Von Fahr-, Mühl- und Wasserrädern an der Wupper

Bild1: © Hermann-Josef Sabrowski. 9 unverdrossene Radfahrer
Bild 2: © Sabine Krämer-Kox, Haus Rüden

In Kooperation des „:aqualon Vereins e. V.“ und des ADFC wurde am 04.09.2016 zur Wupper-Runde eingeladen, die neben :aqualon- und Dhünn-Runde Bestandteil des Bergischen Trassen-Trios ist.

 

Der ADFC dürfte hinlänglich bekannt sein. Das Projekt :aqualon wurde vom Rheinisch-Bergischen Kreis sowie dem Wupperverband (als Projektträger) unter Einbindung der weiteren relevanten Akteure (Wasserwirtschaft, Wasserversorgung, Bildung, Tourismus, Wirtschaftsförderung, Naturschutz, Unternehmen mit wasserwirtschaftlicher Kompetenz) im Rahmen der Regionale 2010 vorangetrieben. Im Wesentlichen beschäftigt sich das Projekt mit dem Einzugsgebiet der Großen Dhünn-Talsperre (Dhünn-Hochebene) und dem Flusslaufsystem der Dhünn. Zentrales Thema ist „WASSER“ - dessen Gewinnung, Nutzung, Schutz -  aber auch Wasser als (un)mittelbarer Lebensraum für Fische, Vögel, Frösche, Kleinstlebewesen und Erforschung bzw. Wiederherstellung dieses Lebensraumes.

 

Die Hauptthemenkreise ("Säulen") sind: „Erlebnis“, „Wirtschaft“, „Vermittlung“ und „Wissenschaft“. Mehr Informationen zu diesem Thema unter: http://www.gaerten-der-technik.de

Um die „Erlebniswelt Wasser“ ging es also, als neun unverdrossene Radfahrer [Bild 1] zur Wupper-Runde jeweils ab Leichlingen, Burscheid und Wermelskirchen starten.

 

Für „:aqualon“ witterungstechnisch ein guter Tag – viel Wareneingang (= Regen) – war zu erwarten. Die kleine Gruppe konnte sich dann auch gerade noch bis zu einer Schutzhütte an der Sengbach-Talsperre (!) retten, um ein Gewitter abzuwettern. Aber was so echte „Bergische“ sind, die kann dies nicht wirklich verdrießen, und so wurde die Runde fortgesetzt – gemäß dem Motto „Ist doch nur Wasser“ – und Wasser ist ja schließlich das zentrale :aqualon-Thema.

 

Was Wasser so alles kann, erfuhr man dann im Rahmen einer sehr interessanten Führung im Balkhauser Kotten. Der Balkhauser Kotten weist ein oberschächtiges Wasserrad auf – so genannt, weil das Wasser von „oben“ auf das Rad „fällt“. Je nach Zuflussmenge werden Höchstleistungen erreicht und mittelbar die schweren Schleifsteine angetrieben. Unterschächtige Wasserräder werden übrigens durch Wasserströme bewegt, die unter dem Rad herfließen.

 

Den Zuhörern wurde erläutert, wie kalt, feucht und dunkel es anno dazumal war – keine Spur von Industrieromantik. So idyllisch der Kotten heutzutage am Wupperufer ruht, so laut, hektisch und lebensgefährlich ging es früher zu. Während die Besucher heute die Mechanik und Finessen bewundern, waren die Arbeiter damaliger Zeiten froh, wenn sie der Arbeitsstätte den Rücken kehren konnten. Viele Arbeiter starben durch Arbeitsunfälle, so z. B. wenn sich Stücke des Schleifsteins lösten und mit Wucht durch die Werkstatt flogen oder sie starben früh an Steinstaublunge. Das Bruchstück, das den Schleifer tötete, kam übrigens auf dessen Grab, die Witwe, die Ehemann und Ernährer der Familie verloren hatte, erhielt den Rest des Schleifsteins, um wenigstens ihre Messer daran schärfen zu können. Halbe Schleifsteine vor bergischen Häusern zeugen davon, dass hier ein Schleifer ums Leben kam.

 

Froh, in der heutigen Zeit zu leben, setzen alle - nachdem noch das eine oder andere mit Wasserkraft geschliffene  Küchenmesser (made in Solingen)  gekauft worden war - den Weg fort und freuten sich schon auf die Mittagsrast im Haus Rüden [Bild 2]. Inzwischen schien sogar die Sonne  - schlecht für :aqualon, gut für die Radfahrer. Weitere „Genüsse“, deren Grundlage Wasser bildet – Bier, Suppe und Kaffee – wurden eifrig konsumiert – ersteres selbstverständlich alkoholfrei.

 

Im weiteren Verlauf des Tages gab es Wasser weniger hautnah, sondern nur noch in Form von Flüssen (Wupper), Bächen (Murbach), Talsperren (Diepentalsperre) und alle hatten Was(s)erlebt.

 

Auch nächstes Jahr werden wir wieder Wupper-Runden anbieten, damit möglichst viele hiesige Radfahrer Wasser, insbesondere wenn es vom Himmel fällt, mal mit anderen Augen sehen.

 

Sabine-Krämer-Kox

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