grenzenlos

Eine Woche - zwei Räder - drei Länder
Der Erlebnisbericht einer neuen Erfahrung von Brigitte und Michael Puckert

 

Im Mai 2011 haben wir an der Mehrtagestour „Grenzenlos" des ADFC Hamminkeln teilgenommen. Die Tour führte uns von Geroldstein durch die Westeifel und entlang der Rur und Maas zurück nach Hamminkeln. Eine Tour die weit mehr als den bloßen Anspruch hatte, mit dem Rad von A nach B zu fahren!

Zunächst sind wir bequem und stressfrei mit dem Zug nach Geroldstein gefahren. Von dort führte uns eine kurze 30-Kilometeretappe durch herrliche Landschaften nach Prüm. Doch bereits nach wenigen Kilometern wussten wir, diese Tour wird keine reine Kaffeetour. Diese Tour hat auch eine sportliche Seite.

Hier entlang geht´s nach Prüm

In Prüm bezogen wir Quartier in einer der modernsten Jugendherbergen Deutschlands. Die Herberge im Stiel eines Congresshotels hat so gar nichts mehr mit dem Muff früherer Jugendherbergen zu tun. Nach einem hervorragenden Abendessen ging es zum sehr gemütlichen Teil des Tages. Ab da wussten wir, diese Tour hat auch eine interessante gesellschaftliche Seite.

Den nächsten Tag radelten wir ohne Gepäck rund um den „Schwarzen Mann". Am Fuße dieses Höhenzuges der Westeifel trafen wir uns zu einer Führung mit einem Unikum. Ja, was war es denn? Ein Ranger des Nationalparks? Ein Bergführer? Heimatforscher? Historiker? Naturkundler? Oder vielleicht einfach ein Entertainer? Von Allem etwas würden wir sagen. Die folgende Führung war wirklich alles, nur nicht langweilig. Nun war uns klar, diese Tour hat auch einen großen kulturellen Aspekt.

Nach geselligem Abend ging es den nächsten Morgen zur privaten Führung in die Basilika von Prüm und dort bekamen wir einen tiefen Einblick in die ältere und jüngere Vergangenheit dieser, im Mittelalter kirchlich und politisch bedeutenden Stadt.

Führung im Bergwerk Bleialf

Nun ging es weiter auf alten Bahntrassen durch den Naturpark Eifel zum nächsten Highlight, in das alte Bleibergwerk von Bleialf. Auch diese Führung hatte einen eher privaten Charakter und führte uns vor Augen, unter welchen Umständen die Menschen dieser Region noch vor wenigen Jahrzehnten ihr mageres Brot verdienen mussten.

Weiter ging es nun mit einigen „Bergwertungen" über die Grenze ins belgische Schönberg. Ein alter Gasthof war hier unsere Herberge und nach kurzem Spaziergang erwartete uns ein fürstliches Mal im rustikalen Ambiente der alten Scheune. Wir staunten nicht schlecht über das, was uns da geboten wurde und wussten nun, diese Tour hat es auch kulinarisch in sich.

Der nächste Morgen erwartete uns wieder mit herrlichem Wetter und toller Landschaft, aber auch mit der größten Steigung dieser Tour. Doch wir hatten uns ja alle schon daran gewöhnt und wurden mit einer langen Abfahrt nach Sankt Vith belohnt. Ab jetzt ging es auf einer langen Etappe auf alter Bahntrasse mit kaum merklicher Steigung durch die wunderschöne Westeifel in Richtung Norden. Entlang des oberen Rurtals erreichten wir den Historischen Ort Monschau in dem wir auch Quartier bezogen. Das Hotel war nicht sehr komfortabel aber wenn man quasi in einem Freilichtmuseum übernachtet, muss man das wohl in kauf nehmen. Dafür gab's aber wieder ein gutes Abendessen und wie sollte es anders sein, anschließend eine private Führung durch diesen mittelalterlichen Ort.

