Was verursacht die Autostaus auf der Kantstraße?

21.12.18
Kategorie: Unna, Unna (OG), Verkehrspolitik, Sicherheit

Autosstau an der Kantstraße in Unna



Fussgängerüberweg an der Viktoriastraße



Einfahrt der Viktoriastraße in den Kreishauskreisel in Unna


ADFC Unna stellt Untersuchungen vor Ort an

Der ADFC Unna hat am 27.11.2018 beantragt, auf die Installation einer Fußgängerampel im Bereich der Viktoriastraße Nähe Kreishaus-Kreisverkehr zu verzichten. Dieser Antrag wurde näher begründet, kam allerdings erst sehr kurz vor der entscheidenden Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses. Es blieb also bei dem Beschluss, die Fußgängerampel zu installieren, angeblich nur für drei Monate.

Die grundsätzliche Problemstellung hierbei ist: Wie können die heutigen Auto-Staus auf der Kantstraße, die mit dem KFZ-Verkehr zum künftigen Einkaufszentrums Mühle Bremme noch erheblich zunehmen werden, verringert werden? Dazu heißt es in dem Verkehrsgutachten der Ingenieursgesellschaft Brilon Bonzio Weiser von 2016: „Einen entscheidenden Einfluss auf die Funktionsfähigkeit des Kreisverkehrs hat der Fuß- und Radverkehr am Kreisverkehr.“ (S. 30)

Wir als Radfahrer und Fußgänger kennen die Situation an diesem Kreisverkehr und erleben diese Verkehrssituation ganz anders. Nach unserer Anschauung verursacht vor allem der starke Autoverkehr die zu beobachtenden Rückstaus.

Mit unserer Anschauung wollten wir uns aber nicht zufriedengeben und haben die Verkehrssituation an dem Kreisel genauer untersucht. Dazu haben wir in der im Gutachten genannten KFZ-Nachmittagsspitze (15:45 – 16:45 Uhr) am Dienstag, den 11.12.18, den Kreisverkehr gefilmt und Staudaten erhoben. Zwei Faktoren führen dazu, dass sich in der Kantstraße (maßgeblich für das neue Einkaufszentrum) die KFZ zurückstauen: 1. Die Fahrzeuge, die durch den Kreisel vor allem aus der Fr.-Ebert-Straße und der Hansastraße kommen und 2. die Fußgänger, die am Zebrastreifen die Viktoriastraße überqueren und dadurch gelegentlich einen Rückstau bis zur Kantstraße erzeugen.

So haben wir über 60 Minuten in dem genannten Zeitraum die Zeiten gestoppt, an denen die querenden Fußgänger und Radfahrer über die Viktoriastraße dazu beitrugen, dass es zu Stockungen in der Kantstraße kam. Am Ende summierten sich diese Zeiten auf 4:30 Minuten (plus/minus 30 Sekunden) innerhalb der genannten Stunde. Dieses lässt sich auch anhand der gemachten Filmaufnahmen jederzeit verifizieren. Das heißt also: lediglich rund 8 % der Zeit ist der Fuß- und Radverkehr in der Hauptverkehrszeit mit dafür verantwortlich, dass es zu Rückstauungen in der Kantstraße kommt, zu 92 % sind es aber die Autos, die im Kreisverkehr fahren.

Am frühen Vormittag zwischen 7:20 und 7:40 Uhr kommt es an Wochentagen dreimal zu stärkeren Schülerströmen aus Richtung Bahnhof Unna. Dies hängt mit der Ankunft der Züge aus Richtung Soest, Holzwickede und Hamm zusammen. Dann kommt es dreimal zu Stauung im Fahrzeugverkehr von 0,5 – 2 Minuten. In der übrigen Zeit zwischen 7:20 Uhr und 8:00 konnten wir so gut wie keine Störungen des Autoverkehrs durch die Fußgänger beobachten.

Der Gutachter geht in seiner Untersuchung auf die Schülerströme nicht weiter ein. Er schreibt: „Die morgendlichen Spitzenstunde wurde nicht weiter berücksichtigt.“ (Seite 14) In einem Telefongespräch mit Herrn Bonzio (einer der Gutachter) verweist er allerdings auf die morgendlichen Schülerströme, um deutlich zu machen, dass es doch erheblich Beeinträchtigungen durch den Fußgängerverkehr gäbe. In dem Gutachten ist aber immer nur von der Nachmittagsspitze zwischen 15:45 und 16:45 Uhr die Rede. Bezogen auf das Projekt Mühle Bremme sind die Fußgängerströme vor 8:00 Uhr morgens auch irrelevant, weil zu dieser Zeit die Straßen noch nicht von Mitarbeitern und Kunden des Einkaufszentrums belastet werden.

