Über alle Berge - die Vorbereitung

Bild 1 - Das Höhenprofil der gesamten TransAlp
Bild 2 - Da müsssen wir drüber ...
... aber nicht frontal.

Der Plan war halt, mal was Besonderes zu unternehmen. Wir im Bergischen meinen zwar, das wäre manchmal schon ganz schön bergisch, aber die Alpen sehen schon imposanter aus und man hat doch ein wenig Respekt.

Was ist, wenn man das nicht schafft - oh - wie peinlich. Also alleine und nicht mit Bekannten durch die Alpen!

Und - erst mal informieren: Da wird man schnell fündig. Es gibt Reiseanbieter, die einen bei der Strapaze unterstützen, z.B.

  • Gepäcktransport auf allen Touren (sehr gut - kein Koffer auf dem Rad und trotzdem immer frische Wäsche)
  • Übernachtung in schönen Hotels (heisst auch: Man braucht länger als einen Tag)
  • Immer ein reichhaltiges Frühstücksbuffet (Energie für den Tag)
  • Mehrgängige Abendmenüs auf allen Reisen – wenig Extrakosten für Sie
  • Bestens ausgebildete Guides
  • Mehr Urlaubsspaß durch kleine Gruppen – nette Leute treffen
  • Ausgeklügelte Routen, die so in keinem Führer stehen
  • Kein Kartenlesen, keine Hotelreservierungen, keine Irrfahrten Folgen Sie einfach unseren erfahrenen Guides, genießen Sie die Landschaft und vergessen Sie den Alltag

Na prima - das liest sich doch gut.

Es gibt einige TransAlp Strecken - also muss erst einmal die Eine ausgesucht werden.

Via Claudia Agusta - hört sich gut an. Den Weg haben die Römer vor 2000 Jahren in die Alpen geklopft - Die wollten sicher auch gerne was unternehmen, was Spaß macht. Trekkingrad-geeigent und Schwierigkeitsstufe 1-2. Das muss doch zu schaffen sein.

OK, es gibt 4 Stufen: 1=Genussbiken und 2=Biken für Aufsteiger. Genussbiken durch die Alpen? Eher doch was für Aufsteiger. oder? Kondition: Tagesleistungen von bis zu 1000 hm und 80 km. Geht das ohne Trainingsprogramm? Sicher nicht.

  • 2x die Woche Radfahren fest einplanen und möglichst keine Ausrede zulassen.
  • Abwechslungsreich trainieren. Immer gleichbleibende Belastung führt zur Stagnation.
  • Blocktraining einhalten! Auf drei Trainingstage folgt ein Ruhetag. Auf drei Trainingswochen folgt eine Ruhewoche.
  • Mut zur Pause: Regeneration optimal timen. Schon bei einer nahenden Erkältung pausieren. Mit einem Infekt ist der Körper schon genug geschwächt und kann einen Trainingsreiz nicht verarbeiten.
  • Öfter und langsamer fahren. Sportmediziner empfehlen regelmäßige Ausfahrten in moderatem Tempo. Das stärkt die Grundlagenausdauer, die für die Bewältigung langer Strecken entscheidend ist.
    Wer zu Hause ankommt und denkt, er könnte locker eine weitere Stunde fahren, der hat richtig trainiert.

Trainiert wird im Bergischen, wohl das schönste Freizeitgebiet überhaupt auf dieser Erde. Von den Höhen genießt man atemberaubende Aussichten auf tiefgrüne Wiesen und abwechlungsreiche Wälder und natürlich die Talsperren. Alle werden sie in den folgenden Wochen umrundet: Große Dhünn-, Wupper-, Agger-, Brucher-, Lingese- (2. Heimat von Hans) und Bevertalsperre, um nur einige zu nennen.

Aber auch die Themenrouten wie :aqualon, Wupper- oder Dhünn-Runde werden regelmäßig er-fahren.

Und - kurz vor der "eigentlichen" Tour - fühlt man sich fit und den Aufgaben gewachsen. Du Ahnungsloser!

Dann kommt der 1. Tag ...

