Linke Fußgänger

Es ist unvermeidlich, dass Fußgänger und Wanderer des öfteren auf der Straße gehen müssen. Dass sie links gehen sollten, ist allgemein bekannt. Schließlich will man nicht nur hören, dass etwas kommt, sondern auch noch sehen, wie ES sich verhält, mit Sicherheitsabstand und so.

Aber ähnlich wie beim Überholen von Radfahrern fahren Autos oft viel zu knapp und zu schnell vorbei. Ein wundersames Gegenmittel ist ein Wanderstab, egal ob ein richtiger Treckingstock, ein Regenschirm oder improvisiert aus einem Stück Holz vom Wegesrand. Wenn der Spaziergänger diesen schwingt wie der lustige Müller oder je nach Neigung Gene Kelly und Fred Astaire - natürlich mit der linken Hand --, machen selbst gepanzerte Autos und natürlich auch freche Radfahrer einen Riesenbogen.

Ansichten und Einsichten beim Radfahren - Mobilitätsblog

Beim Radfahren kommen einem die besten Ideen (Albert Einstein).


Viele Menschen haben Angst vor dem Fahren auf der Straße

und wollen nicht "richtig" fahrradfahren, solange nicht ihrer Meinung genügend Radwege da sind. Sie fahren dann oft auf dem Bürgersteig, eventuell noch im Urlaub in touristischen Gegenden und sonst gar nicht. Für Stadtplaner ist das wieder ein Henne-Ei-Problem.

 

Gegenfrage

Wenn Sie autofahren, haben Sie schonmal das Problem gehabt, dass Sie einen vor Ihnen herfahrenden Radfahrer übersehen haben? Wohl kaum. Niemand, außer Terroristen vielleicht, würde einen Radfahrer von hinten überfahren. Unfälle passieren, wenn ein Radfahrer plötzlich auftaucht, z.B. wenn diese von Radwegen kommen und die Straße kreuzen müssen. Oder wenn Radfahrer zu weit rechts fahren und man glaubt, sie trotz Gegenverkehr noch überholen zu können.


Knapp vorbei.

Es ist nicht dasselbe, ob ein Radfahrer knapp am Auto vorbeifährt, oder ein Auto knapp überholt. Das erste ist Gefährdung, das zweite kein Problem, wenn das Auto steht oder langsam fährt.


Mädchenfrage (SZ)

Warum versuchen Jungs vor der Ampel stehenzubleiben ohne abzusteigen? Macht Spaß, wenn man eh nichts anderes zu tun hat, ist Training für Fußgängerzonen, und das Anfahren geht im Kavalierstart.


Warum Blinken und Winken sie nicht?

Autofahrer blinken oft nur dann, wenn sie meinen dass es jemanden anderen interessieren könnte. Radfahrer zählen nicht, die können ja eh nichts machen. Können sie doch: nämlich rechts oder links vorbeifahren oder überholen auch wenn wenig Platz ist. Besonders ärgerlich bei Parkplatzsuchern: will er links in die Lücke, rechts in die Lücke, ich will aber nicht warten, sondern wissen wo und wie ich hier jetzt vorbeikomme!


Die Radler winken

-- vulgo Handzeichen -- nicht beim Abbiegen, sondern lange vorher. Wer fährt einhändig eine Abzweigung mit mehr als 15km/h? In der Stadt mit kurzen Abständen zwischen Abzweigungen geht auch das manchmal nicht, dann hilft nur ein eindeutiger Spurwechsel als Anzeige. Auch beim Rechtsabbiegen muss man nach links ausholen, allerdings nur bis maximal zur Straßenmitte. Wenn man links abbiegen will, muss man deutlich machen, dass man nicht mehr links überholt werden will, wie beim Auto auch. A


Anständiger Abstand

vom Straßengraben: 1,50m, Reifenspur. Bei Hindernissen in Lenkerhöhe, parkenden Autos und Pfosten 1,50m ab Lenkerende. Faustregel: dort, wo der rechte Reifen der KFZ herfährt, ist die Radlerspur. Autofahrer wollen schließlich auch beim träumen und und simsen nicht versehentlich im Straßengraben landen.