Mit der geplanten Fußgängerampel ist aber der Faktor von ca. 8 % Stauverursachung durch Fußgänger immer noch nicht ausgeschaltet, da ja nach Installierung der Ampel die Autos zwischenzeitlich auch zum Stoppen gezwungen werden und zwar in den Rotphasen deutlich länger als heute durch die Querung einzelner Fußgänger oder Radfahrer. 

Die Behauptung in dem genannten Verkehrsgutachten: „Durch das hohe Fußgängeraufkommen in der Viktoriastraße wird die Verkehrsqualität des Kreisverkehrs bereits mit den heutigen Verkehrsstärken deutlich beeinträchtigt.“ (S. 35) kann als widerlegt angesehen werden. Sie sind tatsächlich nur eine geringe Beeinträchtigung des KFZ-Verkehrs. Die Fußgänger- und Fahrradampel an dieser Stelle wird das Problem in keiner Weise lösen. Vielmehr ist es so, dass die Ampel in fußgängerarmen Zeiten eher längere Auto-Staus erzeugen wird als heute. Sie würde für die nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer allerdings die Verkehrsqualität des Kreisverkehrs erheblich beeinträchtigen, und zwar 24 Stunden am Tag. Auf diese Beeinträchtigung der Verkehrsqualität geht der Gutachter allerdings nicht ein.

Während unserer Beobachtungsstunde am 11.12.18 haben wir auch gesehen, dass die Autostaus auf der Kantstraße bis in den Tunnel des Verkehrsrings reichen und darüber hinaus. Mit dem Einkaufszentrum Mühle Bremme wird sich dies, wie auch der Gutachter schreibt noch verschärfen. Es sind also Staus bis zur Kreuzung mit der Morgenstraße und vielleicht auch bis hin zur Wasserstraße zu erwarten. Der Verkehrsfluss im Kreisverkehr selber war fast immer sehr zügig und störungsfrei. Die Staus in allen Zufahrtsstraßen haben ihre Ursache in dem hohen Aufkommen von KFZ-Verkehr.

Damit ist klar, dass die geplante Fußgänger- und Radfahrerampel an der Viktoriastraße so gut wie keinen Vorteil für den Autoverkehr, aber einen erheblichen Nachteil für die nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer bringen wird. 

Für die Installation eines dreimonatigen Versuchs ist doch wahrscheinlich der Aufbau eines soliden Zauns vorgesehen, der von der Kantstraße bis zu dem Ampelüberweg Nähe Netto-Markt reicht. Denn nur so kann verhindert werden, dass der jetzige Übergang weiter benutzt wird. Der Fußgänger oder Radfahren stößt also aus der Innenstadt kommend auf diesen Zaun, muss ihm etwa 30 Meter nach Osten folgen, hier auf die Bedarfsampel drücken, auf Grün warten und wieder 30 Meter zurück Richtung Westen sich bewegen. Das müsste den ganzen Tag über und auch an Wochenenden passieren, auch wenn der Autoverkehr nur sehr gering ist und auch heute vom querenden Fuß- und Radverkehr so gut wie nicht beeinträchtigt würde. Dies wäre keine gute Maßnahme im Bemühen, das vom Stadtrat gesetzte Ziel, den Radverkehrsanteil in Unna von 11 auf 25 % zu erhöhen. Hinzu kommt, dass diese Strecke (obere Fr.-Ebert-Straße – Platanenallee) die wichtigste Radverbindung von Unna-Mitte nach Königsborn und zum geplanten Radschnellweg Ruhr am Bahnhof Königsborn ist.

Am 15. November 2018 sind vom Ordnungsamt der Stadt vier Kameras zur Beobachtung des Verkehrs am Kreisel und in der Kantstraße für einen Tag aufgestellt worden. Die Ergebnisse sollen aber erst nach der Versuchsphase mit der Fußgängerampel ausgewertet werden. Wir konnten daher leider nicht auf die Ergebnisse dieser Erhebung zurückgreifen.

Wir werden uns in nächster Zeit um einen Gesprächstermin mit dem Gutachter bemühen, um von ihm unsere Erhebungen prüfen zu lassen, die genannten Widersprüche zu klären und nach Alternativen zu suchen. Auch wären wir gern bereit, in Ihre Fraktion zu kommen, um mit Ihnen das heikle Problem zu erörtern. Daher bitten wir Sie hiermit, den Versuch mit der Bedarfsampel noch ein wenig bis zur Klärung der oben genannten Sachverhalte aufzuschieben.


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