Über alle Berge - Tag 1

Bild 1 - Die Zugspitzbahn
Bild 2 - Das Zugspitzplatt
Bild 3 - Der Gipfel

"1. Tag: Anreise nach Mittenwald und Check-In im Hotel. Treffpunkt um 18:30 Uhr zum Begrüßungsdrink und Besprechung der Tour. Anschließend gemeinsames Abendessen."

 

Anreise nach Mittenwald war ok – und es ist noch Zeit. Wunschziel ist die Zugspitze, d.h. erst mal mit den Rad zum Bahnhof Eibsee. Von da fährt die Zugspitzbahn (Bild 1), eine Zahnradbahn, durch das Innere der Nordflanke (verrückt – wer baut denn so was). Endstation ist das Zugspitzplatt (Bild 2), von wo eine weitere Seilbahn zum Münchner Haus hinaufführt. Dann noch eine kurze Klettertour auf den Gipfel (Bild 3).

 

Einen Weg durch die Alpen sehe ich von hier oben allerdings nicht :-(

 

Hier oben herrscht rege Bautätigkeit: Die neue Seilbahn Zugspitze soll im Dezember 2017 fertig sein. Jetzt geht es noch mit der Gondel Eibseebahn nach unten – im dichten Nebel – was mir sehr entgegen kommt.

 

Ich kann dem Abgrund mutig in die Augen schauen, da ich ihn nicht sehe.

 

Schnell zurück ins Post Hotel – gerade noch rechtzeitig zum Begrüßungsdrink. Und eine Überraschung: Der Tour-Guide ist eine Frau: Monika aus dem Schwarzwald, ihre erste Tour. Die nächste Überraschung: 8 Frauen und 6 Männer – alle bis auf Dieter sind jünger (10-20 Jahre). Letzte Hoffnung Dieter, aber der erzählt im Vorstellungsgespräch von seinen Europaumradelungen.

 

Am ersten Berg wird sich Spreu vom Weizen trennen – ich hoffe auf Weizen, wenigstens am Abend...

Über alle Berge - Tag 2

Bild 1 - Karte
Bild 2 - Höhen- und Geschwindigkeitsprofil
Bild 3 - Rafting auf dem Inn
Bild 4 - Die Rosengartenschlucht in Imst
Bild 5 - Imst, Anfang der Rosengartenschlucht am Schinderloch - Häuser in den Berg gebaut
Bild 6 - die ursprüngliche Via Claudia Augusta
Bild 7 - Spuren der Via Claudia
Bild 8 - Pinion Tretlager Getriebe

"2. Tag: Das Karwendelgebirge im Rücken starten wir auf einsamen Wegen hinunter ins Inntal. Der Fluss weist uns den Weg und wir erreichen unser erstes Etappenziel, die Kleinstadt Imst. Entspannung im Wellness-Bereich des Hotels. 65 km, 860 hm"

 

 Endlich – es geht los. Wer hat das Wetter bestellt? Definitiv Fehlbestellung. Es nieselt – es ist kalt – und das Anfang August. Wir fahren aus dem Ortszentrum einige hundert Meter und dann geht es die Leutascher Straße aufwärts und bald queren wir die Grenze zu Österreich.

Das Rad ist schwer geworden, das schleppt man so mit:

RAD-AUSRÜSTUNG

  • Trekking-, Crossrad oder Mountainbike mit bergtauglicher Übersetzung
  • Geländetaugliche Bereifung
  • Bikeschuhe mit Profil oder Sportschuhe mit fester Sohle
  • Fahrradhelm (Pflicht)
  • Mountainbiker brauchen einen Radrucksack ca. 25 l + Regenhülle, Trekkingbiker haben Packtaschen!

