Das Höchste im Münsterland

Stippvisite in den Baumbergen.
Ein Erlebnisbericht von Sabine Schulten.

Bei unserer Anmeldung zur Fahrt ins Münsterland, die vom 1.-3.Mai 2014 statt fand, erwarteten wir mildes, freundliches Wetter -wie in den Wochen davor-, aber nein, der Wetterbericht sollte recht behalten. Am Tag der Abfahrt war der Himmel mit dicken Wolken verhangen, die ihre Regenlast gerne loswerden wollten. Beim Treffpunkt am Rathaus in Hamminkeln erwartete uns hingegen ein vergnügtes, lachendes Völkchen von Radfahrern, das sich durch das düstere trübe Wetter nicht die gute Laune verderben ließ und darauf gespannt war, was Peter Zelmer (unser Gruppenleiter) an Überraschungen parat hielt.

"Gut Ross" in Velen.

Die Strecke war uns aus dem "Radsam" schon bekannt und sollte von Hamminkeln über Ringenberg, Krechting, Pröbsting und Ramsdorf nach Coesfeld zu unserem Hotel führen. Noch hielt der Himmel die Wolken fest und es hatte nicht geregnet. Im Verlauf der Tour kam man ins Gespräch, denn das Tempo war nicht zu schnell (15-18km/h) und die von Peter ausgesuchten Radwege führten über asphaltierte, breite landwirtschaftliche Wege, bei denen man zu zweit oder auch zu dritt gut nebeneinander fahren konnte. Die Landschaft war flach wie ein Tisch und unsere Route führte uns zwischen Wiesenfelder, kleine Mischwälder und durch Moorgebiete (Hochmoor bei Velen), die durch kleine Tümpel oder Seen vielen Wasservögeln Lebensraum boten. Nach wenigen Stunden bei kühlen 17 Grad Celsius freuten wir uns auf einen heißen Nachmittagskaffee in der Bäckerei Mensing (Velen-Ramsdorf). Die köstlichen Obst- und Sahnetorten, die sich vor unseren Augen ausbreiteten, ließen die Butterbrote im Reisegepäck schnell vergessen. Nach der Pause schienen uns warme Sonnenstrahlen entgegen und Peter hielt die nächste Überraschung parat. Wir fuhren auf "Gut Roß" bei Velen, wo uns ein alter Sägebetrieb von 1870 gezeigt wurde. Mit Hilfe von Wasserdruck wurde ein ca. 1,20 m langes und 15cm breites Sägeblatt hin und her bewegt. Wir schauten zu, wie ein halber Baumstamm in einzelne Bretter zersägt wurde. Weiter ging es dann nach Coesfeld zu unserem Quartier: einem soliden Hotel mit Restaurant und Brauerei. Besser konnten wir es nicht treffen. Bei deftigem und reichhaltigem Abendessen hörte man unter anderem wie alle mit ihren Zimmern zufrieden waren und die heißen Duschen lobten.

Im Radio- und Rundfunkmuseum Holtstiege in Havixbeck.

Am nächsten Morgen saßen wir schon um 9.00 Uhr auf den Rädern bei kalten 8 Grad. Der Himmel war wieder bedeckt und es regnete zum Glück nicht. Unser Weg führte nun von Coesfeld nach Billerbeck und durch die Baumberge nach Havixbeck. Es ging bergauf und bergrunter, einmal steiler, ein anderes Mal flacher. Bei jeder Anstrengung freute man sich schon auf die mehr oder weniger rasanten Abfahrten. In Havixbeck angekommen besuchten wir ein kleines Rundfunkmuseum, das die liebevoll gesammelten Sender, Empfangsstationen, Radiogeräte, Antennen und vieles mehr von Reinhold Holtstiege zeigte. Die Führung durch einen "Schüler" von Holtstiege war wunderbar erfrischend und lebendig. Den Nachmittagskaffee mussten wir uns erst verdienen.

Blick vom Longinusturm.

Es ging nach einigem Auf und Ab zum Longinusturm (in der Nähe des Westerberges 187 m üM). Wir waren auf dem Höchsten des Münsterlandes angekommen und erfreuten uns an dem weiten Rundblick, der sich uns nun bot. In einem kleinen Cafe im Turm waren bei heißem Kaffee und duftenden Streuselkuchen die Anstrengungen schnell vergessen. Auf der Rückfahrt zum Hotel mussten wir noch den Coesfelder Berg (152 m) überwinden. Aber der hat uns nicht wirklich aufwärmen könne. Bei 10 Grad Abfahrtswind zog die Kälte ordentlich durch die Kleidung und wir freuten uns alle auf die heiße Dusche im Hotel. Vor dem Abendessen hatte Peter für uns als letzte Überraschung eine Besichtigung in der hoteleigenen Brauerei arrangiert, wo uns der Weg von der Gerste, dem Hopfen und dem Malz zum fertigen Bier erklärt wurde. Abends saßen wir beim frisch gezapften "Blonden" noch in gemütlicher Runde zusammen und man erfuhr von dem einen oder anderen interessante Geschichten.

Gruppenbild am Marbecker Heimathaus.

Am anderen Morgen erwartete uns strahlender Sonnenschein; alle waren gut gelaunt und nachdem die Fahrräder wieder beladen waren, traten wir den Heimweg nach Hamminkeln an. Peter führte uns auf wenig befahrenen Straßen, vorbei an einsamen Bauernhöfen, kleinen Waldungen und Dörfern. Genauer gesagt ging der Weg durch das Naturschutzgebiet "Weißes Venn", durch den Bollergraben, über die A 31, an Marbeck vorbei bis wir schließlich Haus Vennekamp bei Raesfeld erreichten. Dort war unsere letzte gemeinsame Kaffeepause, bevor einige Teilnehmer sich von uns trennten, um die Heimreise nach Borken und Bocholt anzutreten. Gestärkt von Kaffee und Kuchen fuhren wir über Marienthal und Brünen zurück nach Hamminkeln. Alle waren sich einig, trotz des kühlen und zum Glück trockenen Wetters, war es eine wunderbare und abwechslungsreiche Radtour durch das Münsterland.

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