Abstand beim Überholen, von Hasen und Tangenten

1,50m sollten es schon sein, Gemessen ab Lenkerende. Bei Gegenverkehr kann ein Radfahresr selten überholt werden.

Tangente beachten: um den Radfahrer ist ein Kreis oder besser eine Kugel, der Berührungspunkt der Tangente ist 1,50m neben dem Radfahrer. Das Gegenteil der Tangente beim Überholen ist der bekannt hakenschlagende Hase. Die Hasenüberholer haben offenbar ein Problem mit der Relativgeschwindigkeit, sie fahren so, als würden sie ein stehendes Objekt überholen, etwa ein parkendes Auto. 


Wenn Überholen nicht geht,

z.B. an künstlichen Verengungen durch Verkehrsinseln, darf und soll man als Radfahrer straßenmittig fahren, alles andere ist eine gefährliche Einladung. An längeren Engstellen wie einspurigen Baustellen ist zuvorkommendes rechts anhalten eine Alternative.


Zuvorkommenes Verhalten und vorauseilender Gehorsam

Wenn man als Radfahrer respektiert wird, finde ich zuvorkommendes Verhalten des Radfahrers gegenüber allen Verkehrsteilnehmern selbstverständlich. Respektlosigkeit will ich jedoch keineswegs falschem Gehorsam belohnen, wenn ich Vorfahrt habe und sie gefahrlos in Anspruch nehmen kann, nehme ich sie mir gerade dann, wenn das Gegenüber in Ist-ja-nur-ein-Radfahrer-Manier sie mir nehmen will.


Schau mir in die Augen, Kleiner oder Blickkontakt I

'Wo man als Radfahrer übersehen werden kann, z.B. an Einmündungen, Blickkontakt suchen, wenn das nicht gelingt, Finger auf die Bremse, egal ob Vorfahrt oder nicht!


Blickkontakt II

Radfahrer an vorfahrtsbrechtigten Engstellen: Blickkontakt vermeiden. Man kann schließlich unmöglich übersehen worden sein, wenn ein wartepflichtiger Autofahrer an Engstellen keine Anstalten macht anzuhalten oder mindestens bis zu Schritttempo abzubremsen. In dieser Situation fährt man mit aller Vorsicht, aber eindeutig, mittig frontal, bis der Autofahrer anhält und man gefahrlos an ihm vorbeikommt. Hier sollte man, ganz wie bei Hunden, ganz neutral ohne Blickkontakt vorbeifahren, es ist schließlich die natürlichste Sache der Welt und der StVO, dass das Gegenüber anhält. Sieht der andere das genauso, ist sowieso alles klar. Sieht er das anders, kann man sowieso nur falsch reagieren.


Manöver

Auf der Straße ist vieles grundsätzlich erlaubt, wie zum Beispiel wenden oder rückwärts ein- und ausparken. Oder über einen Bürgersteig auf eine Straße einfahren oder sie verlassen (Hauseinfahrt). Aber: wenn was passiert, ist der manövrierende immer schuld. Ich hatte einmal mit einem Rennrad scharf bremsen müssen weil ein Auto mittenauf der der Straße wendete. Ohne mit dem Auto zu kollidieren, bin ich gestürzt und Vorderrad und Hinterrad waren verbogen. Ich hätte ihm theoretisch ausweichen können, wusste aber nicht, ob nach rechts oder links. Der Autofahrer wollte achselzuckend weiterfahren -- is ja nichts passiert -- woran ich ihn gerade noch durch das offene Autofenster hindern konnte. Die hinzugezogene Polizei sagte als erstes, dass jemand, der au der Straße wendet, immer der Schuldige ist. Nach zwei Briefen habe ich die verlangten 700 € für den Schaden bekommen, wobei ich darauf hingewiesen haben, dass ich auf meinen Anspruch auf Taxi zum Nachhausefahren, Leihfahrrad für die Reparaturzeit sowie die medizinische Behandlung von Schürfwunden verzichte.