BEKLEIDUNG

  • Regenjacke & Überhose (wind- und wasserabweisendes, atmungsaktives Material)
  • Radhose lang mit Sitzpolster oder Beinlinge
  • Radhose kurz mit Sitzpolster
  • 2 Funktionsunterhemden mit kurzem Arm (-> Tipp)
  • 2 Rad-Shirts mit kurzem Arm
  • 1 Rad-Shirt lang oder Armlinge
  • Fleecepulli
  • Windbreaker
  • Wechselwäsche
  • Mütze (unter den Helm passend)
  • Fahrradhandschuhe
  • Handschuhe lang (wind- und wasserdicht)
  • Bequeme Kleidung und leichte Schuhe für die Unterkünfte

ERSATZTEILE

  • Ersatzschlauch
  • 2 Mantelheber
  • Flickzeug
  • 1 Satz Bremsbeläge
  • Ersatzspeichen, Speichenschlüssel
  • Kettenöl und Lappen (siehe Tipp)
  • Kleines Bike-Tool
  • Spezialwerkzeug, sofern nötig
  • Luftpumpe

ZUSÄTZLICH

  • Toilettenartikel, kleines Handtuch
  • Sonnencreme, Lippenschutzcreme (LSF 20+)
  • 2 Radflaschen oder Trinksystem
  • Erste Hilfe Set, Tape
  • Persönliche Medikamente
  • Zwischenverpflegung (Müsliriegel, Schokolade)
  • Getränkepulver für die Radflaschen (Mineraldrink)
  • Sonnenbrille (100%ige UV-Absorption)
  • Reisepass oder Personalausweis
  • Fotoapparat, Handy, Ladegerät

 OPTIONAL

  • Tacho, Navi
  • Herzfrequenzmesser (hatte wirklich Einer dabei, nervt aber, weil es piept bei Überlastung)
  • Fahrradschloss

Von wegen auf einsamen Wegen hinunter ins Inntal – es geht aufwärts und ich frage mich, wie ich auf diese verrückte Idee gekommen bin…

 

Das entwickelt sich zu der interessantesten Frage: Was bewegt einen, durch die Alpen zu fahren?

Die Überquerung der Alpen (TransAlp) liegt voll im Trend. Es reizt die Herausforderung und die sensationellen Aussichten. Allerdings scheint dieser Reiz an der Jugend vorbeizugehen, ich vermute, weil sich das sichere Halten des Smartphones mit dem Führen eines Bikes am Berg nicht in Übereinstimmung bringen lässt.

 

4 Mädels (alle Singles) suchen einen gut durchtrainierten Partner. Das macht Sinn - den findet man nicht unbedingt unter den Fahrern eines PS-starken Sportwagens.

 

Es gibt natürlich auch die frustrierende Kampfradlerin mit 8.000 km Jahresleistung und Berg- und Talsperren-Erfahrung. Vermutlich alles gefaked, weil das Rad 10 Kg und der Körper 20 kg weniger drauf haben im Vergleich zu den anderen - da kann man locker an allen vorbeifahren.

 

Oder ganz einfach: Ein Muss für jeden Fahrradfahrer!


Also geht's erst einmal bergauf - 20 km von 960m auf 1270m, ähnliches Niveau wie die heimische  Balkantrasse und doch nicht das Gleiche. Wenn man eine Strecke nicht kennt, ist sie beschwerlicher, weil man nicht weiß, wann die Strapazen ein Ende haben. Natürlich habe ich mir im Vorfeld die Strecke nicht angeschaut. Es ist ja auch total angenehm, hinter einem Tour-Guide zu radeln und sich keine Gedanken um den Weg machen zu müssen.

 

Um es vorweg zu nehmen, wir fahren nicht die Original Via Claudia Augusta (Bild 6), sondern eher "schöne" Wege mehr oder weniger nah des ursprunglichen Weges. Ich glaube, Den will auch niemand wirklich fahren.

 

Tipp: Funktionswäsche ist ein Muss - aber kein Unterhemd! Es funktioniert nicht. So schnell kann der Schweiss nicht abtransportiert werden und das Wasser bleibt eng am Körper. Besser als erstes Bekleidungsstück ein luftiges Shirt!

 

Dann aber beginnt die Kirmes. 5 km Abfahrt ins Inntal, von 1270m auf 640m – leider darf man den Tour-Guide nicht überholen – und Die bremst permanent. Mehr als 50 km/h sind nicht drin - und ich lasse doch so gerne rollen...

