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Wermelskirchen gegenläufig

29.01.19
Kategorie: RheinBerg-Oberberg

© Lokalzeit - Frank Schopphoff im Interview



© Sabine Krämer-Kox - Die Telegrafenstraße eingeschneit - Welche Ruhe - kein Verkehr



© Sabine Krämer-Kox - Die Telegrafenstraße



© Sabine Krämer-Kox - Wermelskirchen und Fahrradfahren


 

Eigentlich schien das Thema gegessen. Im Vorfeld der Ratssitzung am 28.01.2019 sah es noch so aus, als ob der Rat mehrheitlich die Klage vom ADFC-Ortsgruppensprecher Frank Schopphoff abwehren würde. Dem Anwalt der Stadt (Sozietät Redeker aus Bonn) wurde vom Gericht als letzte Frist der 31.01.2019 gesetzt. Vom Rat sollte bis dahin entschieden werden, ob die Telegrafenstraße für den Radverkehr gegenläufig geöffnet wird oder ob die Stadt die Klage erwidern soll. Redeker zog eine ernüchternden Bilanz: Die Stadt hätte kaum Chancen, diesen Rechtsstreit zu gewinnen.

Im nichtöffentlichen Teil wird die „Klage gegen die Einbahnstraßenregelung Telegrafenstraße“ behandelt. Jetzt gewinnen nicht Vernunft, sondern die eigenen konservativen Rechtsanwälte die Oberhand, die das Gutachten vom Tisch wischen und eine Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht Köln wollen.

Unabhängig von der Frage nach den demokratischen Gepflogenheiten in Wermelskirchen darf man wohl die Fragen stellen, ob für solch fahrlässiges Verhalten wider jede Vernunft die verantwortlichen Politiker nicht persönlich haftbar sind.

Für Bündnis90/Die Grünen Wermelskirchen ist dies eine Posse um den Radverkehr. „Den Bürgern ist das jahrelange Hick Hack um den gegenläufigen Radverkehr nicht mehr zu vermitteln. Deutschland lacht über die Stadt, die verzweifelt versucht zu verhindern, was mittlerweile bundesweit zur mobilen Normalität gehört. Die Entscheidung, diesen Rechtsstreit weiterzuführen, ist rational nicht mehr nachzuvollziehen.“

Rational ist dies sicherlich nicht. Aber manchmal liegen die Dinge viel einfacher. Es geht hier wie immer um Macht und Menschen. Das ist der Leiter der Bäckerinnung, der für seine Klientel um Parkplätze vor den Bäckereien kämpft und natürlich auch für seine (beleibten) Ratskollegen, denen ein Fußweg zum ersehnten Brötchen nicht zugemutet werden kann. Und dann scheut man auch mal keine Mühen und Kosten und verschafft erst mal ein wenig Luft (zeitlich) und die Ratsmehrheit.

Und was sagt Bürgermeister Rainer Bleek zu diesem Thema: “Und nach wie vor ist die Einbindung der Stadt in den (über)regionalen Radtourismus nicht zufriedenstellend gelöst.“ Recht hat er. Die Radlertouristen umfahren elegant die Innenstadt um ihr dann möglichst schnell den Rücken zu kehren. Aber auch er kann daran nichts ändern. Der Rat hat ihn bzgl. der Vorgehensweise in dieser Angelegenheit entmachtet.

Wermelskirchen gegenläufig – daran wird man sich noch viele Jahre erinnern – auch wenn man sich an die vielen Radfahrer, welche die Telegrafenstraße in beide Richtungen befahren, schon nicht mehr wegdenken kann.

Und: Eigentlich ist die Telegrafenstraße ein Fußgängerzone, in der Autoverkehr allenfalls zu Ladezeiten was zu suchen hat.


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