Schneller als das Licht oder Die im dunklen sieht man nicht

Nicht nur zur dunklen Jahreszeit sieht man sie wieder nicht, die ohne Beleuchtung mit dem Rad -- oft auf dem Bürgersteig, gerne in dunkler Kleidung, warum, es gibt so schöne leuchtenden Farben -- vorbeihuschen.

Was "früher" noch verständlich war wegen ewig defekter Lichtanlage mit rutschendem Seitendynamo und Glühfadenbirnchen ist heute passé.

Das wichtigste ist das Rücklicht, schließlich ist man mit dem Auto auf der gleichen Fahrbahn. Für Hinten gibt Rücklichter mit strahlend hellen roten LEDs und zusätzlichem Reflektor, die Batterie hält bei normaler Nutzung ein Jahr durch. Kann man am Rad lassen, klaut keiner, bei Preisen ab unter 10€.

Beim Vorderlicht wird es aufwendiger. Bei Alltagsrädern bietet sich ein Nabendynamo als Stromquelle an, und fest montierte, helle LED-Scheinwerfer gibt es ab ca. 30€. Dafür bekommt man bereits Scheinwerfer, die deutlich heller sind als die vorgeschriebenen 10 Lux, die zum gesehen-werden ausreichen sollten, zumal das auch nicht ganz nicht so wichtig ist, weil der Gegenverkehr hoffentlich auf der anderen Seite der Straße fährt.

Bei Sporträdern (MTB oder Rennrad u.ä.) und teilweise auch bei "kurzlebigen" Kinder- und Jugendrädern, will man in der Regel keinen Nabendynamo installieren. Es gibt hervorragende LED-Scheinwerfer, die allerdings auch recht teuer sein können. Meiner Meinung lohnt sich die Investition aber. Speziell dann, wenn man sich sagt, dass man auch gerade mal eine gute Taschenlampe gebrauchen kann oder mehrere Fahrräder hat. Umgekehrt ist es nicht so toll: eine Taschenlampe an den Lenker klemmen kann man zur Not machen, aber der Lichtkegel ist dafür ungeeignet. Weil ein Vorderlicht zwei Funktionen hat: gesehen werden und selbst sehen. Gesehen wird man mit einer hellen Taschenlampe am Lenker durchaus. Aber der meist runde Lichtkegel bietet einem selbst kein gutes Sehfeld und kann auch den Gegenverkehr auch blenden. Wobei letzteres meist übertrieben wird, die geringe Leistung einer Batterielampe kann diesbezüglich mindestens 110 Watt der Autoscheinwerfer nicht konkurrieren, selbst wenn diese korrekt eingestellt sind.

 

Empfehlenswert sind Batterielampen mit mehreren Helligkeitsstufen. Wenn man nur gesehen werden will, genügen die vorgeschriebenen 10 Lux, und die Batterie oder die Akkus halten das fast 10 Stunden durch. Wer aber bei Dunkelheit auf unbeleuchteten Straßen oder gar im Wald fährt, ist oft schneller als das Licht. Hier fängt es so ab 50 Lux an, ausreichend hell zu werden. Die stärksten Brenner bieten bis zu 150 Lux, halten diese Helligkeit dann aber auch nur eine Stunde oder etwas mehr durch. Busch&Müller und Trelock beispielsweise bieten mit ihren Spitzenmodellen Lampen an, die sich in 5 und mehr Helligkeitsstufen regeln lassen und ziemlich genau die Zeit anzeigen, die diese Helligkeitsstufe zulässt.  Auf diese Weise ist man vor überraschender Dunkelheit recht gut geschützt ...

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E-bikes oder No sports?

Essay

Als in der ZEIT ein Redakteur über ein E-bike berichtete mit dem er einen Praktikanten zu einem Termin losschickte, und der dabei mehrfach einen Rennradfahrer überholte, gab es dazu mehrere Hundert Leserkommentare unterschiedlichster Art. Zum Verständnis – das soll keine Werbung sein – bei dem E-Bike vom Typ Pedelec handelt es sich um das estländische Ampler Hawk ohne Gangschaltung, Akku im Rahmenrohr und einem unauffälligen Radnabenmotor hinten, kaum größer als eine Nabenschaltung. Das Ganze um die 14kg. Vergleichbare Räder gibt es auch von Specialized und von Coboc, auch als S-Pedelecs, mit Motorunterstützung auch über 25 km/h.

