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Miteinander läuft's

31.01.18
Kategorie: Aktuelles, RheinBerg-Oberberg, Verkehrspolitik

© Inga Terber - Blick in die Zukunft



© Bernhard Werheid - Lieferverkehr zur Mittagszeit



© Bernhard Werheid - Beginn der geplanten Umweltspur



© Bernhard Werheid - Keine Klingelei in der Fußgängerzone!


 

Fußgängerzonen sind ein Bestandteil autogerechter Stadtplanung. Die ersten Fußgängerzonen entstanden in den 1950er Jahren in der Phase des Wiederaufbaus nach den großflächigen Zerstörungen der Innenstädte im 2. Weltkrieg.

Seit 1981 gibt es die Fußgängerzone in Bergisch Gladbach, leider keine in Bensberg und Wermelskirchen schafft es auch nicht. Und wir sollten alle wachsam sein: Es gibt einen Trend zur Umkehr. Viele wünschen wieder den Autoverkehr und Parkplätze direkt vor ihrem Geschäft. Einige Städte folgen dem Trend, auch in NRW. Aber sie irren sich: Natürlich gibt es Laufkundschaft-Verluste aufgrund des Internet-Bestellwahnsinns. Selbst die Geschäftswelt nutzt diesen neuen Paketlieferservice, was man leicht an dem Verkehr auch außerhalb der Lieferzeiten in der Fußgängerzone feststellen kann.

Die Grundidee „Fußgängerzone“ ist die Trennung der Verkehrsarten. Fußgängerzonen schaffen kleine Reservate für Fußgänger in einer ansonsten auf den Autoverkehr ausgerichteten Stadtplanung. Fußgängerunterführungen, Tiefgaragen, Parkhäuser, Parkleitsysteme und U-Bahnen sind Teil des Systems.

Fahrradverkehr kommt in dieser Welt nicht vor. Radfahrer sind weder Fußgänger noch Autofahrer. Konsequenterweise müsste man für den Fahrradverkehr ein drittes, vollständig von den anderen Verkehrsarten getrenntes Verkehrssystem aufbauen - eine absurde Idee in engen Innenstädten.

Die Diskussionen über Radfahren in Fußgängerzonen sind so alt wie die Fußgängerzonen selbst. Schon seit den 1980er Jahren ist die Sachlage gründlich erforscht. Wesentliche neue Erkenntnisse sind seitdem nicht hinzugekommen.

  • Über die Zulassung von Radfahrern werden emotionsgeladene Debatten geführt.
  • Vor allem ältere Personen fühlen sich gefährdet.
  • Unfälle mit Fußgängern sind seltene und i.d.R. harmlose Ereignisse.
  • Wo Radverkehr erlaubt ist, gibt es weniger Unfälle.
  • Radfahrer passen ihr Verhalten an die Fußgängerdichte an.
  • Radwege durch Fußgängerzonen sind keine Lösung.

Radfahrer befahren Fußgängerzonen auch unerlaubt, wenn sie die Verbindung brauchen und Alternativen fehlen. Wenn es bessere Alternativen gibt, fährt kein Radfahrer freiwillig durch eine Menschenmenge. Fußgängerzonen sind die Kehrseite der autogerechten Stadt. Wenn zahlreiche Radfahrer unerlaubt durch eine Fußgängerzone fahren, steht dahinter eine verfehlte Verkehrsplanung. Also muss die Verkehrsplanung korrigiert werden, nicht die Radfahrer.

Auch wenn Radfahren erlaubt ist, müssen die Radfahrer sich nach den Fußgängern richten, nicht umgekehrt. Die Rechtslage entspricht der Zulassung von Radverkehr auf Gehwegen.

Nach der Straßenverkehrsordnung gilt für Fußgängerbereiche:

·       „Wird durch Zusatzschild Fahrzeugverkehr (Fahrräder sind auch Fahrzeuge!) zugelassen, so darf nur mit Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Die Fahrzeugführer dürfen Fußgänger weder gefährden noch behindern; wenn nötig müssen sie warten.“

Die Gruppe der Verkehrsrowdys wird sich auch weiterhin nicht an Verbote halten, aber für die überwiegend rücksichtsvolle Mehrheit bedeutet die neue Regelung einen Gewinn. Dennoch handelt es sich nach wie vor um eine Fußgängerzone, wo Radverkehr lediglich geduldet ist. Die Radler sind den Fußgängern untergeordnet. Wenn es erforderlich ist, müssen Fahrräder geschoben werden.

