Mit SELTA auf Tour

29.07.19

Rüdigers Bericht über Tandem-Touren für die Caritas

Nachdem ich nun mit rund 12 Senioren kurze aber auch längere Radtouren mit dem ADFC-Selm-Tandem „SELTA“ unternommen habe, möchte ich etwas ausführlicher von einer Radtour mit einem unserer Caritas-Kunden aus Lünen berichten:

Karl Heinz Fridriszik (79) aus Lünen- Niederaden ist nach einem Unfall vor einigen Jahren nicht mehr in der Lage, allein Rad zu fahren, da es durchaus passieren könnte, dass er sein Gleichgewicht verliert und stürzt. Seit einigen Monaten wird er u.a. von mir bei Freizeitaktivitäten betreut. Da erschien es mir eine passende Gelegenheit, ihm eine Tour mit dem SELTA anzubieten. Zuerst habe ich ihm das Rad in Ruhe vorgestellt und er konnte „Probesitzen“, um ein Gefühl davon zu bekommen. Ihm gefiel es gut und er konnte sich vorstellen, damit eine Tour zu unternehmen. Wir verabredeten uns dann auf einen Termin im Juli. Ich reservierte das Tandem, besorgte einen passenden Helm und überlegte mir eine interessante, aber auch einfache Tour, die ihn nicht überanstrengen sollte.

Wir trafen uns in Südkirchen, da dort das Tandem bereitstand. Karl Heinz nahm nochmals das Rad in Augenschein und setzte sich auf den bequemen Sitz. Und dann ging es auch schon los: In einem ruhigen Wohngebiet fuhren wir die ersten Meter besonders langsam, um ein Gefühl für die spezille Fahrweise zu bekommen: Der vordere Partner kann ja bekanntermaßen nicht Lenken sondern ist dem hinteren Fahrer „ausgeliefert“. Es ist also schon eine ganze Menge Vertrauen in die Fähigkeiten des Fahrers notwendig. Karl Heinz schien dies aber nicht schwer zu fallen, und so konnten wir gleich in Richtung Nordkirchen starten. Er trat gleich recht kräftig in die Pedalen und ich riet ihm ersteinmal zu einem gemäßigten Tempo, um sich nicht zu verausgaben. So lehnte er sich genußvoll an die Rückenlehne und blickte in die Ferne, wo die ersten Bauern ihr Getreide mit großer Staubentwicklung von den Feldern ernteten. Das ist eine schön Technik: Der vordere Fahrer kann in die Pedalen treten, muss es aber nicht.

Mit dem kraftvollen Antrieb am SELTA war es für mich aber keine Schwierigkeit, uns beide ausreichend in Schwung zu halten. Es ging dann direkt durch das Südkirchener Tor in den Schloßpark. Am Schloß selbst angekommen, fuhren wir mehrmals Schleifen, damit ich ihm alle „Sehenswürdigkeiten“ zeigen und erklären konnte. Und es waren noch einige interessante Stellen dabei, die Karl Heinz bislang noch nicht kannte, obwohl er in früheren Jahren öfters dort gewesen war. Das relativ neu angelegte Biotop, die Datscha als Festschuppen, die neuen Gebäude der Fachhochschule für Finanzen usw…mit dem Tandem haben wir schnell und komfortabel den ganzen Park erfolgreich erkundet.

Weiter ging es in die Ortsmitte zum alten Badehaus, der Nepomuk-Kapelle sowie dem großen Gelände der Kinderheilstätte mit seinen interessanten Außenanlagen. Bei kleinen Engpässen z.B. wenn durch Poller etwa ein Radweg endete, musste ich kurz anhalten und durch geschicktes Manövrieren das Hindernis umsteuern. Das waren aber nur gelegentliche Zwangsstopps, die dem Fahrvergnügen nicht schadeten. Nach rund 1,5 Stunde Fahrzeit machten wir einen Zwischenstopp in der Eisdiele vor Ort, um uns zu erfrischen. Hatten wir uns ja auch sicherlich vedient. Dabei besprachen wir, wie der Rückweg aussehen könnte: Es sollte über den Nordkirchener Hirschpark, Richtung Capelle gehen, dann über „alte Zeche Werne“ am Kanal entlang wieder nach Lünen-Niederaden. Dort nach rund 4 Stunden angekommen, erwartete uns seine Frau ganz interessiert, wie es ihrem Mann denn nun gefallen habe. Karl Heinz war durchweg über die vielen neuen Eindrücke begeistert, freute sich über die sportliche Bewegung beim Radeln und dies dann noch auf eine ganz bequeme Art und Weise.

Wir werden sicherlich noch die eine oder andere Tour unternehmen. Für mich ging es dann noch alleine mit dem SELTA nach Bork, da es am nächsten Tag bereits wieder reserviert war. Kurz vor Bork war dann aber Schluß mit elektrischer Unterstützung, der Akku war nach ca 70 km leer: Aber kein Problem. Die letzten paar Hundert Meter habe ich auch noch geschafft.

Fazit: Der Fahrer sollte unbedingt vor Antritt einer Tour das Rad intensiv testen und eine ausgiebige Probefahrt machen, bevor er jemanden auf dem „Beifahrer“-Sitz mitnimmt. Durch die vielen Fahrten im Vorfeld habe ich inzwischen die notwendige „Routine“ und Sicherheit, um auch eine gehbehinderten o. bewegungseingeschränkte Person zu fahren. Es ist auch wichtig, den Beifahrer gut zu informieren, was auf ihn zukommt, damit er nicht hinterher zu überrascht ist. Er sollte auch in der Lage sein, sicher und ruhig sitzen zu können. Personen, die zittrig sind oder unkontrollierte Bewegungen machen, werden vermutlich schwieriger sein. Bei den Fahrten, die ich nun in den letzten Wochen unternommen habe, hat es gepaßt: Personenauswahl und Vorbereitung stimmten.

Rüdiger Willms

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