Während die Leserbriefschreiber sich einerseits über einen Rennradfahrer mokierten, der sich von einem 25km/h-Pedelec überholen lässt, regten sich Fundamentalisten wie üblich darüber auf, dass es E-Bikes überhaupt gibt. Übrigens, auch der ADFC siedelte anfänglich E-Bikes mehr bei den Kraftfahrzeugen an, als bei den Fahrrädern zuzuordnen. Das ist lange her, aber die Einstellung lebt noch. Warum eigentlich? Einen Leserbriefschreiber paraphrasierend, ist es doch so: die 100%igen fahren mit einem 20kg schweren Hollandrad ohne Gangschaltung, die 200%igen gehen zu Fuß und die 300%igen gehen nackt und barfuß. So betrachtet, ist ein modernes Rennrad ein ebenso hochgezüchtetes Hilfsmittel wie ein E-Bike; wo ist der Unterschied? Eine denkbare Antwort Antwort: bei der „Zusatzenergie“ durch der Fahrzeugbatterie. Ja, dann soll der nicht-motorisierte Radfahrer aber bitte keine Müsliriegel und sonstiges Doping während der Fahrt zu sich nehmen, Zusatzenergie! Man kann das jetzt für weit hergeholt halten. Und nicht lachen: man kann tatsächlich darüber nachdenken, ob es nicht besser ist, eine Batterie mit Solarstrom zu laden als die energieadäquate Nahrung für den ineffizienten menschliche Körper zu produzieren. Ok, denkt man, jetzt kommt er noch mit der Photosynthese. Nein, das nicht, aber trotzdem stellt sich die Frage, was eigentlich der Unterschied zwischen Fahrrad und E-Bike ist? Zumal die Rennradzeitschrift „Tour“ Vorteile von Rennrädern durch verbesserte Aerodynamik und vermindertes Gewicht in Watt bzw. Wattstunden umrechnet, in der – voilà – auch Batteriekapazitäten ausgedrückt werden.

Ich würde sagen, das Fahrrad zwingt den Fahrer, sich anzustrengen, zumindest beim Anfahren und am Berg. Der E-Bike-Fahrer kann sich genauso anstrengen, muss es aber nicht. Und da Menschen, besonders nach Meinung selbsternannter Leistungsträger, von Natur aus faul sind, ist der Fall klar, der E-Biker strengt sich nicht an, und das ist zu kritisieren, besonders in Deutschland ...

Ich denke eher, viele E-Biker strengen sich so an, wie sie möchten und können. Ich kenne eine Studentin, eine ausgezeichnete akrobatische Turnerin mit sicher mehr und wohldefinierter Muskelmasse als die meisten Hobby-Rennradfahrer. Sie fährt ein E-bike. Mit Tiefeinstieg. Ein anderer Student fährt ein E-MTB. Ein bisschen verschämt, ja. Aber irgendwann wird das absolut normal, und das ist auch gut so. Kein noch so ökologisches Auto wird jemals so effizient sein wie ein E-Bike, das verhindern die Gesetze der Physik.

Ich fahre selbst fahre verschiedene Fahrräder, im Alltag, Straßenmarathons mit Rennrad, und Alpencross mit Mountain-Bike, aber bin aber noch nie mehr als 500m am Stück mit einem E-Bike gefahren. Ich könnte mir gut ein leichtes single speed S-Pedelec vorstellen, ähnlich dem anfangs vorgestellten, mit dem sich ein 32 km/h Schnitt auch im innerstädtischen Verkehr mit hügeligem Profil fahren fahren ließe, das wäre schneller als als mit einem Auto zu erwarten ist. Mit einem 25er Pedelec geht das nicht, da der Motor bei 25km/h abschalten muss. Was also wirklich gegen Pedelecs und für „stromlose“ Fahrräder spricht, ist zum einen, dass sportliche Fahrer das Zusatzgewicht von Motor und Batterie die meiste Zeit spazieren fahren. Zum anderen, und das ist für mich der größere Nachteil, ist es der Verlust der Unabhängigkeit des Radfahrens. Eine Fernreise oder auch schon eine offroad-Alpenüberquerung, mit Zelt und Rucksack z.B. ginge niemals mit mitgeführten Batterien, sie wären zusammen mit dem Motor die meiste Zeit nutzloses Zusatzgewicht. Und das zählt auf Schotter und Trail bergauf doppelt und dreifach, der Gesamtnutzen wäre hier eindeutig negativ. Und nicht zu vergessen, die zusätzliche Planungsarbeit, wann und wo man Batterien laden kann und wie viel Zeit man dadurch verliert. Ganz zu schweigen von Defekten bei der Elektrik, die viel schwieriger zu reparieren sind als die standardisierten mechanischen Komponenten.

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