 

Tipp: Bei Kettenschaltungen braucht die Kette nicht geölt zu werden. Dann haftet nur der Dreck besser dran. Ketten sind ab Werk eingefettet. Da kommt das Öl eh nicht hin, wo es nötig ist. Nach 2000km wird die Kette gewechselt. Wird dies unterlassen, verschleißen Ritzelpaket und Kettenblätter. ( Die verschleißen natürlich auch so, halten dann aber ca. 10.000km, also 5 Ketten).
Tretlagerschaltungen ( Bild 8 - Pinion Getriebe - ich liebe es!) sind dagegen wartungsfrei und haben eine größere Bandbreite (wichtig in den Bergen).

 

Danach bleiben wir auf dem Höhenniveau und radeln am Inn entlang nach Imst - allerdings bemerkenswert zügig. Moni fährt 28km/h und das Kilometer für Kilometer. Das zieht den Verband auseinander.

 

Tipp: Wenn du Schwierigkeiten hast, das Tempo zu halten, bleib vorne - nahe beim Tourguide. Es ist extrem schwierig, wieder aufzuschließen, wenn man erst einmal in der Verfolgergruppe zurückgefallen ist.


Vor dem Abendessen noch ein Rundgang durch Imst und ich entdecke die Rosengartenschlucht (Bild 4) mit dem Schinderloch (Bild 5). Hier sind die Häuser in den Berg gebaut, keine Ahnung, wieso jemand auf die Idee kommt. Hier wurde schon von den Römern Silber abgebaut - geologisch sehr wertvoll.

 

Und dann wäre die TransAlp plötzlich sehr schnell beendet worden - doch dazu später am dritten Tag ...

Über alle Berge - Tag 3

Von Imst nach Nauders
Das Höhenprofil von Imst nach Nauders
Durch das Inntal
Die Pontlatzbrücke
Moni allein auf Spurensuche
Auf zur nächsten Brücke
180 nach 184
Die Schweiz - jetzt geht es richtig aufwärts ...

"3. Tag Sanftes Einrollen im Tal. Hoch über uns thront die Kronburg, einer der wenigen prähistorischen Kultplätze der Alpen. Die Burg von Landeck zeigt uns den Eingang ins obere Inntal. Auf alten Römerpfaden und ruhigen Nebenstraßen erreichen wir das obere Inntal. Wahlweise bringt uns der Huckebike-Bus hoch nach Nauders. Dort erwartet uns die Wellnesslandschaft des Hotels. 73 km, 1000 hm"

 

Um es vorweg zu sagen: Wir waren alle tough und haben natürlich auf den angebotenen "Huckebike-Bus" verzichtet!

 

7 Uhr Frühstück (schaffe ich kein mal) - 8:30h Sattelkontakt.

Wir starten am Hotel Stern, ziemlich hoch oben über der Innenstadt und radeln in der Gruppe den Berg runter über die Pfarrgasse zum Inn. Der Verkehr ist schon immens, die Straße eher schmal, und einige Verkehrsteilnehmer haben reichlich Adrenalin im Blut. Der Fahrer eines bekannten Paketauslieferungdienstes (wußte gar nicht, dass Die auch in Österreich aktiv sind) hatte es besonders eilig. Ein PKW-Fahrer, der den Berg hochkam, wich, um ihm den Weg frei zu machen, auf den Bürgersteig aus. Der Zusteller überholte unsere Gruppe und zog extrem riskant sein Fahrzeug wieder nach rechts, sonst hätte er den entgegenkommenden PKW touchiert. Moni fuhr vorne, ich sofort dahinter, so dass ich die Situation genau im Blick hatte. Als der Fahrer nach recht zog, war zwischen seinem Aussenspiegel und unserer Moni nur wenige Zentimeter. Ich will mir gar nicht vorstellen, was aus unserer TransAlp passiert wäre, wenn es hier einen Unfall gegeben hätte. Der Bericht wäre wohl hier zu Ende.

Der Zusteller fuhr dann 50 Meter weiter in die nächste Straße nach rechts und ich fragte mich, warum er für wenige Sekunden Vorteil dieses Risiko eingegangen ist. Er hätte auch hinter uns herfahren können.