Manöver II

Wenn jemand bräsig auf der Straße wendet und die anderen Autos auf beiden Spuren wohl oder übel warten bis er fertig wird, fahre ich oft mit dem Fahrrad rechts oder links vorbei, je nachdem, ob gerade Vorwärts- oder Rückwärtsgang eingelegt ist.


Manöver III

Was der Autofahrer darf, gilt auch für Radfahrer: eine Straße vom Bürgersteig aus zu betreten oder zu verlassen, sowie auf der Straße wenden. Daraus folgt unter anderem, dass man eine Straße überall queren darf (nicht kann), außer vielleicht direkt auf roten Fußgängerampeln. Daraus folgt weiter, dass Querungsampeln für Fußgänger und Radfahrer nur eine empfehlende Bedeutung haben, zumindest solange es an dieser Stelle keinen benutzunspflichtenden Radweg gibt. Das ist auch vollkommen richtig, denn eine Querungsampel soll helfen, über die Straße zu kommen. Wenn eine solche Hilfe nicht zu erkennen ist, etwa bei wenig Verkehr oder spät abends, kann man neben der Ampel über die Straße gehen oder radeln. Aber klar, das ist ein Manöver auf eigene Verantwortung. Wer nicht gut zu Fuß ist, betrunken oder smartphonelesend, oder einfach Lust auf eine kleine Pause hat, soll die Hilfe der Ampel in Anspruch nehmen.


Lieber bei rot als tot,

Querungsampeln auf grün sind dann hochgefährlich, wenn Rechtsabbieger auf der Straße auch grün haben. Mir ist es mehrfach passiert, dass ich bei grün glatt übersehen wurde, bisher ohne Unfall. Es ist immer sicherer, bewusst und vorsichtig bei rot zu queren als gedankenlos bei grün. Meine Mutter als Fußgängerin wurde bei grüner Fußgängerampel und Zebrastreifen fast tödlich überfahren.Natürlich ist es noch sicherer, bei grün mit aller Vorsicht über die Straße zu gehen oder zu fahren.


Hilfreich und Gut

sei die Bedarfsampel, vulgo Bettalampel. Es gibt in Deutschland Bedarfsampeln zur Straßenquerung, die nur eingeschaltet werden, wenn man auf den Knopf drückt (leider erstmal mit rot für die Fußgänger) und ansonsten stromsparend für alle Verkehrsteilnehmer ausgeschaltet sind. Wenn alles frei ist, geht man über die Straße wie an einem normalen Zebrastreifen. Bei viel Verkehr drückt man den Bedarfsknopf um dem Straßenverkehr zum Durchlass zu ersuchen.


Zebrasstreifen nicht für Radfahrer

Strenge Polizisten kassieren in Münster Verwarnungsgeld, wenn man als Radfahrer über einen Zebrastreifen fährt. Das ist normalerweise keineswegs verboten, man hat allerdings keine Vorfahrt gegenüber dem Autoverkehr. Die Sache sieht anders aus, wenn es einen verpflichtenden Radweg gibt.


Rotlichtverstoß

Ein Umfahren (womit ich umrunden meine, anders schafft der Radfahrer das sowieso nicht ...), einer roten Ampel ist gesetzlich ein Rotlichtverstoß und nicht eine Ordnungswirdrigkeit wie Fahren auf dem Bürgersteig. Da lohnt es sich auch für Eilige bei T-Kreuzungen oder beim Rechtsabbiegen, die zwei Meter über den Bürgersteig zu schieben.


Der Stärkere gibt nach

und ist dann auch der Klügere. Das sollte selbstverständlich sein unabhängig von gesetzlichen Bestimmungen. Autofahrer nimmt Rücksicht auf Fehler von Radfahrern und Fußgängern, Radfahrer nehmen Rücksicht auf Fehler von Fußgängern und Hunden. Auch dann, wenn das Fehlverhalten bewusst gemacht wird, lässt sich der klügere nicht provozieren. Er als Stärkerer und Schnellerer hat nichts zu verlieren.


