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Mühlen & Miniaturen aller Art

21.05.18
Kategorie: RheinBerg-Oberberg

© Sabine Krämer-Kox - Eintrittsspende 1 EURO



© Sabine Krämer-Kox - Modellbauer Günter Blömer



© Sabine Krämer-Kox - Modelle aller Art...



© Sabine Krämer-Kox - Wind- und Wassermuseum



© Sabine Krämer-Kox - ... nur keine Zwickmühle



© Sabine Krämer-Kox - ...eine Galeere



© Sabine Krämer-Kox - Kombination aus Schiff und Mühle



© Sabine Krämer-Kox - Ölmühle



© Sabine Krämer-Kox - Bergische Olligsmühle



© Sabine Krämer-Kox - Oberschlächtiges Mühlrad



© Sabine Krämer-Kox - Unterschlächtiges Mühlrad



© Sabine Krämer-Kox - Schleifer im Kotten bei der Arbeit



© Sabine Krämer-Kox - Liebe zum Detail



© Sabine Krämer-Kox - Bökers Hammer im Eifgental



© Sabine Krämer-Kox - Hövener-Mühle originalverkorkt



© Sabine Krämer-Kox - Chinesische Mühle



© Sabine Krämer-Kox - ...sogar der Altenberger Dom



© Sabine Krämer-Kox - PS-betriebenes Fahrzeug



© Sabine Krämer-Kox - Geführte mit Hafermotoren



© Sabine Krämer-Kox - LVR Dom


Das Wind- und Wassermuseum in Odenthal-Stein, Mühlenweg 7

Kornmühlen, Getreidemühlen, Ölmühlen („Olligsmühl´), Walkmühlen, Windmühlen, Wassermühlen, Schiffsmühlen, Bockmühlen, Hämmer, Sakralbauten, Kutschen, Fuhrwerke, Bergwerks-Steigvorrichtung, unzählige Schiffsnachbildungen, sogar eine Galeere - man kann sie gar nicht alle aufzählen, die Modelle, die Günter Blömer in seinem kleinen Wind- und Wassermuseum  im Odenthaler Ortsteil Stein beherbergt - ja nicht nur beherbergt, sondern im Laufe der Jahr(zehnt)e in liebevoller Kleinarbeit selber gebaut hat.  Große, kleine, einige in Flaschen  - außer Zwick- und Gebetsmühle - sind wohl alle nur erdenklichen Arten von Mühlen und Antreiben, die Wind- und Wasserkraft nutzen,  vertreten und lassen sich genauestens studieren. Aber auch mit Pferdestärken betriebene Kutschen und Fuhrwerke, u. a. ein Pulverwagen,  sind zu bestaunen.

Liebe zum Detail
Eins haben alle gemein: sie sind möglichst originalgetrau nachgebaut und voll funktionsfähig! So findet man z. B. ein Modell von Clemens Bökers Hammerschmiede - kurz „Bökers Hammer“ - an dessen Standort im Eifgental heute nur noch 2 Eiben (Naturdenkmal) erinnern. Der ehemalige Standort der Siebelsmühle dagegen kann nicht mehr aufgesucht werden, da er in den Fluten der Dhünn- Talsperre versunken ist. Die naturgetreuen Modelle jedoch bleiben der Nachwelt erhalten. Auffällig bei allen Miniaturen ist die Liebe zum Detail. In der Siebelsmühle beispielsweise, die noch eine Weile als Stellmacherei genutzt wurde, entdeckt man bei genauem Hinsehen einen Leimtopf auf dem Ofen (dies sollte verhindern, dass der Knochenleim fest aushärtete). In einer „Buddel“ findet man ein Modell der Hüvener Mühle bei Meppen im Emsland, eine der letzten kombinierten Wind- und Wassermühlen. Unter Zitierung des Mottos „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das weitergeben des Feuers“ sind ausgewählte Modelle im Museumsführer abgebildet und kurz erklärt. So wird die Mühlen-Ausstellung ständig um neue Modell-Bauten erweitert, statt lediglich die vorhandenen zu präsentieren.