 

 

08:30 Uhr: Wir fahren von Imst (845 m ü. A.) flott hinab ins Inntal. Ab hier (745 m ü. A.) geht es den ganzen Tag kontinuierlich bergauf. Wir fahren mal auf der linken Seite des Inn (in Köln würdeman sagen: linksInnisch) und mal auf der rechten Seite des Inn, z.B. über die Pontlatzbrücke (Bild: 2016-08-02_TransAlp_039 ). Plan ist, in Ried im Oberinntal Mittagseinkehr zu halten.

 

11:40 Uhr: Vielleicht hatten wir zu viel Speed drauf – jedenfalls verpassen wir den Weg über die Brücke (die Straße heißt in 3 Richtungen gleich!) und wir fahren auf der linken Seite weiter. Moni bemerkt nach einer Weile, dass wir auf der falschen Seite des Flusses sind (auf dem Navi schlecht zu sehen), wir fahren aber trotzdem weiter (Umkehren ist für einen Tour Guide immer doof – alle wissen sofort Bescheid und fangen an zu lästern), und die Entscheidung entwickelt sich dann zu einem Abenteuer. War der Weg anfangs noch asphaltiert, fahren wir alsbald über einen Feldweg.

 

11:47 Uhr: Wir nehmen am Inn Ufer Höhe auf und kommen in einen Wald. Steil unter uns der Inn und am Rande die ersten Holzgeländer. Jetzt wäre noch Zeit zur Umkehr aber nach dem Schild „Mountainbike – Schiebestrecke“ ist es für die Gruppe technisch unmöglich, die Räder zu wenden. Aber wir wissen: Hier sind wir definitiv falsch! Also weiter – wir schieben. Die Fahrerin des einzigen Pedelecs wechselt mit ihrem Mann das Bike. Der Weg wird immer extremer, sowohl schmal als auch steil – tief unter uns tost der Inn. In den Bäumen hängen rostige Fahrräder von früheren Expeditionen. In dem Augenblich bin ich wirklich froh, nicht der Tour Guide zu sein. Wir wuchten unsere Räder über die Felsen – Netz haben wir nicht und keiner kann das Ende der Strecke auf dem Smartphone entdecken.

 

12:27 Uhr: Wir haben wieder einen Weg, aber keine Ahnung, wann und wo die nächste Brücke ist. Moni fährt mal alleine zum Inn um den Weg auszukundschaften. Wir haben wieder Internet – Google Maps sei Dank.

 

12:34 Uhr: Hurra, eine Brücke über den Inn. Nach der Anstrengung verspürt niemand mehr Lust,  über die belebte Landstraße nach Ried zurück zu fahren. Wir kehren also in Tösens (930 m ü. A.) im Gasthof Wilder Mann ein. Dort gibt es Topfenstrudel und Schlutzkrapfen, Tiroler Spezialitäten.

 

14:00 Uhr: Es geht weiter – nach der Einkehr fällt es merklich schwerer, Sattelkontakt herzustellen. Und es droht die Norbertshöhe (1405 m ü. A.).

Eine wirklich schöne Strecke, ein weites Tal, ein reiner Radweg, abseits vom Verkehr, dann die Strada Martina, die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz, aber relativ wenig Autos, schönes Radeln mit wenigen Höhenmetern. Dann erreichen wir nach 90 Minuten Martina, kurze Rast.

Der Wechsel der Landschaft zwischen Martina und Nauders ist besonders ausgeprägt. Unten das durch den wilden Inn dominierte, enge Unterengadin, oben befindet man sich bereits auf dem Weg ins breite, sonnige Vinschgau.

Es folgen Instruktionen von Moni. Ab hier ist Einzelkampf angesagt - jeder fährt so wie er kann, Moni fährt jetzt hinterher. Das hört sich schon bedrohlich an.

