Umlaufsperren nicht mehr zeitgemäß

Die Fahrradszene hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Neue Bauformen von Rädern und Anhängern haben sich durchgesetzt. Wurden noch vor Jahren Kinder auf einem Kindersitz transportiert, so dürfen die Kleinen heutzutage komfortabel in einem Kinderanhänger auf Tour gehen. Dass sich diese Bauform trotz des hohen Preises durchgesetzt hat, liegt an den Sicherheitsvorteilen der Anhänger für die Minis.

Hindernis für Kinderanhänger

Kommen Eltern mit ihrem Gespann an eine Umlaufsperre, wird die Kaufentscheidung oft bereut. Bei den gängigen Abmessungen (ca. 90 cm Breite) ist das Durchfahren eines Drängelgitters selbst in geschobenen Zustand meist unmöglich. Eltern weichen deshalb schon häufig von der vorgegebenen Radroute ab und benutzen alternative Autotrassen.

Auch für andere Bauformen wie Langlieger, Liegedreiräder, Trailerbikes sind die Gitter ein adrenalinsteigerndes Hindernis. Gänzlich unüberwindbar sind die Sperren für Mitbürger auf Behindertenfahrrädern.

Schaut man über den Tellerrand der Kommune, kann man feststellen, dass es krasse regionale Unterschiede in der Quantität der Sperren gibt. In manchen Gegenden scheinen sie gänzlich unbekannt zu sein und in anderen Gegenden sind sie so zahlreich, dass Radbenutzer ihr Zweirad lieber im Keller stehen lassen.

Für das Aufstellen von Drängelgittern gibt es keinerlei zwingende Vorschriften in der Straßenverkehrsordnung. In § 32 der STVO wird sogar verboten, "Gegenstände auf Straßen zu bringen ..., wenn dadurch der Verkehr gefährdet oder erschwert werden kann." So ist es also im Belieben der jeweiligen Verwaltung, ob und wann eine Sperre für Radfahrer errichtet wird.

Sperren verhindern die Radwegereinigung

Oft sind Umlaufsperren fest im Boden verankert. Die Folge davon ist, dass der Winterdienst oft ganz unterbleibt und hierdurch besonders in Herbst- und Wintermonaten neue Gefahren für den Radfahrer entstehen.

Unbestreitbar gibt es Kreuzungen mit Schnellstraßen, Gefällestrecken und Schienenquerungen, die es erfordern, dass Radfahrer langsamer fahren müssen. Es ist jedoch fraglich, ob man dies nur mit Umlaufsperren erreichen kann. Und wenn es denn Umlaufsperren sein müssen, muss die Frage erlaubt sein, ob sie nicht baulich entschärft werden können.

Positive Beispiele am Emscherradweg

Eine Schrägaufstellung wie auf dem neu angelegten Emscherradweg oder die Vergrößerung der Durchfahrbreite würde besonders von großen Radgruppen als Erleichterung empfunden werden.

Die Stadt Unna hat auf Anregung des ADFC Ortsverbandes alle Umlaufsperren im Stadtgebiet aufgelistet. In Absprache mit dem Ordnungsamt sollen sie auf ihre Notwendigkeit überprüft werden. Hilfreich wird die Empfehlung des Arbeitskreises Radverkehr im Kreis Unna sein.

 

Unnas Umlaufsperren fallen

Kinderradanhänger und Behindertenräder haben endlich freie Fahrt.

Laut Information des Fahrradbeauftragten der Stadt Unna, Wilfried Appel, sollen in den Jahren 2008 und 2009 alle Hindernisse auf den Radwegen der Stadt Unna entweder beseitigt oder fahrradfreundlich umgebaut werden. Nach einer Aufstellung der Verwaltung befinden sich im Radnetz unserer Stadt 26 Drängelgitter und 7 Sperrpfosten.

Nach Beratungen mit dem Ordnungsamt und dem ADFC wurden 15 Umlaufsperren für entbehrlich geachtet. Sie sollen teilweise durch Pfosten mit einer ausreichenden Durchfahrtsbreite ersetzt werden. Vier der aufgelisteten Sperren gehören nicht zum Unnaer Stadtgebiet.  Hier werden die angrenzenden Kommunen Holzwickede (Sperre Provinzialstraße) und Kamen (Sperre Gießerstraße) vom ADFC in einem Anschreiben aufgefordert werden, dem positiven Beispiel der Unnaer Verwaltung zu folgen. Fünf weitere Gitter sollen fahrradfreundlich umgebaut werden. Durch Schrägstellung der Gitter und unter Einhaltung einer Mindestdurchfahrtsbreite von 1,50 m erlauben diese Sperren ein komfortables Durchfahren bei Beibehaltung der hier notwendigen Sperrfunktion.

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