Mit SELTA durch die Niederlande

05.11.18
Kategorie: Aktuelles, Radreisen, Tourismus

Maxi, Jan und SELTA am Start



Käsemarkt in Edam



Freie Sicht auf die Strecke



SELTA voll bepackt


Tandem-Fahrradurlaub im Oktober 2018

Unser Jahresurlaub sollte erneut ungewöhnlich werden, das war die Devise als wir uns über mögliche Reisezielen und Reisearten informierten. Schnell war die Idee geboren, eine Fahrradtour mit einem Tandem zu machen. Da wir kein eigenes besitzen, wandten wir uns an den ADFC, der uns den Kontakt zur Ortsgruppe Selm vermittelte. Dort trafen wir auf Christian Jänsch, der uns stolz SELTA, ein wirklich spannendes Tandem, bestehend aus einem Liege- und einem normalen Fahrrad, präsentierte. Nach einer Proberunde mit SELTA waren wir sofort Feuer und Flamme und freuten uns sehr, dass wir uns das Tandem für unseren dreiwöchigen Urlaub ausleihen konnten.

So fuhren wir an unserem ersten Urlaubstag mit dem Auto nach Selm, verstauten rasch unser Gepäck in den geräumigen Fahrradtaschen von SELTA und begaben uns auf die Römer-Lippe-Route Richtung Xanten. Das tolle Fahrgefühl stellte sich sofort wieder ein. Zu Beginn mussten wir noch etwas an unserer Kommunikation feilen, da die vordere Person andere Aufgaben übernehmen musste als die hintere. Richtungsansagen, Handzeichen, Abstimmung beim Anfahren etc. hatte sich aber in kürzester Zeit eingestellt. Dankbar waren wir oftmals für den eingebauten Akku, der uns das Anfahren an so mancher Ampel erleichterte und unsere Kräfte bei Gegenwind schonte. Nach Besichtigung der Stadt Xanten ging es bei einigen wenigen Regentropfen auf die Niederrhein-Route, die uns auch über die holländische Grenze brachte. Plötzlich standen wir in den Niederlanden und die gewohnten roten Radwegweiser gab es nicht mehr. Stattdessen hingen an Laternen, Strommasten und Co. lediglich Zahlen mit einem Richtungspfeil. Erst nach einer abendlichen Onlinerecherche verstanden wir das Knotenpunktsystem, welches sich über die gesamten Niederlanden erstreckte. Seit dieser Erkenntnis erstellten wir uns jeden Abend mit Hilfe einer App eine lange Liste mit den anzusteuernden Knotenpunkten für den nächsten Tag. Oftmals schwirrte uns der Kopf aufgrund der vielen Zahlen, aber wir gelangten meistens ohne Umwege an unser Ziel. Entlang der Rhein- und gelegentlich der Maas-Route besuchten wir Nijmegen mit dem Nationalen Fahrradmuseum der Niederlande, erkundeten einen Nationalpark mit dem Kanu und erreichten am Ende der Rheinroute die Großstadt Rotterdam. Von dort begaben wir uns für viele Kilometer auf die Nordsee-Route, die uns durch die Dünenlandschaft bis nach Nordholland führte. Wir übernachteten meistens in einem Bed & Breakfast und lernten so viele Einheimische kennen. Die meisten vermieteten ein Gästezimmer an uns, wir nächtigten aber auch in einer Scheune, auf einem Hausboot und in einem alten Wanderwagen. Trotz Nebensaison waren die Kosten für die Unterkünfte, aber auch für die Verpflegung, deutlich höher als in Deutschland.

Bevor die große Ijsselmeer-Überquerung anstand, machten wir noch einen Abstecher in die Käsestadt Edam und die Hansestadt Hoorn. Auch dort ernteten wir viele neugierige Blicke für unser Tandem. Einige Holländer erzählten uns, dass sie ein solches Rad noch nie gesehen haben und freuten sich, wenn sie ein Foto machen durften.

Auf dem Weg nach Leeuwarden, die europäische Kulturhauptstadt 2018, fuhren wir 32 lange Kilometer den Damm entlang über das Ijsselmeer, um Friesland zu erreichen. Wir näherten uns langsam dem 1000. gefahrenen Kilometer, aber mit Muskelkater hatten wir bei Tagesetappen von durchschnittlich 70 km nicht zu kämpfen. Obwohl wir das Fahrrad nur einen einzigen Tag still stehen ließen, wurden wir dem Radeln nicht überdrüssig, da es einfach zu viel Spaß machte. Aufgrund der vielen Gewässer in den Niederlanden, kamen wir dazu viele neue Erfahrung zu sammeln was Fährfahrten anging. Eine Fähre fuhr nur in den Sommermonaten, ein anderes Mal fuhr uns eine Fähre auf die falsche Uferseite, sodass Umwege notwendig wurden. Ein einziges Mal überquerten wir das Wasser mit einer Fähre, die wir mit einer Handkurbel bedienen mussten. Somit blieben die Fährübersetzungen bis zuletzt ein spannendes Unterfangen.

Insgesamt radelten wir in 18 Tagen fast 1300km und sahen dabei sehr unterschiedliche Landstriche. Kleine Dörfer, Großstädte wie Rotterdam und Den Haag, Dünen und grüne Felder mit Windmühlen gestalteten unsere Reise sehr abwechslungsreich. Das herrliche Herbstwetter erforderte sogar regelmäßig Sonnenmilch und Sonnenbrillen, sodass glücklicherweise die Regenkleidung in der Gepäcktasche verbleiben konnte. Es war rundherum eine außergewöhnliche Reise, die wir jedem empfehlen können. Wir sind dem ADFC in Selm sehr dankbar, uns diese Reise ermöglicht zu haben und hoffen, dass noch viele andere in diesen Genuss kommen.


 

Maximiliane Schneider & Jan Kagel

© 2018 ADFC Kreisverband Unna e. V. ADFC Selm