen, öffnete sich die Tür von draußen und herein strömte gefühlt ungefähr eine Million Kinder im Grundschulalter (mit dazugehörigen Eltern), bunt angezogen, fantasievoll geschminkt und von einem tollen Tag draußen begeistert. Aufgeregt stürzten sie sich aufs Buffet und erfüllten den ganzen Raum mit ihrem lebhaften Geplapper.

Sonnenuntergang über Hinsbeck

Nach dem Essen wartete noch eine kleine Überraschung auf uns: ein romantischer Sonnenuntergang, aber nicht einfach so, sondern von oben. Dafür führte uns Peter zu einem nahe gelegenen Aussichtsturm mitten im Wald. Von hier aus hatten wir einen wunderbaren Blick über die Berge, auf den feuerroten Himmel und die Sonne, die langsam am Horizont versank. Während über uns der Himmel immer intensiver rot und dunkler wurde, klangen aus dem Tal Jagdhörner zu uns herauf – klingt unglaublich kitschig, aber es war tatsächlich so.
Nach und nach wurde es dunkel und wir kehrten zurück zur Jugendherberge. Vor der Herberge standen unsere Zirkuskinder begeistert um ein Lagerfeuer und backten Stockbrot. Wenig später brachen sie mit Taschenlampen zu einer Nachtwanderung auf, während sich die reifere Jugend (also wir) mit mehr oder weniger alkoholischen Getränken zusammensetzte und den Abend ausklingen ließ.

Wieder auf dem Heimweg

Am nächsten Morgen hatte keiner Lust auf einen romantischen Sonnenaufgang vom Aussichtsturm aus – es ist auch mal schön, etwas länger zu schlafen. Wir ließen uns Zeit mit dem Frühstück – schließlich lagen "nur" etwa 70 Kilometer vor uns. Während wir uns Kaffee, Brötchen und Belag schmecken ließen und unsere Lunchpäckchen zusammen stellten, tauchten nach und nach auch die Kinder von gestern wieder auf: ungeschminkt, verpennt und sehr zufrieden…
Unsere Fahrt ging zunächst wieder ein Stück zurück. Die Räder rollten praktisch von alleine – gestern Abend war es zur Jugendherberge also noch ganz gut bergauf gegangen. In Wachtendonk gab es einen ersten kurzen Halt: Wieder ein nettes gepflegtes Städtchen, das man sich einmal ansehen sollte. Danach fuhren wir durch die noch sommerlichen Auen. Die Wälder haben durch den heißen trockenen Sommer gelitten, wir sahen unterwegs immer wieder vertrocknete Bäume oder Äste, aber die meisten Bäume hatten noch keine Herbstfarben angelegt. Unser Weg ging jetzt Richtung Xanten mit einigen kürzeren Stopps unterwegs. In Alpen legten wir eine frühe Kaffeepause in einem Café ein - wieder mit erstaunlich großen Kuchenstücken. Danach war es nicht mehr weit bis zur Xantener Rheinfähre. Die Überfahrt mit der Fähre ist immer ein besonderes Vergnügen. So auch heute, besonders, weil wir nicht lange warten mussten. Auf der anderen Rheinseite verabschiedeten sich unsere Weseler Mitfahrer und nahmen den direkten Weg nach Hause. Auch für die Hamminkelner waren es von hier aus nur noch wenige Kilometer. So kamen wir zeitig zurück und konnten uns je nach Lust und Laune noch einmal in die Hamminkelner Kirmes stürzen.

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