Die Öffnung der Fußgängerzone ist ein weiterer Baustein hin zu einem sicheren, schnellen und attraktiven Radverkehrsnetz in Bergisch Gladbach und trägt zu einer verstärkten Nutzung des Fahrrades bei und fördert den Umstieg auf das Rad.

Mit dem Fahrrad in die Fußgängerzone

Das Zentrum einer Stadt muss vielen Ansprüchen gerecht werden, da wird es schon mal eng. Deshalb steigen immer mehr Leute aufs Fahrrad um. Das ist gut für die Gesundheit, gut für die Umwelt, schafft Platz auf den verstopften Straßen und obendrein geht's auch noch schneller.

Das gilt natürlich auch für die Fahrt zum Einkaufen. Weil solch vernünftiges Verhalten belohnt werden soll, dürfen Radfahrer in Bergisch Gladbach voraussichtlich ab den Osterferien 2018 auch in die Fußgängerzone fahren, vorausgesetzt, sie halten sich an das vorgeschriebene Schritttempo.

Weniger erwünscht ist der Durchgangsverkehr von Radfahrern, die die Fußgängerzone als autoarme Fahradroute sehen. Sie wollen oft nur schnell ans andere Ende und betrachten flanierende Fußgänger eher als Hindernisse.

Die Umfahrung der Fußgängerzone auf der Schnabelsmühle/Gohrsmühle soll im Frühjahr auf den neu eingerichteten Umweltspuren fertig werden. Parallel zur Fußgängerzone wird sie zwischen ev. Kirche und Driescher Kreisel für Radfahrer, die schneller vorankommen wollen, als gemeinsame Bus-/Fahrradstraße eingerichtet. Hier hat der Autoverkehr nichts zu suchen.

 

 

„Im Rahmen der Umsetzung des Mobilitätskonzeptes ist die Einrichtung von Umweltspuren geplant, welche zu einer umweltfreundlicheren Abwicklung der Verkehrsströme beitragen sollen. Dafür sollen die Busspuren im gesamten Stadtgebiet auch für den Radverkehr freigegeben und mit Radpiktogrammen markiert werden.“      Aus: INTEGRIERTES HANDLUNGSKONZEPT BERGISCH GLADBACH BENSBERG

 

 

Als Radfahrer sind Sie Gast in der Fußgängerzone

Radfahrer sind in Bergisch Gladbach erwünscht und willkommen. Sie genießen uneingeschränkten Respekt, wenn sie auf ihr Auto verzichten. Als Gast in der Fußgängerzone genießen Sie das Privileg, mit Ihrem umweltfreundlichen Fahrzeug direkt zu Ihrem Einkaufsziel fahren zu können.

Grundlage dieser fahrradfreundlichen Regelung ist, dass Sie den absoluten Vorrang der Fußgänger respektieren und sich an die Regeln halten. Zeigen Sie durch Ihr Verhalten, dass Sie diese Gastfreundschaft zu würdigen wissen. Rücksichtnahme der Fahrradfahrer gegenüber den Fußgängern ist extrem wichtig.

 

Tipps zum Radfahren in der Fußgängerzone

Fußgängerzonen sind die unfallärmsten Verkehrsbereiche. Trotzdem fühlen sich manche Fußgänger von Radfahrern bedrängt. Das muss nicht sein, wenn Radfahrer sich an ein paar einfache Regeln halten

  • Fahren Sie nur in die Fußgängerzone hinein, wenn Sie dort etwas zu erledigen haben. Wollen Sie nur ans andere Ende, kommen Sie auf der Umweltspur Schnabelsmühle schneller voran.
  • Halten Sie sich an das vorgeschriebene Schritttempo! Es ist die Grundlage für das Miteinander auf Fußgängerwegen.
  • Fahren Sie vorausschauend! Fußgänger fühlen sich weniger belästigt, wenn man hinter ihnen vorbeifährt, anstatt noch eben vor Ihrer Nase durchzubrettern
  • Achten Sie auf ausreichenden Abstand! Niemand mag es, wenn ihm seine Mitmenschen zu dicht "auf die Pelle" rücken.
  • Halten Sie lieber an, wenn es eng wird und lassen Sie stets den Fußgängern den Vortritt. Es gibt Zeiten, da wird es richtig voll. Dann steigen Sie am besten ab.

·        Menschen wollen auch entspannt durch die Bergisch Gladbacher City bummeln und bewegen sich häufig nicht geradlinig – rechnen sie mit plötzlichem Richtungswechsel.

·        Fahren Sie nicht geradlinig sondern suchen sie die größtmögliche Lücke.

Apropos Klingel:

·       Wann immer Sie meinen, eine zu brauchen, sind Sie mit Sicherheit zu schnell.


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