Der Schwächere hat recht.

Bei der Diskussion um Entscheidungs-Dilemmata bei selbstfahrenden Autos wäre das ein praktikbles Kriterium. Die bekannte ethische Frage, ob ein selbstfahrendes Auto, wenn es in die entsprechende Situation gerät, eher den Fahrer rettet in dem es z.B. in Fußgänger oder Radfahrer fährt als gegen einen Baum oder Gegenverkehr, sollte sich so entscheiden lassen. Der Fahrer hat ein sicherheitstechnisch ausgerüstetes Auto und mehr Überlebenschancen, als die ungeschützten und vielleicht sogar unbeteiligten Verkehrsteilnehmer.


Wenn der Stärkere Radfahrer den Schwächeren Fußgänger bedrängt,

kann der sich wehren. Einen Radfahrer, der Fußgänger gefährdet, auf Waldpfaden oder in Fußgängerzonen, lässt sich verdammt leicht zum Sturz bringen, z.B. durch einen unkalkulierbaren Ausweichschritt. Oder indem man als Fußgänger eben nicht wie erwartet ausweicht, sondern sich vielmehr versteift.


Rowdys, Kampfradler und -raser

gibt es unter den Radfahrern auch, bestätigen aber keine Regel. Nachts in dunkler Kleidung ohne Licht über eine rote Ampel zu fahren kann sich schon aus evolutionsbiologischen Gründen nicht zu einem Problem entwickeln.


Gute Radfahrer kommen überallhin,

schlechte schnell in den Himmel (frei nach Ute Erhardt). Was ist mit den bösen Radfahrern?


Frechheit ist

ein Regelverstoß, der im Einzelfall niemandem schadet und erst in einem größerem Umfang sich zu einen Problem ausweitet. Oder spitzfindige Auslegung von Gesetzen und Regeln. Was also jeder Mensch ständig macht, und als Radfahrer besonders, weil die meisten Regeln im Straßenverkehr auf Autofahrer zugeschnitten sind.


Freiheit und Frecheit, nur 1 Buchstabe Unterschied (Arno Schmidt)

Kein Radfahrer reiht sich länger als eine Ampelphase in einen Stau ein, was normalerweise auch nicht erwartet wird, weil er rechts vorbeifahren und auch links überholen darf. Wenn das aber nicht geht, weil die Autos im Stau versetzt stehen, braucht es manchmal etwas Frechheit wie Bürgersteignutzung oder Slalomfahrten oder umgehen von roten Ampeln beim rechtsabbiegen oder an T-Kreuzungen. Das gefällt nicht allen, schadet aber niemanden, halt Frechheit. Auch akzeptiert kein Radfahrer Umwege wegen gesperrter Straßen. An Baustellen kommt man immer irgendwie vorbei, zur Not als Fußgänger über Zäune und mit dem Rad über dem Kopf getragen.


Jeder verstößt jeden Tag gegen Gesetze.

Man muss Grenzen kennen und Provokationen vermeiden. Der eine fährt mit dem Rad auf dem Bürgersteig, wo er es nicht dürfte, der andere fährt mal mit dem Auto zu schnell, mit dem Motorrad zu laut und wieder andere lassen ihren unkontrollierbaren Hund von der Leine. In Maßen, und rücksichtsvoll, und solange nichts passiert, ist alles in Ordnung.


HIIT und Lob dem Wiegetritt.