 

15:30h: Um nicht der Letzte zu sein, fahre ich als Erster los, werde kurz danach schon gestoppt - eine Baustelle. Leider fahren jetzt alle los und wir stehen vor der Ampel - ärgerlich. Ich hätte gerne schon etwas Vorsprung gehabt. Dann beginnt der Aufstieg - lange 5,8 km über die alte Rechenpassstraße. Es wird eine Stunde dauern - nur soweit - man muss sich irgendwie motivieren. Ich finde die Motivation in Anita - die jüngste in unserer Gruppe - sie hat ein Smartphone mit lockerer Musik - die Qualität ist zwar mangelhaft, was halt so ein kleines Ding hergibt, aber es funktioniert. Frustrierend ist nur - Sie fährt einhändig. Es bleibt Einem auch nichts erspart.

 

16:30h: Geschafft, wir haben die Norbertshöhe erklommen, alle sind oben. Kurze Pause - durchatmen - dann geht's weiter nach Nauders, nur 2 km und bergab und für heute glauben alle, das war das Härteste uns sind froh auf unser Luxus-Hotel. Aber der Tag ist noch nicht zu Ende. Es gibt noch Abendessen um 19 Uhr.

Zum Ablauf einer geführten Tour ...

Wie schon erwähnt: Ab 7:00h Frühstück, 8:30h Sattelkontakt. Dann geht die Fahrt zügig los - mit entsprechenden Durchschnittsgeschwindigkeiten über Stunden. Dann um ca. 13h Mittagessen, 14:30h geht's weiter. Tagesziel wird um 17h bis 19h erreicht. Dann gibt's noch Abendessen bis 22h.

Zum Speed: man merkt schon, dass Moni strikte Zeitvorgaben hat, sowohl für Mittagtisch als auch Tagesziel. Zum Glück hatten wir keinen einzigen Ausfall. Auf ebener Strecke dauerhaft mehr als 26km/h sind schon sportlich und unterwegs anzuhalten, um ein Fotomotiv wahrzunehmen ist eine ganz schlechte Idee. Man wundert sich, wie schnell die Anderen weitergezogen sind.

Über alle Berge - Tag 4

Die Karte Nauders nach Naturns
Höhen- und Geschwindigkeitsprofil des heutigen Tages
Am Rechensee - Super Wetter- Super Radwege - Alles gut
Mittagspause in Glurns, der kleinsten Stadt der südlichen Alpen. Seit der Antike besiedelt, war Glurns in Südtirol zur Römerzeit ein bedeutender Ort an der Handelsroute Via Claudia Augusta.
Vinschgau - die Obstkammer Tirols - stundenlang fahren wir durch die Plantagen.

"4. Tag Reschenpass, wir kommen! Nur wenige Höhenmeter trennen uns noch von Italien. Das ewige Eis des Ortlers im Blick, sausen wir hinab ins liebliche Vinschgau. Im mittelalterlichen Glurns erwartet uns ein Kleinod historischen Städtebaus. An Reinhold Messners Schloss vorbei nach Naturns. 72 km, 410 hm"

8:30 Uhr: Übernachtet haben wir im Hotel Central, ein Hotel, welches sich dem Radsport verschrieben hat, wie der Geschäftsführer uns erzählte. Wir satteln auf - es wird ein wirklich toller Tag werden. Wir sehen eine völlig andere Landschaft. Die Temperaturen werden sommermäßig. Aber erst einmal klettern wir hoch zum Rechenpaß und verlassen Österreich (wieder einmal) und kommen nach Italien. Wir erfahren eine sehr gute Rad-Infrastruktur - und - wir fahren bergab - absolut angenehm.

 

 

 

Über alle Berge - Tag 5

Von Naturns über Meran nach Bozen
Höhen- und Geschwindigkeitsprofil des 5. Tages
Meran - eine Perle im Etschtal. Sissi war auch schon da.
Ausblick vom Haidenhof.
Ausblick vom Haidenhof.
Restart nach der Mittagspause.

"5. Tag Am frühen Vormittag erreichen wir Meran. Cappuccino-Pause unter Palmen im mondänen Kurort. Die Mittagsrast dagegen ist zünftig südtirolerisch im Törggelen-Geheimtipp mit selbstgemachtem Holunderblütensaft und kräftigem Speck. Tagesziel ist die Gemeinde Bozen. Ein Glas südtiroler Edelvernatsch rundet diesen Tag gelungen ab. 60 km, 660 hm"

 

In Naturns haben wir im Hotel Lamm übernachtet. Und es ist wieder 8:30 Uhr - Sattelkontakt droht!