Burg Vogelsang

Der nächste Tag brachte uns entlang der Rur zum Rurstausee. Hier erwartete uns ein besonderer Service. Ansgar, der 2. Tourenführer, der uns aus gesundheitlichen Gründen erst ab hier begleiten konnte, übernahm unser Gepäck in seinen PKW und fuhr dies hinauf zum nächsten Höhepunkt des Tages. Vom Reisegepäck befreit radelten wir 4 Kilometer bergauf zur Burg Vogelsang. In dieser Kaderschmiede der SS hatte Peter wieder eine Führung organisiert. Doch diese spezielle Führung für unsere Gruppe, wurde zu einem kleinen Abenteuer und verschaffte uns Einblicke, die dem normalen Besucher sicher verwehrt bleiben. Hier erfuhren wir so einige Dinge über die unrühmliche Zeit des Nationalsozialismus, die uns so nicht bewusst waren.

Noch etwas ergriffen ging es nun in rasanter Abfahrt wieder zum Rurstausee und weiter am See entlang und durch das wunderschöne Tal der Rur nach Heimbach. Hier logierten wir in der alten Klostermühle, in der uns der Koch wieder mit einem tollen Abendessen verwöhnte.

Der folgende Tag bescherte uns die längste Etappe der Tour. Hier kamen die Freunde langer und flacher Touren auf ihre Kosten. Immer entlang der Rur bis kurz vor die Niederländische Grenze. Nach einigen Kilometern war die Eifel außer Sicht und die alte Festung in Jülich lud uns zur Mittagspause ein. Ziel des Tages war ein Hotel in Wassenberg. Auch hier lies das gemeinsame Abendessen keine Wünsche offen und man saß noch lange bei einem Bier und guten Glas Wein zusammen.

Der nächste Morgen empfing uns mit düsteren Wolken und etwas Regen. Weiter entlang der Rur ging es bis zur Mündung in die Maas und weiter nach Roermond. Natürlich hatte Peter auch hier wieder eine Stadtführung organisiert. Zum Glück lies der Regen schnell nach und wir setzten unseren Weg ohne Regenzeugs weiter entlang der Maas fort. Fähren brachten uns mal auf die eine oder andere Uferseite. Vor Venlo verließen wir die Maas in Richtung Jugendherberge Hinsbeck. Aber nicht ohne zuvor in ein, uns schon von vorhergehenden ADFC Touren bekanntes Bauernkaffee einzukehren, in dem es wahre Monsterkuchenstücke zum Kaffee gibt. Der letzte Abend führte uns nach dem Abendessen zu einem gemeinsamen Spaziergang in den nahen Wald. Von einem Aussichtsturm ließen wir unseren Blick über das weite Land zwischen Maas und Rhein schweifen und konnten in der Ferne am Horizont schon die industriellen Wahrzeichen unserer Heimat erkennen.

Der letzte Tag führte uns über die schöne Stadt Kempen und einem Besuch beim de Beukelaer outlet Center (hier wurde so manche Fahrradtasche dicker und schwerer als je zuvor) in Richtung Heimat. Natürlich hatte Peter auch an diesem Tage noch eine Pause in einem Kaffee in Kamp-Lintfort organisiert. Von hier aus sind der Büdericher Sendeturm und auch der Weseler Dom schon gut zu sehen und der aufkommende Stallgeruch lies manchen Teilnehmer kräftiger in die Pedalen treten.

Für uns war diese, von Peter und Ansgar wieder bis ins Detail perfekt geplante und organisierte Radtour, eine der schönsten Touren die wir mit dem ADFC gefahren sind. Eine Tour so richtig nach unserem Geschmack. Tolle Landschaften, kurze, mittlere und lange Etappen, flaches und auch hügeliges Gelände, interessante Besichtigungen und spezielle Führungen, gesellige Abende nach gemeinsamen Abendessen in guten Unterkünften.

Wir waren „grenzenlos" begeistert.

© 2020 ADFC Kreisverband Wesel e. V. OG Hamminkeln e. V.