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LVR lässt Mühlen wieder klappern

21.05.18
Kategorie: RheinBerg-Oberberg, Radtouren

© Sabine Krämer-Kox - Mahlstein



© Sabine Krämer-Kox - Wasserkraft



© Sabine Krämer-Kox - Neuemühle



© Sabine Krämer-Kox - erbaut 1826



© Sabine Krämer-Kox - Remise



© Sabine Krämer-Kox - Restauration



© Sabine Krämer-Kox - Eingangspforte



© Sabine Krämer-Kox - Mobilität im 19. Jahrhundert



© Sabine Krämer-Kox - Infotafel vor der Mühle



© Sabine Krämer-Kox - LVR-Mühlentag am 21. Mai 2018


 

Zum traditionellen Mühlentag, der auch dieses Jahr am Pfingstmontag (21.05.) statt fand, setzte der Landschaftsverband Rheinland (LVR) einiges in Bewegung. Landauf landab fanden Vorführungen in alten Mühlen und Hämmern statt. Auch der ADFC RheinBerg-Oberberg, in Kooperation mit dem :aqualon-Verein, setzte sich anlässlich des Mühlentages in Bewegung. Das diesjährige Motto lautet „Wasser, Mehl- und Pulverstaub“.

Zunächst begegnen wir jedoch dem (Fein)Staub der Landstraße. Ab Bergisch Gladbach bzw. Burscheid geht es nach Wermelskirchen. Erstes Ziel ist die Neuemühle.  Die alte Wassermühle besteht seit 1826 und  verdankt ihren Namen der Tatsache, dass sie eine der zuletzt erbauten Mühlen des Bergischen Landes war.  Sie wurde ursprünglich als Kornmühle mit angeschlossenem Bäckereibetrieb genutzt.  Ab 1912 betrieb man in der Mühle zusätzlich ein Ausflugslokal, in dem heute Wiebke Büngen mit ihrem jungen Team ihre Gäste mit Kartoffelspezialitäten verwöhnt. Wir interessieren uns  am Mühlentag aber eher für den Mühlbetrieb, als für Kartoffeln.

Arbeitskraft des Wassers
Wieso wurde 1826 eine Bäckerei derart dezentral  im Tal, weit entfernt  von potenziellen Kunden angesiedelt? Heutzutage liegen Bäckereien meist in Fußgängerzonen (letztere in Wermelskirchen leider nicht vorhanden) oder zumindest zentrumsnah. Im Industriezeitalter gibt es Motoren, industriell gemahlenes Mehl, Backmischungen, Teigrohlinge u. v. a. m., was die Herstellung bzw. Verarbeitung von Mehl zu Backwaren vereinfacht.  Anno Tobak wurde alles in Eigenregie mühsam erzeugt bzw. mechanische Antriebe wurden eingesetzt, da Elektro- oder Verbrennungsmotoren erst  noch erdacht werden mussten. Mühlen errichtete man daher an „rauschenden Bächen“  – welche naturgemäß in Tälern zu finden waren  – um mit Hilfe von Wasserkraft  die schweren Mühlsteine mittelbar in Gang setzen zu können. Nicht selten ergaben sich erbitterte Streitigkeiten entlang eines Flusslaufes, weil ein Nutzer dem anderen „das Wasser abgrub“, d. h. den Bachlauf umleitete bzw. zu viel Wasser in seinen Mühlengraben leitete, sodass die Mühlenbetreiber flussabwärts buchstäblich auf dem Trockenen saßen. 

Aber zurück zum Mühlenbrot:  Die fertigen Backwaren wurden seinerzeit mit dem Pferdefuhrwerk, Kiepe oder Handkarren aus dem Tal hinauf nach Wermelskirchen sowie die umliegenden Dörfer transportiert und dort verkauft.  Bauern brachten dagegen ihr Getreide zum Mahlen ins Tal. Aber nicht nur Mehl wurde unter Nutzung der Wasserkraft hergestellt, auch Seife (aus Tierknochen) und Öle wurden in der Neuemühle produziert. Die Mühle verfügte über zwei oberschlächtige Wasserräder. Das eine Mühlrad trieb vier Mahlgänge für verschiedene Getreidesorten an. Allerdings konnte jeweils nur  1 Mahlgang „angeworfen“  werden.  Das zweite Mühlrad bewegte die Stampfen einer Ölmühle. Selten führte der Eifgenbach -  insbesondere im Sommer -  genug  Wasser, um beide Räder gleichzeitig in Schwung zu bringen.   Am Rande der nahe gelegenen Ortschaft Dhünn befindet sich noch heute die sog. „Knochenmühle“, die bis vor kurzem allerdings eher für „Selbstgebrannten“ als für Knochenseife bekannt war.

Anziehungskraft des Wassers
Man begann nicht nur  die Antriebs-, sondern auch die „Anziehungskraft“ des Wassers zu nutzen: 1905 wurde ein „Gondelteich“ aufgestaut, der erholungssuchende  Städter zu einer Kahnpartie ins Eifgental  locken sollte.  Noch heute lassen zeitgenössische Wanderer und Radfahrer gerne ihre Blicke auf dem Fischteich ruhen, während sie im Mühlen-Biergarten rasten.  Wie auf der Web-Seite der Neuemühle zu lesen ist, wurde  wurde die Mühle bereits ab 1912 gastronomisch bewirtschaftet. Zunächst wurden nur alkoholfreie Getränke zur Erfrischung angeboten.   Erst 1950 erhielt die Gaststätte die Schankerlaubnis auch für Bier, Wein und Spirituosen.

Restaurierung der Mühle
Der Mahlbetrieb wurde 1951 eingestellt, als der letzte Müller starb.  In den 1980er Jahren erwarb der  Wermelskirchener Bauunternehmer Hans Büngen die Neuemühle und begann mit der liebevollen Restaurierung,  sein Sohn Stephan übernahm die Erhaltung des  denkmalgeschützten Bauwerkes und seine Enkelin Wiebke betreibt heute die Restauration.  Das Wasserrad wurde originalgetreu rekonstruiert,  das Untergeschoss zu  Gasträumen umgebaut und das „historische  Herz“ der Mühle, das Getriebe, hinter Glas gesetzt. Seit Oktober letzten Jahres backt  Wiebke Büngen im alten Backofen wie anno dazumal wieder frisches, knuspriges Mühlenbrot (Backtermine  11.05., 08.06., 13.07. und 10.08.2018). So schließt sich der Kreis.

Fortsetzung folgt
Wie es mit unserer Mühlen-Tour weiter geht, erfahren Sie in den nächsten Artikeln, die sich mit den Pulvermühlen im Helenental, dem Steiner  Wind- und Wassermuseum und der Lambertsmühle in Burscheid beschäftigen werden.


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