 

Die Geschäftsleitung will uns noch mal richtig ärgern und hat für uns die Mittagsrast im Gasthof & Weingut Haidenhof vorgesehen. Nicht das der Ort mies wäre, nein - im Gegenteil. Von hier oben hat man eine tolle Aussicht auf Meran und das Etschtal. Aber man schaut halt von oben, und das heisst, das man erst mal nach oben muss. Um 11:15h beginnt die elende Kletterei wo es doch so einen schönen durch das ebene Etschtal gibt. Nach einer halben Stunde haben wir die 300 Höhenmeter geschafft.

13:15h Es geht abwärts - was wir hochgekraxelt sind, dürfen wir jetzt runterrollen.

 

In Bozen übernachten wir im Parkhotel Luna Mondschein.

Über alle Berge - Tag 6

Tag 6: Von Bozen nach Trient
Tag 6: Das Höhen- und Geschwindigkeitsprofil
Es regnet die ganze Nacht und am Tag wird es erst um 17 Uhr in Trient aufhören ...
Mittagspause am Etschradweg
Trient - nach dem Regen - und so sollte es bleiben.

"6. Tag Geschichtsträchtige Weinlagen und -orte bestimmen diesen Tag. Wie blaue Diamanten blitzen dazwischen die Montiggler Seen. Flussabwärts saust das Rad entlang der Etsch bis nach Trento, der Stadt des
Konzils. Es bleibt genug Zeit für historische Exkursionen oder zum Shopping. Übernachtung im Palazzo-Hotel direkt in der Altstadt. 72 km, 450 hm"

Es gab andere Dinge, die den Tag bestimmten, z.B. das Wetter. In der Nacht hatte es angefangen zu regnen. Morgens regnete es immer noch. Also zogen wir alle die Vollregenschutzkleidung an. Allerdings wenn es dann die nächsten 9 Stunden sinnflutartig durchregnet, hilft Die dann auch nicht mehr. Und genau so sollte es auch kommen. Zum Glück ist der meiste Regen an mir vorbeigefallen.

Die Montiggler Seen haben wir auch nicht gesehen und das kam so: wenn man laut Reisebeschreibung bergab runter saust, muss man erst mal hoch. Nachdem Moni den Bozen-Ausgang gefunden hatte, fuhren wir einen sehr schönen Bahntrassenradweg ins Naturschutzgebiet Montiggl. In den Tunneln hörte sogar der Regen auf! Aber, irgendwo war da so eine Abfahrt von der Trasse ...

Wie beschrieben, es regnete in Strömen. Das Navi war auch ganz schön nass geworden. Nach einer Diskussionspause kippten wir Montiggl, rollten die 100 Höhenmeter runter und erreichen nach 15km oder einer Stunde wieder die Etsch. Jetzt geht es locker auf dem Flussradweg weiter. Aber wenn es einmal schiefgeht ...

Um 10:20 Uhr bleiben wir auf der rechten Seite der Etsch (leider). Anfangs geht es über einer feinen Schotterpiste am Fluss entlang, wir kommen aber der Brennerautobahn immer näher. Irgendwann ist Schluss mit dem Weg. 2-3 Meter hohe Uferbepflanzung verhindert die Weiterfahrt. Also fahren wir zurück und sind nach einer Stunde oder 13km wieder auf dem rechten Weg, dem linken Etsch Ufer.

Um 13 Uhr machen wir 2 Stunden Mittags- und Trockenpause im Ristorante la Cacciatora. Dann geht's weiter immer der Etsch entlang. Beeindruckend ist, was für einen Unrat und ganze Baumstämme aus den Bergen der Fluss befördert. Trient erreichen wir um 16:30 Uhr nach 95km Fahrt - und jetzt reißt die Wolkendecke auf und wir sehen an diesem Tag zum ersten Mal die Sonne.Abweichend vom Plan übernachten wir im Hotel America, liegt aber auch in der Altstadt.

