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„Verlorener Bürgersteig“ in der Scheidtbachstraße

14.03.18
Kategorie: RheinBerg-Oberberg, Verkehrspolitik

© Bernhard Werheid - der Platz für den Petenten - er sitzt alleine und ohne Wasser ;-)



© Bernhard Werheid - Vor den Mülltonnen endet der Bürgersteigs in der Scheidtbachstraße - und nun?



Kein Bürgersteig - Luftbild von 2008 (mit Katastergrenzen)


 

 

Den Fußweg hat hier niemand verloren - er war einfach noch nie da ...“, so wird dem Bürger die Situation erklärt. Und: „Die Gladbacher haben sich an die Situation gewöhnt“.

Aus folgendem Grund besteht hier „Klärungsbedarf“: Ich habe meinen Wagen in die Werkstatt gebracht und gehe zu Fuß nach Hause. Obwohl ich seit Jahrzehnten in Heidkamp wohne, fällt es mir jetzt zum ersten Mal auf: Der Fußweg endet vor zwei Mülltonnen des Eckgrundstücks Scheidtbachstraße/Bensberger Straße.

 Man hat jetzt zwei Möglichkeiten, um weiter zu kommen:

1.     Man geht auf derselben Seite auf der Fahrbahn weiter und versucht, den Fußweg auf der Bensberger Straße zu erreichen. Wahrscheinlich eine schlechte Idee, weil man dort von Kraftfahrzeugfahrern weder vermutet noch gesehen wird. Wahrscheinlich darf ich diesen Weg lt. StVO auch gar nicht gehen.

2.     Man quert die Fahrbahn (gleiches Problem mit der Sichtbarkeit), geht die 20 Meter auf dem Bürgersteig und quert die Scheidtbachstraße zum zweiten Mal.

 

„Selbst wenn die Stadt einen Bebauungsplan aufstellen würde, würde bei Einspruch des Eigentümers jedes Gericht sagen: "Ihr könnt doch eine Einbahnstraße daraus machen - dann habt ihr Platz für den Gehweg ...".

Ich bin ein Fan von Einbahnstraßen! Sie schaffen Raum durch den Wegfall einer Fahrspur. Man kann dies sehr schön in den beengten holländischen Städten sehen, die vernünftigerweise in gewissen Bereichen nur Einbahnstraßen zulassen.

Damit wäre das Problem mit dem Bürgersteig gelöst. Mir fällt auf, dass wir hier in der Nähe dreier Schulen sind. Die Nelson-Mandela-Gesamtschule am Ahornweg, das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Am Rübezahlwald und das Berufskolleg an der Bensberger Straße – insgesamt mehr als 3.500 Schüler – und allen fehlt eine RAD-INFRASTRUKTUR. Wenn schon Einbahnstraße, wieso dann eigentlich nicht gleich eine Fahrradstraße?

Es wäre die erste Fahrradstraße in Bergisch Gladbach und damit läge die Stadt schon gut 20 Jahre hinter dem Trend zurück. Aber es tut sich was in diesem Bereich. Beispielsweise ist das MobiK GL angestoßen worden, welches die Hauptverkehrsadern fahrradfreundlich machen soll. Vielleicht ist jetzt eine gute Zeit, sich auch um sichere Schulwege zu kümmern.

Ich beantrage also nach §24 GO NRW, die Scheidtbachstraße in eine Fahrradstraße umzuwidmen. Der „Ausschuss für Anregungen und Beschwerden“ tagt am 14.03.2018. Um 17 Uhr wird es voll im Sitzungssaal, Mitglieder der Verwaltung und der politischen Parteien nehmen ihre Plätze ein. Ein Politiker erzählt mir, dass es den Entscheidern an Visionen mangele. Alle wissen, dass der Verkehr nicht so weitergehen könne und auch nicht weitergehen werde…

Die Verwaltung lehnt meinen Antrag ab. „Die Straßenverkehrsbehörde sieht keinen Handlungsbedarf“. Die Begründung erscheint seltsam:

„In Einbahnstraßen ist das Geschwindigkeitsniveau deutlich höher, als in Straßen mit Begegnungsverkehr“. Wenn trotz Tempo-30-Beschränkung die gefahrene Geschwindigkeit höher ist, als die derzeitig erlaubte, ist dies ein Ausdruck der Resignation und man akzeptiert rechtsfreie Räume in der Stadt! Laut Untersuchungen des Bundesamtes für Straßenwesen reduziert sich die Durchschnittsgeschwindigkeit in Tempo-30-Zonen von 48 km/h auf 43 km/h. Diese Aussage hört sich wissenschaftlicher an. Temporeduzierung bedeutet Lärmminderung, Feinstaubminderung, NO2-Minderung, CO2-Minderung und bedeutet auch: Erhöhung der Verkehrssicherheit, Senkung der Unterhaltskosten und Aufwertung von städtischen Räumen. (Quelle Bast)

 

„Es gibt Schwerlastverkehr in der Scheidtbachstraße“. Der wird sich hüten, durch diese enge Straße zu fahren. Schwerlastverkehr ins Industriegebiet Zinkhütte fließt ausnahmslos über die Richard-Zanders- und die Sennefeldstraße.

„Wenn es nur noch eine Zufahrt gibt, würde die andere unnötig belastet“. Man kann genauso gut feststellen, dass - wenn die Zufahrt von der Bensberger Straße nicht mehr möglich ist - der dortige Verkehr besser rollt.

Und – immer wieder ein k.o.-Kriterium: „Die Unfallstatistik ist unauffällig. Bisher sind hier keine Fußgänger umgefahren worden.“ Maßnahmen werden offenbar erst ins Auge gefasst, wenn viele Liter Blut geflossen sind.

Dann schlägt die Verwaltung vor, die Querspanne als kombinierten Rad-/Fußweg einzuplanen. Die Idee ist überraschend, weil dieser städtische Grund schon vor Jahrzehnten als Autobahnzubringer angedacht war und deswegen freigehalten worden ist. Hier bietet sich die Möglichkeit, die Querspange bis zur Straße Am Rübezahlwald durchzuziehen.

Da das Thema „fehlender Fußweg/Radweg/Querspange“ sehr komplex ist, wird der Antrag in den Verkehrsausschuss (AUKIV) geschoben. Außerdem soll das Thema am nächsten „Runden Tisch fahrradfreundliches Bergisch Gladbach“ behandelt werden.

Die Zeit bringt Rat(sbeschluss). Erwartet’s in Geduld.
Man muss dem Augenblick auch was vertrauen. (o.ä.)
Schiller

(Wilhelm Tell, II,2)

 

 


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