Wasser bewegt
An den kleinen Modellen lassen sich die einzelnen Funktionsprinzipien auch für Laien einfach nachvollziehen, da dem Betrachter genaue Ein- und Überblicke gewährt werden. Es gibt Modelle von ober- und unterschlächtigen Mühlrädern. Bei ersteren „fällt“ das Wasser über eine Rinne am Ende des sog. oberen Mühlengrabens auf das Mühlrad bzw. in dessen Fächer und bewegt durch sein Gewicht das Rad (über den unteren Mühlengraben fließt es wieder ab bzw. weiter). Für das Funktionieren dieses Prinzips ist ein erheblicher Höhenunterschied erforderlich. Bei mittel-/ und unterschlächtigen Modellen strömt das Wasser unter dem Mühlrad durch und drückt dabei gegen die Schaufelbretter. Der Antrieb erfolgt durch den Strömungswiderstand. Auch ein Mühlenmodell mit archimedischer Schraube ist vertreten. Hierzu können Sie vor Ort Ihren Gedanken selber freien Lauf lassen.

Und sie dreht sich doch!
Im Falle einer chinesischen Mühle mit Segeln habe er den Mechanismus zunächst nicht richtig durchschaut, so Blömer. „Sie wollte sich einfach nicht richtig im Wind drehen“ berichtet er. Bis eines Tages ein Brief mit einer englischen Beschreibung sowie Skizzen genau dieses Mühlentyps aus China (!) eintraf. Das Begleitschreiben kam Günter Blömer zwar chinesisch vor, der englischen Sprache ist er auch nicht mächtig, aber anhand der Zeichnungen hat er die Mühle schließlich ans Laufen bekommen!

Der Bergische Dom
Stolz zeigt uns Blömer ein Modell des Altenberger Doms und erläutert den Unterschied der ursprünglichen Stützen auf dem Dach der Seitenschiffe mit unzureichender Ableitung des Druckes und die Wirkung der „neuen“ Strebepfeiler. „Unter“ dem Dommodell weist er auf die Reste der ersten romanischen Klosterkirchen hin.  Ein Vorfahr seiner Frau sei von 1816 bis 1833 Domaufseher in Altenberg gewesen und habe den Dom, bzw. dessen Ruine, vor Plünderern schützen müssen.

Günter Blömer, Jahrgang 1933, lebt seit dem zweiten Weltkrieg im Bergischen. Nach einem Luftangriff auf Köln im Mai 1942 hatte seine Mutter als Ausgebombte mit ihren Kindern in der Nähe Odenthals Zuflucht gesucht. Nach dem Krieg begann Günter Blömer eine Maler- und Anstreicher Lehre. Eines schönen Tages führte ihn ein Auftrag nach Stein. „Da war dann ein nett´ Mädchen …“ – der Rest ergab sich…: 1955 heiratete er seine Frau Elisabeth und Stein ist seitdem sein Zuhause.  Oft ist er auf der Straße zwischen seinem Haus und dem kleinen Mühlenmuseum anzutreffen, um mit Passanten ein Schwätzchen zu halten. Heute ist der Mühlenweg eine Sackgasse und nur für Radfahrer und Fußgänger "durchlässig".

Der Ortsteil Stein
Bis 1852 war diese Straße jedoch die Hauptverbindung  zwischen Odenthal und Altenberg sowie weit darüber hinaus. In Stein gab es eine Postwechselstation und ein Gasthaus - das Modell einer Postkutsche, wie sie früher hier wohl anzutreffen waren, steht übrigens im Mühlenmuseum. Auch das Pferdefuhrwerk, das den Gasthof mit frischem Landbier belieferte, wird dank des ausgestellten Modells wieder „lebendig“. Das Gasthaus existiert nicht mehr – bis auf den Gewölbekeller, doch über den ist mittlerweile „Gras gewachsen“. Wohl ältestes Bauwerk ist die Steiner Mühle. Erste Erwähnung fand sie 1256. Bereits um 950 n. Chr. soll die erste Mühle errichtet worden sein. Das letzte Mehl wurde 1940/41 in Stein gemahlen.  Heute dient die Mühle nach liebevoller Renovierung als Wohnhaus. Vorbei an diesem Domizil – und der Warnung vor „freilaufenden Hühnern“ -  verläuft unsere Tour über Berg und Tal zum nächsten Ziel, der Lambertsmühle in Burscheid.


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