Während Kinder das ganz automatisch machen, um mehr Druck auf das Pedal zu bekommen, sieht man das bei Erwachsenen auf der Straße selten, vielleicht mit Ausnahme von Rennradfahrern. Auch wenn ein richtiger Wiegetritt nicht wirklich effizient ist, macht die kurzzeitige höhere Leistung warm, trainiert nach Methode Hoch-Intensives-Intervall-Training (HIIT) ganz altmodisch auch gerne Fahrtspiel, lockert verkrampfte Haltung, besonders den Rücken, und macht Speed beim Anfahren und am Berg. Und ganz nebenbei schafft die Anfahrgeschwindigkeit zusammen mit der breiten Wackelspur gehörigen Respekt beim Überholen. Der Abstand wird richtig groß, einerseits wohl aus Angst ums Blech, andererseits sieht man ja eindrucksvoll, dass der Radfahrer sich redlich bemüht, die Nachfolger nicht auszubremsen …


Viele Räder

Radfahr-Anfänger träumen vom ultimativen Fahrrad. Ich meine, das gibt es nicht. Auf der Straße und im Wald, auf der Reise und zum Einkaufen, zum Flanieren und zum schnellen Vorwärtskommen. Fahrräder sind unverwüstlich und verursachen keine Fixkosten (e-bike-Akku vielleicht ausgenommen). Ab und an ein neues Rad und die guten alten behalten. Alltagsrad und Reiserad, Winterrad (Salzmöhre), Rennrad und Gravelbike, Mountainbike.


Alte Räder.

Hochwertige alte Räder werden nicht schlechter, sondern neuere Räder werden besser. Aber neue Technik ist meistens auch empfindlicher und weniger robust.


Die Freiheit des Radfahrens

ist, dass man aus eigener Kraft überall hin kommt, von Tür zu Tür. Das man die Umwelt direkt wahrnimmt. Dass man die Gedanken schweifen lassen kann. Dass man jederzeit stehen bleiben kann. Dass man dabei Musik hören kann, stimmungsvoll oder rhythmisch zum Tritt. Dass man sich anstrengen kann. Dass man sich so verausgaben, durchfrieren, durchnässen kann, dass man high wird (dann aber aufpassen!) und danach die elementarsten Bedürfnisse der Welt wie Ruhe, Wärme, Essen und Trinken die gleichen Glücksgefühle auslösen wie LSD und Lottogewinn zusammen, und das immer wieder.


Parfüm von Patrick Süskind.

Radfahrer riechen gut – wobe ich hier hauptsächlich das aktive Riechen meine. Vermutlich aktiviert die Frischluft-Durchspülung den Geruchssinn immer wieder neu. Als Radfahrer komme ich mir manchmal vor wie Grenuoille, der Protagonist des Romans, der im Paris des 19.Jh einen übermenschlichen Geruchssinn hat (allerdings ohne dessen Morde). Bei einem Autofahrer mit offenem Fenster rieche ich, wenn er mit 70 auf der anderen Spur fährt, ob er Zigarette, Pfeife, Zigarre oder gar nicht raucht.

Und genauso kann ich, der visuell gerade einmal einen VW Käfer von einem Porsche unterscheiden kann, am Geruch unterscheiden, was für eine Art Kraftfahrzeug oder genauer gesagt, Motor vor mir fährt oder steht. Benziner und große LKW riechen erstaunlich wenig, der penetranteste Geruch geht von großen Limousinen aus. Busse riechen mehr nach heißer staubiger Luft. Ältere Dieselfahrzeuge riechen anders als neue, meistens weniger stechend, dafür mehr staubig. Überholende Dieselfahrzeuge riechen anders also entgegenkommende (die übertriebene Beschleunigung der meisten Fahrer produzieren stärker riechende Abgase). Was ich rieche, kann ich nicht sagen, ob Ruß, Stickoxide oder irgendetwas anderes. Anfänglich dominiert ein unangenehm stechender, anschließend ein eher warm-staubiger und im Abgang schließlich ein öliger Werkstattgeruch. Ich habe im Normalfall keine Angst vor Gesundheitsgefährdung, weil ich denke, dass die Verdünnung durch den Luftaustausch im Freien vor gesundheitsgefährdenden Konzentrationen schützt, aber ich halte oft mal die Luft an und atme dann anschließend intervallartig aus, wenn das Fahrzeug vorbei ist. Kloake und Pisse in Unterführungen z.B. kann ich problemlos aushalten, Diesel und Tabakrauch empfinde ich schwer zu ertragen.