Über alle Berge - Tag 7

Von Trient nach Torbole am Gardasee
Höhen- und Geschwindigkeitsprofil
Vezzano: Moni hat den Weg verpasst - Jetzt ist sie weg und sucht den Abzweig - und wir müssen da wieder hoch ...
Der Tobliner See
Weiter Richtung Gardasee
Geschafft - zum Abschluss gibt es am Gardasee einen Sektempfang

"7. Tag Bei den ersten Höhenmetern aus Trento hilft uns wahlweise die Seilbahn. Wir passieren verwinkelte Dörfer und verträumte Bergseen. Beim Abschiedsessen inmitten der malerischen Weinberge genießen wir beste Trentiner Küche. 60 km, 900 hm"

Es gab natürlich keine Seilbahn - jedenfalls nicht für uns. Gut auch, dass ich diese Tagesankündigungen vorher nicht gelesen hatte. Aber das uns kurz vorm Ende des transalpinischen Erlebnisses noch einmal sowas angeboten wurde - damit hat wohl niemand gerechnet. 10 km aufwärts um 800 hm - absolut monoton und gnadenlos.

9:05h Wir verlassen die Stadt und der Aufstieg beginnt. Tour-Guide Moni fährt wieder als Letzte. Wo ist denn diese Anita mit ihrem Smartphone schon wieder? Na endlich, ich höre sie hinter mir und lasse sie überholen, wieder mal eine Hand am Lenker und eine am Smartphone. Wie macht sie das nur? Ich klemme mich wieder dran...

9:55h Halbzeit am Dorfbrunnen von Sardagna. Wir warten, bis die Gruppe wieder vollständig ist. Moni ist mal wieder die Letzte... Dann geht's weiter.

10:55h die Spitze bei Candriai ist geschafft - hier machen wir eine Stunde Pause. Danach geht es bergab - highspeed.

12:45h wir erreichen Ciago und dann passiert wieder so ein dummer Fehler. Wir rasen hinab ins Tal nach Vezzano - das ist aber leider das falsche Tal ...

12:51h Moni fährt wieder den Berg hoch, um den Weg zu suchen. 5 Minuten später ruft sie an - wir sollen folgen. Es gibt Proteste - wir waren wohl etwas geschwächt - aber es nutzt nichts. Also folgen wir ihr brav zurück nach Ciago.

13:20h Ab Ciago gehts jetzt wieder schön bergab nach Lon und dann über Feldwege zum Tobliner See. Hier geht es zwischen der Via Toblino und dem See über einen Holzsteg am Ufer entlang.

14:15h Auf der Azienda Agricola Gino Pedrotti haben wir eine Mittagseinkehr. Dort treffen wir eine weiter Gruppe unseres Reiseanbieters. Die haben allerdings schon die neuen Trikots - unsere sind verschwunden :-(

15:40h Es geht weiter - wir sind schon so gespannt auf den Gardasee. Es ist schön warm - einfach Sommer.

16:40h Wir erreichen Arco und fahren mitten durch die Stadt. Hier gibt es die beste Eisdiele Italiens. Nur uns treibt es weiter ... Immer an der Sarca entlang bis wir um

17:10h den Gardasee in Nago-Torbole erreichen. Geschafft. Hier herrscht absoluter Trubel - Massentourismus - aber schön. 

Abends Fahren wir mit Taxis aufs Land in ein schönes Weingut und geniessen unser Abschiedsessen. In Torbole sul Garda nächtigen wir im Hotel Villa Rosa Maria. Morgen geht es via Bus zurück nach Mittenwald. Es sollte noch einmal eine lange Fahrt werden.


So - das war's. Und das Ré­su­mé? Ja - es war toll. Es war eine superschöne Strecke, eine atemberaubende Landschaft. Auf vielen anderen Strecken an Flüssen entlang bleibt die Landschaft auch an mehreren Tagen hintereinande relativ gleich. Nicht so bei der Alpendurchquerung. Hier fährt man durch mehrere Länder mit verschiedenen Kulturen, wechselnde Landschaften und immer wieder andere Kulturen. Noch einmal? Ja - auf jeden Fall!

 

 

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