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Radwegeschwund in Deutschland?

22.02.17
Kategorie: RheinBerg-Oberberg, Verkehrspolitik

© Bernhard Werheid, Neuer Fußweg an der L289, Zeichen 239 mit Zusatzzeichen "Radfahrer frei", mit Warnschild "Radwegschäden"



© Bernhard Werheid, Das stand hier mal: Zeichen 240 (Gemeinsamer Geh-/Radweg)



© Bernhard Werheid, Beispiel für einen schlechten Radweg: Hebborn - Voiswinkel - Odenthal



© Bernhard Werheid, Radweg Odenthal-Scheuren: Sieht (wieder) gut aus!



© bast, Verkehrszeichen 237: Sonderweg Radfahrer


Es werden immer weniger, trotz (Fahrrad-) Mobilitätsoffensive von Bund, Ländern und Kommunen. Diesmal hat es den Radweg an der Landstraße 289 zwischen Herkenrath und Moitzfeld erwischt. Woran liegt das?

An der Landstraße 289 zwischen Herkenrath und Moitzfeld wurde aus einem gemeinsam genutzten Rad-/Fußweg ein reiner Fußweg. Radfahrer dürfen ihn weiterhin befahren.

Was war passiert? Auf Nachfrage wurde erklärt, dass es eine Eingabe gegeben hätte, diesen Radweg zu sanieren, da in dessen Verlauf erhebliche Wurzelschäden aufgetreten seien. Baulastträger hier ist, da der Radweg außerorts verläuft, nicht die Kommune, sondern Straßen-NRW. Die sahen sich nicht imstande, da permanent unterversorgt mit Geldmitteln, die Schäden zu beheben. Also wurde der Radweg kurzerhand als Fußweg deklariert, wahrscheinlich, weil man der Meinung war, Fußwege nicht sanieren zu müssen.

Was bedeutet das für den Radfahrer?

  1. Er darf auf der Fahrbahn fahren! Die Benutzungspflicht ist aufgehoben, eine Vorgehensweise, wie sie innerorts üblich ist. Aber hier?

    Die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt auf dieser Strecke bei 70 km/h. Gehen wir mal davon aus, dass Die auch eingehalten wird und das Autos auch nicht so sehr das Problem sind. Im Zweifelsfall machen die Autofahrer ein Bogen um den Radfahrer. Wer aber jemals auf einer bergischen Landstraße gefahren ist, der weiß, dass meist auch mit höheren Geschwindigkeiten gefahren wird. Als Radfahrer Busse und Schwerlastverkehr im Nacken zu haben, die gerade wegen Gegenverkehr nicht überholen können, und abbremsen müssen, ist für Radfahrer wohl genauso schlimm wie der Luftsog, wenn sie ungebremst vorbeifahren.

  2. Er kann weiterhin auf dem Gehweg fahren. Allerdings nur mit Schrittgeschwindigkeit – so das Bundesgesetz. Die Schrittgeschwindigkeit ist gesetzlich nirgends definiert. Die ständige Rechtsprechung der Gerichte orientiert sich jedoch an den von Fußgängern durchschnittlich erreichten Geschwindigkeiten und geht in ihren Urteilen von 4 bis 7 km/h aus. Diese Geschwindigkeit ist für ungeübte Fahrradfahrer zu gering, um ein einspuriges Fahrrad noch sicher zu führen. Sie fangen an zu kippeln und drohen umzufallen.

    Andere Urteile gehen beim Thema Schrittgeschwindigkeit von deutlich unter 20 km/h aus.

    Radfahrer machen keinen Führerschein - woher sollen sie das also wissen? Ich persönlich habe auch noch keinen Radfahrer gesehen, der hier kilometerlang versucht, die Schrittgeschwindigkeit einzuhalten. Allerdings zeigt die Auswertung, dass 90% der Radfahrer weiterhin den Weg neben der Straße nutzen - was bei der Verkehrsdichte und den gefahrenen Geschwindigkeiten auf der Landstraße auch ratsam erscheint.

Es wäre besser gewesen, auf der Fahrbahn die Mittellinie zu entfernen und beidseitig Radfahrstreifen einzurichten, die durch Verkehrszeichen 237 und auf der Fahrbahn mit durchgezogenem Breitstrich angeordnet werden und benutzungspflichtig sind. Diese dienen als Ersatz für benutzungspflichtige, baulich gesondert angeordnete Radwege.

Alternativ kann man Radwege auch sanieren. Der Baulastträger ist von der Verpflichtung zum Unterhalt der Wege nicht entbunden, auch nicht nach Umwidmung zum Gehweg. Die meisten Radfahrer werden ohnehin weiterhin den gewohnten Weg fahren werden.

Es fällt schon auf, dass Fahrbahnen eigentlich gut in Schuss sind, die danebenliegenden Radwege aber in schlechtem Zustand sind, obwohl die Belastungen durch den Autoverkehr ungleich höher sind. Innerorts liegt das häufig daran, dass Versorgungsunternehmen jährlich die Wege aufreissen müssen, um neue Leitungen für Gas, Wasser, Strom oder Telefon/Internet neu zu verlegen oder zu reparieren. Außerorts liegt es wohl daran, dass der Untergrund nicht fachgerecht ausgeführt  bzw. nicht auf Langlebigkeit gebaut wurde.


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