Affendiesel

Auf dem Höhepunkt des Dieselskandals 2017 und lange vor Bekanntwerden der "Versuche" mit Affen und Menschen suchte der WDR jemanden, der zur Stoßzeit die höchstbelastete Straße der Stadt mit dem Fahrrad fährt. Ich hatte zugesagt, aber kurz vor dem Ortstermin kam die Absage, dass man den Bericht irgendwie anders gestalten würde. Über die Gründe für demn Rückzieher weiß ich nichts. Ethisch fragwürdiger Versuch (eher nicht), wissenschaftlicher Humbug (ganz sicher), Rücksicht auf die -"Gefühle" von Dieselfahrern und Stadtverwaltung?


Linksparker und Geisterfahrer,

immer wieder erschreckend ist die Unsitte, links zu parken und zu halten, nur um ein paar Meter weniger laufen zu müssen. Wenn ich ein linksparkendes Auto sehe, fahre ich mit so großen Abstand vorbei, dass ich fast auf Gegenfahrbahn bin. Zu oft fahren diese Autos unvermittelt los – natürlich vorwärts. Auch die Post macht das gerne (wobei ich aber in diesem Fall den Eindruck habe, dass diese Fahrer sehr gut aufpassen).


Lärm um nichts.

Ich sehe nicht ein, warum ich Fußgänger, die auf Radwegen bzw. gemeinsamen Fuß- und Radwegen durch Klingeln warnen soll, wenn ich an ihnen problemlos vorbeifahren kann. Ein Radfahrer ist keineswegs lautlos, Kinder und Jugendliche hören Radfahrer immer (es sei denn, sie haben gerade Musik im Ohr). Wer schlecht hört, sollte das wissen und entsprechend mit den Augen aufpassen. Ich bin an Taubheit grenzend schwerhörig und weiß praktisch immer, was hinter mir vorgeht. Ganz davon abgesehen, wenn genug Platz da ist, besteht ja kein Handlungsbedarf. Allerdings ist klar, dass die Geschwindigkeit des Radfahrers so reduziert werden sollte, dass selbst eine Schreckreaktion keinen ernsthaften Unfall verursachen kann.


Klingeln.

Manchmal muss man natürlich ein Warnsignal geben, wenn sonst kein Durchkommen ist, weil eine Gruppe in breitestmöglicher Formation über einen Radweg schlendert. Ich mache das lieber mit Worten, und habe ich weitaus größeres Reportoire durch Wortwahl, Lautstärke und Tonlage.


Hupen.

Hupen ist auschließlich zum Warnen vor Gefahr zulässig. Als Autofahrer habe ich in meinem Leben noch nie die Hupe benutzt, außer wenn ich versehentlich mit dem Ellbogen daran gestoßen bin. Wann kann man schon vor Gefahr warnen? In einspurigen unübersichtlichen Kurven im Gebirge sicherlich, aber da fahre ich eher nicht und gehe auch hier davon aus, dass man eine an die Sichtweite angeapasste Geschwindigkeit einhält.

Wenn ich eine Gefahrensituation sehe, reicht meine Reaktionzeit hoffentlich fürs Bremsen, dass ich dabei noch hupen kann ist ausgeschlossen. In gefühlt 95% der Fälle wird gehupt, weil man sich ärgert über eine vergangene Situation z.B. gerne über Radfahrer auf der Straße, wenn nebenan irgendein für Radfahrer befahrbarer Streifen zu sein scheint. Die restlichen 5% sind für das Begrüßen von Bekannten oder zum Aufwecken von Menschen, die an der Ampel nicht schnell genug losfahren.


Wenn Überholen nicht geht,

z.B. an künstlichen Verengungen durch Verkehrsinseln, darf und soll man als Radfahrer straßenmittig fahren, alles andere ist eine gefährliche Einladung. An längeren Engstellen wie einspurigen Baustellen ist zuvorkommendes rechts anhalten eine Alternative.

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