Der Müllerhof in Leichlingen

© ADFC/Sabine Krämer-Kox


Antiker Palast, Fachwerk-Romantik, Barock-Schlösschen und Ritterburg – von allem etwas hat der Müllerhof in Leichlingen. Schreinermeister Otto Kunze aus Düsseldorf wollte dort seinen Lebenstraum von einem preußischen Gutshof mit traditioneller Landwirtschaft verwirklichen. 1987 kaufte er den damals verfallenen Bauernhof an der Wupper, um mit enormem handwerklichen Aufwand ein architektonisches Gesamtkunstwerk zu schaffen. Doch dazu ist der geborene Schlesier nicht mehr gekommen: Vergangene Woche ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

Ein unvollendetes Projekt

Sein Anwesen ist auch nach all den Jahren immer noch nicht fertig. Nun ist die große Frage: Was soll aus dem riesigen Areal und den halbfertigen Gebäuden hinter der Ortschaft Ziegwebersberg werden? Auf diese Frage hat auch Projektentwickler Rainer Kohl noch keine konkrete Antwort.

Der Düsseldorfer Planer wurde bereits 2015 von Kunze beauftragt, in Zusammenarbeit mit der Stadt Leichlingen und der Bezirksregierung Köln eine mögliche Nutzung für den Gutshof zu erarbeiten. Dies führt er nun auch nach Kunzes Ableben im Auftrag der Familie fort.

Doch eine Fertigstellung des Rohbaus ist gar nicht so einfach, denn Ärger mit Umweltschützern, Behörden und der Landwirtschaftskammer begleiteten das ehrgeizige Bauprojekt von Anfang an. Schon bei einer Ortsbesichtigung des Leichlinger Bauausschusses im Jahr 2004 wusste Kunze nicht, wann und in welcher Form der Bauernhof in Betrieb genommen werden soll. Mancher Kritiker glaubte schon damals, dass dort gar keine Gemüse- oder Tierzucht geplant werde, sondern nach und nach eine exklusive Wohnresidenz im Grünen entstehen solle. Doch dem Verdacht widersprach Kunze, der laut Kohls Projekt-Dossier „ein äußerst bescheidener Mann“ war, stets vehement.

Investor für das Grundstück wird gesucht

„Die Familie, Otto Kunze hat vier Töchter, sollte mit Anhang auf dem Hof ihr Domizil finden, so war der Plan“, berichtet Kohl von Kunzes Lebensplan. Doch daraus wird nichts, denn die Familie wird hier wohl nicht einziehen: „Die Lebensentwürfe seiner Töchter haben sich anders entwickelt“, sagt Kohl.

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Da das Grundstück unmittelbar an ein Naturschutzgebiet grenzt, dürfte es theoretisch auch künftig nicht anders als landwirtschaftlich genutzt werden. „Diese Art der Landwirtschaft, wie Herr Kunze sie wollte, ist auf der Fläche aber nicht rentabel“, weiß der Planer Kohl.

„Der Rohbau ist fertig, nun brauchen wir einen Investor, der die Fertigstellung finanziert“, sagt er. Dieser werde sich vermutlich nur finden, wenn im Einvernehmen mit allen Beteiligten eine andere Nutzung genehmigt wird. Was genau dem Düsseldorfer Projektentwickler da vorschwebt, möchte er noch nicht sagen. Anfang Juni könne er mehr verraten. Der Stadtverwaltung liegen noch keine neuen Nutzungsanträge vor.

https://fotografischereisenundwanderungen.com/2017/06/04/rund-um-leichlingen-auf-heissem-pflaster/

 

 

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