Entlang des Elberadwanderweges

Ein Reisebericht von Marie-Theres Knoch und Michaela Löwen

 

Mitten in der Nacht geht es los. Treffpunkt Duisburger Hauptbahnhof. Erwartungsvoll warten wir auf den Nachtzug, der uns sozusagen im Schlaf nach Bad Schandau befördern soll. Dort werden wir schon beim Frühstück im Cafe mit Bildern des Elbe Hochwassers 2002 konfrontiert, bis in den 2. Stock reichte das Wasser. Frisch gestärkt treten wir in die Pedalen. Belohnt werden wir mit einem ereignisreichen Tag. Rechts und links der Elbe können wir die bizarren Formen des Elbsandsteingebirges und die Festung Königsstein bewundern, für die wir allerdings noch nicht aus dem Sattel steigen. Den ersten Stopp machen wir in Rathen um von der Bastei, eine der imposantesten Kulisse am Elberadweg, einen Blick auf den Fluss und in die Umgebung zu werfen. Weiter folgen wir dem Elberadweg mal links mal rechts bis nach Pirna, der Stadt der Giebel, Erker und Portale. Nächstes Highlight ist das Schloss Pillnitz mit der berühmten Kamelie von 1770. Von dort aus begleitet uns dann der Regen bis zur Frauenkirche und zum Dresdner Zwinger. Den ganzen nächsten Tag lassen wir uns Zeit, die Stadt zu entdecken.

Logo des Elbradwanderweges

Mit einem letzten Blick auf die berühmte Dresdner Kulisse radeln wir zunächst Richtung Meißen. Auf dem Weg dahin setzten wir die Diskussion darüber fort, ob man die Elbe besser stromaufwärts oder -abwärts fährt. In diesem Fall fahren wir in die falsche Richtung, denn die gefühlte Strecke ist wegen des Gegenwindes doppelt so lang. Belohnt werden wir durch den wunderbaren Blick auf Burg und Dom, die auf einem Hügel liegen. Nach einer langen Pause und einem Besuch in der berühmten Porzellanmanufaktur können wir dem Gegenwind wieder trotzen und unsere Fahrt nach Strehla fortsetzen. Dort übernachten wir in der Jugendherberge, die früher als Sternwarte genutzt wurde.

Die Elben bei Wehlen

Am nächsten Morgen lassen wir uns mal wieder mit einer der vielen Gierfähren übersetzen, radeln in Richtung Belgern und bewundern dort den 5,45m hohen steinernen Roland und eine der Postdistanzsäulen, die August der Starke errichten ließ. Abends sind wir schon wieder in einer Stadt mit einem wunderbaren Ortskern, nämlich Torgau. Schon Luther und seiner Frau hat es auf dem schönen Marktplatz gefallen.

Am nächsten Tag entdecken wir in Klöden einen romantischen Biergarten, See und Burg inklusive, wie gemacht für den pausenbedürftigen Radlerpo. Abends begegnen wir Luther auf dem Marktplatz von Wittenberg. Dass auch andere berühmte Persönlichkeiten die Stadt mit ihrer schönen Altstadt schätzten, beweisen die vielen Gedenktafeln an den Häusern. Bevor wir unsere Häupter ins Kissen sinken lassen können, müssen wir unsere Räder die Wendeltreppe zur Jugendherberge in der Burg hinaufschleppen.

Unser dicht gedrängtes Kulturprogramm setzten wir im Weltkulturerbe Dessau Wörlitzer Gartenreich fort. Der romantische Fürst Franz Radweg (dieser Teil des Weges heißt wirklich so) verbindet Wörlitz mit Dessau, wo man u. a. das nicht mit einem Baumarkt zu verwechselnde Bauhaus aus den 20er Jahren besichtigen kann.

Nun reicht es uns an Kultur, beschließen diesen Bestandteil der Tour zu kürzen und konzentrieren uns nun mehr auf die Natur. Das gelingt schon  in Pretzien in der Pension „Zum Storchennest“, wo uns drei klappernde  Störche begrüßen.

In Magdeburg werfen wir einen Blick in den Dom, um dann eine Pause im Park auf dem Gelände der Bundesgartenschau zu machen. Die Strecke bis nach Grieben verläuft durch viel Natur, begleitet durch Wasservögel und Störche, selten von Autoverkehr gestört.

Der kleine Ort Tangermünde ist unbedingt einen Besuch wert, ebenso die traumhafte Auenlandschaft mit sehr schönen Ausblicken auf die Elbe.

Dieses Programm setzt sich weiter fort, jedoch mit erheblichem Gegenwind. Wann sieht man schon Schaumkronen auf der Elbe? Selbst die Überquerung der Havel und die vielen Störche in Rüstedt lassen uns die Anstrengung nicht vergessen. Trotzdem schaffen wir es bis zu dem ehemaligen Grenzort Schnackenburg. Nun können wir nach Belieben zwischen alten und neuen Bundesländern wechseln und lernen Orte wie Dömitz, Hitzacker, Bleckede und Boizenburg kennen. Da wir das Gedränge in Hamburg wegen des Besuches der „Queen Mary“ fürchten, treten wir von Boizenburg aus die Heimreise an.

Radwanderführer: Elbradweg

Die Tour an der Elbe entlang hat uns beide begeistert und wir können sie wärmstens weiter empfehlen. Zu entdecken sind wunderbare Landschaften, kulturelle Highlights, schöne Stadtkerne und aufgeschlossene Menschen. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es reichlich, auch zu erschwinglichen Preisen. Wir haben entweder in Jugendherbergen oder nicht viel teureren Privatzimmern übernachtet und dabei auch einige interessante Gespräche mit den Gastgebern geführt. Da die Radwege meistens gut befahrbar und in gutem Zustand waren, fand Michaela ihre Steuergelder gut angelegt. Die beiden Bikeline-Radwanderführer (Maßstab 1:75.000, je 11,90 € erschienen im Esterbauer Verlag) zum Elberadweg haben uns bestens geführt und informiert. Zum Teil haben wir auch Broschüren gesammelt, die in den Unterkünften und in den Tourismusbüros auslagen und gute Hinweise auf Übernachtungsmöglichkeiten gaben. Eine Frage können wir allerdings immer noch nicht abschließend beantworten: Soll man nun die Elbe flussaufwärts oder flussabwärts fahren? Unsere Meinung dazu hat jeden Tag gewechselt, je nachdem aus welcher Richtung der Wind wehte.

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